Früher Kicker, heute Kümmerer – „Alte Herren“ packen...

Dreck-weg-Tag auf „Vendersheimerisch“: Die „Alten Herren“ haben in der Gemarkung Müll eingesammelt.Foto: Karl-Heinz Tiegs  Foto: Karl-Heinz Tiegs

Früher beackerten Werner Wingert und seine Mitspieler auf dem Dorf-Fußballplatz die gegnerische Elf. Heute haben die „Alten Herren“ eine andere Spielwiese. Wingert und Co....

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VENDERSHEIM. Früher beackerten Werner Wingert und seine Mitspieler auf dem Dorf-Fußballplatz die gegnerische Elf. Heute haben die „Alten Herren“ eine andere Spielwiese. Wingert und Co. toben sich regelmäßig in der rheinhessischen Gemeinde aus – und bestellen hier das (Spiel-)Feld.

Jeden Mittwoch um 10 Uhr morgens trifft sich die Gruppe um den 75-Jährigen, um fünf bis sechs Kilometer zu wandern – und um nachzuschauen, was es im 600-Einwohner-Dorf zu tun gibt. Einmal eine neue Aufgabe ausgemacht oder von Ortsbürgermeisterin Elfriede Schmitt-Sieben zugerufen bekommen, packt der „Alte Herren“-Stammtisch schnell an. Dann erledigt die Gruppe alles, was gerade so anfällt und nicht von professionellen Kräften abgearbeitet wird.

Wingert und seine Mitstreiter, die alle Rentner sind, reinigen die Gemarkung, bauen vor Feiern Festzelte auf, streichen Gemeindebänke oder befreien das Ehrenmal auf dem Friedhof von wucherndem Unkraut. Ihr ehrenamtlicher Einsatz kommt der Gemeinde und ihren Bürgern zugute. „Die Gruppe ist ganz wichtig. Ganz unaufgeregt helfen sie sehr viel. Die Unterstützung ist für die Gemeinde unbezahlbar.“

Das Engagement der ehemaligen Fußballmannschaft, die von den 1960er Jahren bis in die 80er zusammen kickte, ist an vielen Stellen im Dorf sichtbar, zum Beispiel auf dem Friedhof. Hier haben die „Alten Herren“ zwei nagelneue Brunnen aufgebaut und angeschlossen. Einen kaufte die Gemeinde, den anderen spendete der Stammtisch.

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Am gleichen Ort hat die Gruppe auch das Ehrenmahl neu eingefasst. Und wer, wie die Renter, rund um Vendersheim auf Wandertour geht, hat sicher schon auf einer der sieben Holzbänke gesessen, die Wingert und seine Männer aufgestellt haben, auch zu ihrem eigenen Vorteil. Denn auf ihren Wanderungen können sich die Herren nun zur Verschnaufspause hinsetzen, schließlich wird der älteste des Teams am Samstag 80 Jahre alt. Die Märsche am Mittwochmorgen sind seit vielen Jahren zum festen Ritual geworden. Dabei tauschen sich die Rentner nicht nur über das Fußballspiel am Vorabend aus, sondern auch über Neuigkeiten im Ort.

In der Freitzeit geht’s auf den Betzenberg

„Durch unsere Wanderung bleiben wir immer auf dem Laufenden, wobei man natürlich zu Hause nicht alles erzählen muss“, sagt Volker Lutz und schmunzelt. Und Karl-Heinz Tiegs bringt das besondere des Treffs auf den Punkt: „Kameradschaft, gute Gespräche, viele Späßchen.“ Feste Routen haben die „Alten Herren“ übrigens nicht. Nur eine Sache ist besonders wichtig: Der Fußmarsch darf höchstens bis 12 Uhr gehen. „Danach warten unsere Frauen mit dem Mittagessen auf uns. Wenn wir da nicht pünktlich zu Hause sind, gibt’s daheim Schimpfe.“

Neben den wöchentlichen Touren gehören auch längere Ausflüge zum festen Jahresprogramm der Gruppe um Wingert, die noch lange gebraucht wird, wie Ortsbürgermeisterin Schmitt-Sieben sagt. Meistens geht es für die einstigen TuS-Kicker zu Fußballspielen des FC Kaiserslautern. Mit ausreichend Verpflegung im Gepäck machen sich die FCK-Fans auf den Weg in die Städte der Gegner aus der zweiten Liga, aber auch in Köln oder in der Arena auf Schalke war man schon. „Bei einer Fahrt haben wir auf einer Raststätte mit unserem kleinen Transporter gehalten, unser Proviant auf einem Tisch ausgepackt. Neben uns kam ein großer Reisebus an. Die Leute haben nicht schlecht gestaunt, was wir alles dabei hatten“, erinnert sich Wingert und fügt an: „Essen und Trinken ist eben wichtig.“

Mit ausreichend Vorrat werden die Rentner auch übernächsten Sonntag aufbrechen. Dann geht es zum Fußball nach Dortmund. Dort spielt aber nicht der FCK, sondern Mainz 05, das Spiel ist ein Notnagel. Denn: „Für den FCK haben wir uns zu spät um Karten gekümmert.“

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Von Bastian Hauck