US-Amerikaner sucht Fürfelder Hochzeitsstein

Nur noch das Hinweisschild an einem Wohnhaus erinnert an die ehemalige Synagoge an dieser Stelle gegenüber dem Fürfelder Rathaus. Foto: Wolfgang Bartels

Als die Synagoge in Fürfeld abgerissen wurde, ging auch der „Chuppa-Stein“ verloren. Nun sucht James Bauer, dessen Verwandte in Fürfeld lebten, dieses Stück „Vergangenheit“.

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FÜRFELD. „Gibt es Fotos vom Chuppa-Stein?“ Ortsbürgermeister Klaus Zahn war überrascht, als er kürzlich seine E-Mails öffnete. Aus New York hatte ein ihm völlig unbekannter Mann namens James Bauer geschrieben. Er berichtete, seine Familie habe viele Jahre bis zur Nazizeit in Fürfeld gelebt. Einige Angehörige wie Elias Kahn, Rosina Kahn und Hermann Kahn seien auf dem jüdischen Friedhof begraben. Im Internet war Bauer auf einen Eintrag zur Fürfelder Synagoge gestoßen, in dem von einem „Chuppa-Stein“ die Rede ist, einem Stein, der bereits die alte Synagoge von 1760 schmückte und beim Neubau 1895 in die Außenwand eingefügt wurde. Während des Novemberpogroms 1938 wurde die Synagoge von SA-Männern verwüstet und geschändet. Danach wurde das Gebäude als Lagerhalle genutzt und 1959 abgebrochen. An seiner Stelle wurde ein Wohnhaus errichtet, an dem heute eine Gedenktafel an die frühere Synagoge erinnert.

Nur noch das Hinweisschild an einem Wohnhaus erinnert an die ehemalige Synagoge an dieser Stelle gegenüber dem Fürfelder Rathaus. Foto: Wolfgang Bartels
Auf der Postkarte von 1914 ist die Fürfelder Synagoge links oben zu sehen. Foto: Kreisarchiv

Aber der Chuppa-Stein? Bürgermeister Zahn musste sich erst einmal schlau machen, was es damit auf sich hat. Bei jüdischen Hochzeiten gibt es den Brauch, dass ein Glas rituell am Chuppa-Stein, deshalb auch „Hochzeitsstein“ genannt, zerschlagen wird, verbunden mit dem Wunsch „Masel tov – Viel Glück“. Der Brauch soll an den zu Jerusalem verwüsteten Tempel erinnern. Der Kreis schließt sich. 80 Jahre nach der Verwüstung des Fürfelder Tempels hat sich James Bauer auf die Spur des Chuppa-Steines begeben: „Ich weiß zwar, dass die Synagoge in den 1950er Jahren abgerissen wurde, aber ich frage mich, ob es Fotos vom Chuppa-Stein gibt“, schreibt er an den Bürgermeister.

Archive werden nach Fotos durchforstet

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Klaus Zahn setzte sogleich alle Hebel in Bewegung, um etwas über den Verbleib des Steines zu erfahren. Er wandte sich an Jörg Lamers-Hanisch, der gerade ein Buch über die Fürfelder Juden schreibt, sowie an Pfarrer Harald Todisco, da die Katholische Kirche die letzte Eigentümerin des Synagogengebäudes vor dem Abriss war. Jetzt werden das Pfarrarchiv und alle anderen Quellen durchforscht, ob es nicht doch ein Foto des Steines gibt. Zahn hat sich zudem mit einem Aufruf an die Fürfelder Bürger gewandt, ob irgendjemand Informationen oder gar Bilder von dem Chuppa-Stein besitzt. Um verständlicher zu machen, wie solch ein Stein aussieht, hat er seinem Aufruf mehrere Abbildungen von anderen Chuppa-Steinen aus dem Internet als Beispiele hinzugefügt. Klaus Zahn hat einen kleinen Funken Hoffnung, dass dieser ganz besondere Stein wieder auftaucht: „Vielleicht schlummert er ja als vergessenes Schmuckstück in irgendeinem Garten.“ James Bauer in New York jedenfalls freut sich, dass seine Anfrage so viel Bemühen in Fürfeld ausgelöst hat.