Viele Baustellen im Busverkehr im Kreis Bad Kreuznach

Uwe Hiltmann ist Geschäftsführer der KRN, dem Verkehrsunternehmen, das für die Umsetzung der Fahrpläne verantwortlich ist. Er muss derzeit an vielen Stellen nachsteuern.

Seit rund vier Wochen gelten die neuen Busfahrpläne. Die erste Bilanz fällt durchwachsen aus. Doch was sind die Ursachen? Ein Erklärungsversuch.

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Kreis Bad Kreuznach. Ausgefallene Busse, alte Fahrpläne an den Haltestellen, fehlende Beschilderung der Busse - die Liste der Beschwerden, die derzeit bei der Kommunalverkehr Rhein-Nahe GmbH (KRN) landen, ist lang. Zahlreiche dieser Beschwerden erreichen auch diese Zeitung. Wir haben KRN-Geschäftsführer Uwe Hiltmann damit konfrontiert.

Herr Hiltmann, immer wieder erreichen uns Schilderung, der Bus wäre zur angegebenen Zeit gar nicht gekommen. Was sind die Gründe dafür?

Die Gründe hierfür sind vielfältig. Insgesamt 37 Fahrten wurden bei der Überspielung der Rohdaten in die KRN-Umlaufplanung nicht erfasst und verplant. Dieser Fehler konnte nach zwei Betriebstagen identifiziert und behoben werden. Aufgrund von besonderen Baustellenbelastungen kam es in breiten Bereichen des Netzes unter anderem im Bereich Stromberg, Bad Kreuznach und Ingelheim zu enormen Verspätungen, die dann auch Auswirkungen auf andere Teilnetze haben. Einige Fahrplanrelationen müssen wegen der generellen Verkehrssituation angepasst werden, um nicht systematische Verspätungen zu haben. Hinzu kommen kurzfristige Krankmeldungen, die dann nicht mehr durch Verfügungsdienste direkt aufgefangen werden können. Von 3.500 Fahrten sind dabei bis zu 250 Fahrten am Tag ausgefallen. Die Zahl hat sich in der zweiten Betriebswoche auf rund 130 reduziert und muss sich weiter stabilisieren.

Viele Busse tragen keine Beschilderung. Warum sind nicht alle Busse zuverlässig mit der Liniennummer ausgestattet?

KRN und die Subunternehmer warten noch auf die Zulieferung des Großteils neuer Fahrzeuge. Bei der KRN fehlen derzeit noch über 50 Prozent der Neufahrzeuge, bei einzelnen Dienstleisters ist diese Quote noch höher. Die verspätete Lieferung wird derzeit mit kurzfristig angemieteten Gebrauchtfahrzeugen ausgeglichen. Diese haben aber in der Regel keine Anzeiger. Das Thema wird sich erst im Januar nach Lieferung der Systeme erledigt haben. Übergangsweise arbeiten wir mit Papierschildern. Dies ist aber bei Linienwechseln oftmals nicht so einfach, sodass es in Einzelfällen in der Tat auch unbeschilderte Busse gibt. Stück für Stück wird hier eine Verbesserung umgesetzt.

An zahlreichen Haltestellen hängen noch alte Fahrpläne oder die Fahrpläne sind zum Teil nicht vollständig. Wann werden die Haltestellen systematisch mit wetterfesten Tafeln und Fahrplänen ausgestattet?

Im gesamten Verkehrsnetz sind 1.818 Haltestangen mit über 5.000 Linienplänen zu verteilen. Die neuen Haltestellen werden sukzessive von unserem Dienstleister komplett mit neuen Vitrinen und Haltestellenschildern ausgestattet. Dafür haben wir rund sechs Monate Zeit und die wird es auch brauchen, um das Netzt vollständig auszustatten.

Nach welcher Prämisse wurden die neuen Linien gestaltet, auf welche Erfahrungswerte hat man hier zurückgegriffen? Es gibt nämlich auch immer wieder Passagiere, die schildern, die Fahrpläne hätten sich für sie verschlechtert.

Die Planungen wurden im Rahmen der Neukonzeption ab etwa 2018 vom Rein-Nahe-Nahverkehrsverbund auf Grundlage der Taktvorgaben des Landes entwickelt. Dabei sind jetzt im Echtbetrieb im absolut überwiegenden Teil des Netzes Verbesserung spürbar und sichtbar. An Einzelstellen wird aber auch eine Verschlechterung des bisherigen Angebots festgestellt. Insbesondere im Schülerverkehr, hier wird aber nachgesteuert.

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Zuschriften, die uns erreicht haben, erwecken zum Teil den Eindruck, die Fahrer wären nicht gut genug auf die neuen Strecken vorbereitet worden.

Ohne entsprechende Schulung wird das Fahrpersonal grundsätzlich nicht auf die Strecken geschickt. Seit Mitte Juni 2022 wurden intensive Schulungsfahrten vorgenommen. Der ursprünglich sehr großzügig angelegte Schulungsplan musste aber deutlich gestrafft werden. Hintergrund der Straffung war die Übernahme verschiedener Leistungen von den bisherigen Linienbetreibern. Seit Pfingsten stieg die KRN stetig mehr in den Echtbetrieb ein, um die Zahl der Busausfälle – wo möglich – zu kompensieren. In der Folge musste das Fahrpersonal sowohl auf das alte, wie auch auf das neue Streckennetz geschult werden.  Das Fahrpersonal nun im Echtbetrieb die Erfahrung aus den Schulungen vertiefen. Dies kann leider gelegentlich dazu führen, dass die Strecken noch nicht vollständig verinnerlicht sind.