Winzer Simon Beiser erfindet Maschine zur Unkrautbekämpfung

Simon Beiser und seine Maschine „Beiser 1“: Das Gerät wird von einem Schlepper gezogen. Foto: BK/Carsten Selak

Ohne chemische Mittel im Weinberg Unkraut zu bekämpfen, ist eine müßige Angelegenheit. Der Winzer Simon Beiser aus Vendersheim hat dafür nun ein besonderes Gerät entwickelt.

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VENDERSHEIM. Nein, keine Sorge, Simon Beiser hebt nicht ab. Auch wenn sich „Beiser 1“ stark nach Raumschiff anhört, bleibt die Maschine, die der Winzer vor einem Jahr entwickelt hat, am Boden. Denn genau um den geht es ja. „Beiser 1“ ist ein Gerät zur herbizidfreien Unkrautbekämpfung im Weinberg. Mit seiner ungewöhnlichen Erfindung hat der 42-Jährige nicht nur einen Tüftlerwettbewerb gewonnen, sondern es mittlerweile auch in vier renommierte Fachzeitschriften für Weinbau und Landwirtschaft gebracht.

Verzicht aus ökologischen und aus Image-Gründen

Und das kam so: Mit seiner Familie betreibt Simon Beiser ein Weingut mit Gastronomiebetrieb am Vendersheimer Ortsrand, auf insgesamt 23 Hektar Fläche baut er Wein an. Vor zwei Jahren entschied sich Beiser, auf den Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln, sogenannten Herbiziden, zu verzichten. „Es ist zum einen eine Imagefrage“, sagt der Winzer und verweist auf die in den Medien immer wieder hochkochende Diskussion über Glyphosat. Zum anderen sei es aber generell auch für die Rebstöcke besser.

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Doch wer aufs Spritzen verzichtet, muss dafür sorgen, dass das lästige Unkraut auf andere Weise verschwindet. Dafür gibt es Maschinen, die die Bereiche zwischen den Stöcken von Distel und Co. befreien. In Beisers Augen haben die allerdings einen Haken: „Sie funktionieren oft nur gut auf unkomplizierten, also weichen und ebenen Böden.“ Gerade in Rheinhessen gebe es aber nun mal viele verschiedene Untergründe und auch viele Weinberge in Hanglage. Ein weiteres Problem: Weil die herkömmlichen Geräte alle zwischen den Rebzeilen arbeiten und somit immer nur eine Seite der Rebe bearbeiten können, „fliegt die Erde oft in hohem Bogen auf die andere Seite“. Die Fahrgasse auf der anderen Seite werde verschmutzt, uneben und schief.

„Das muss doch besser gehen“, dachte sich Simon Beiser. Und begann, einen alten Vollernter auszuschlachten, bis nur noch der sogenannte Überzeilenrahmen übrig war. Daran montierte der Winzer Werkzeuge, etwa einen Scheibenpflug oder eine Fingerhacke. „Es war ,Learning by Doing’, schließlich gibt es ja kein Vorbild, an dem ich mich orientieren konnte.“ Beiser schaute, dass die Gerätschaften im richtigen Winkel standen – und los ging’s. Von einem Schlepper gezogen, fährt „Beiser 1“ über die Rebzeile und lockert auf beiden Seiten die Erde auf, rupft Unkraut heraus. Auch schwere Böden können damit bearbeitet werden. Das Material wird fein säuberlich in der Mitte aufgeschüttet, die Fahrgasse bleibt sauber. Auch andere Werkzeuge können an Simon Beisers Eigenkreation montiert werden, wie die beiden Mulcher beweisen, die der Winzer dort jüngst angebracht hat.

Unter Landwirten erregt „Beiser 1“ bereits einiges an Aufsehen. Nahezu täglich gibt es Anfragen, ob das Gerät bald käuflich zu erwerben sei. Als Beiser in seinen Weinbergen bei Sprendlingen unterwegs ist, bildet sich schnell eine kleine Gruppe an Schaulustigen, die das wundersame Gefährt im Wingert begutachten.

Ob aus „Beiser 1“ tatsächlich ein Serienprodukt wird, steht aktuell noch in den Sternen. Er stehe derzeit mit einer Firma in Kontakt, die Interesse gezeigt habe, den Überzeilenrahmen zu produzieren, erklärt der Winzer. Ob daraus etwas wird, könne er aber noch nicht sagen.

Fest steht hingegen, dass Simon Beiser weitertüfteln wird. So wie er es immer tut. Die nächste Erfindung scheint nur eine Frage der Zeit zu sein.