Gemeinschaft gut, Infrastruktur schlecht

Die großen Städte wie Mainz, Wiesbaden oder Frankfurt haben derzeit mit hohen Mieten und Wohnungsknappheit zu kämpfen. Auf dem Land und in den kleineren Ortschaften sieht es...

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VENDERSHEIM. Die großen Städte wie Mainz, Wiesbaden oder Frankfurt haben derzeit mit hohen Mieten und Wohnungsknappheit zu kämpfen. Auf dem Land und in den kleineren Ortschaften sieht es derweil ganz anders aus. Wo die Städte beinahe aus allen Nähten platzen, bleiben in den ländlichen Gebieten oftmals die Häuser leer. Damit die Menschen kommen und auch bleiben, müssen Stärken und die Attraktivität hervorgehoben und verbessert werden. In Vendersheim soll hierbei eine Dorfmoderation helfen.

Große Resonanz: Tische reichen zunächst nicht aus

Bei der Auftaktveranstaltung am Freitagabend in der Gemeindehalle sollen die Teilnehmer Stärken und Schwächen Vendersheims klar gegenüberstellen, Verbesserungsvorschläge aufzeigen und vor allem klarmachen, wie es beim Thema Dorferneuerung weitergehen soll. Die aufgestellten Tische reichen nicht für die Bürger, denen es sichtlich wichtig ist, wie es mit ihrem Heimatort weitergeht. Vendersheimer aller Altersgruppen sind gekommen, was Ortsbürgermeisterin Elfriede Schmitt-Sieben freut.

Dr. Christine Halfmann vom Planungsbüro B-Plan leitet die Ideensammlung: „Die Dorferneuerung stützt sich auf drei Säulen: Dorferneuerungskonzept, Moderation und Bauberatung“, erklärt die Moderatorin. Dabei sei es wichtig, dass in allen drei Punkten die Wünsche der Bürger an erster Stelle stehen. Damit die Anwesenden überhaupt einmal eine Vorstellung davon bekommen, was im Rahmen der Dorferneuerung alles gemacht werden kann, gibt Halfmann einen Überblick über die baulichen Projekte, die teilweise schon in anderen Dörfern verwirklicht wurden. „Zu den Möglichkeiten gehören aber auch soziale Projekte, wie beispielsweise ein Jugendtreff.“

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Anscheinend gibt es so einiges, was den Vendersheimern an ihrer Heimat nicht ganz so gut gefällt. Obwohl die Begriffe, die auf den roten Zetteln stehen, sehr unterschiedlich sind, kristallisieren sich doch schnell einige Punkte heraus, die vielen ein Dorn im Auge sind. Vor allem die Infrastruktur in der kleinen Gemeinde stößt auf Unmut. Schlechte Busverbindungen, keine Tempo-30-Zone, marode oder fehlende Fahrrad- und Wanderwege und mangelnde Bauplätze. Vor allem das fehlende Neubaugebiet habe weitreichende Folgen, wie ein Bürger feststellt. Denn ohne Baugebiete kämen keine jungen Familien, und ohne junge Familien keine Kinder, die den Kindergarten besuchen. Aber auch die nur gering ausgeprägte Jugendarbeit und fehlende Treffpunkte für die Bewohner, wie etwa eine Kneipe oder eine Bäckerei, sehen viele negativ.

Doch genauso wie sich die Vendersheimer bei den Schwächen ihres Dorfes einig sind, so sind sie es auch bei den Stärken. Eine gute Dorfgemeinschaft, die ruhige, landschaftlich schöne Lage und die hohe Lebensqualität schätzen sie an ihrer Heimat. „Es stehen sich also das gute soziale Gefüge und die gering ausgeprägte Infrastruktur gegenüber“, fasst die Moderatorin die Ergebnisse zusammen.

Ideen reichen von Jobbörse über Kneipe bis Jugendtreff

Die anschließend gebildeten Arbeitskreise zeigen, wie ernst es den Vendersheimern mit der Dorferneuerung ist. Die Vorschläge reichen von einer eigenen Jobbörse für kleinere Arbeiten über eine Kneipe oder einen Jugendtreff bis hin zur intensiveren Nutzung des Weinbergsturms.

Das gemeinsame Ideensammeln an diesem Abend bildet nun den Anfang einer einjährigen Zusammenarbeit zwischen den Dorfbewohnern und dem Planungsbüro. „Ich werde mich mit der Ortsbürgermeisterin jetzt zusammensetzten und wir werden die Schwerpunkte aus den Vorschlägen herausarbeiten“, schließt Christine Halfmann die Veranstaltung.

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Der Grundstein für das neue Vendersheim ist nun gelegt, jetzt liegt es an seinen Bewohnern, das Projekt „Dorferneuerung“ aufzubauen.