Showbühne Mainz führt „Die 7 Todsünden“ in Saulheimer...

Eine bunte Aufführung, die sich um die sieben Todsünden dreht, erlebten die Zuschauer in der Saulheimer Sängerhalle.Foto: photoagenten/Axel Schmitz  Foto: photoagenten/Axel Schmitz

Begierde, Hochmut, Neid, Maßlosigkeit, Geiz, Zorn und Ignoranz – die sieben Todsünden als Musical in 14 Bildern. Nach der Premiere im Frankfurter Hof in Mainz kam die...

Anzeige

SAULHEIM. Begierde, Hochmut, Neid, Maßlosigkeit, Geiz, Zorn und Ignoranz – die sieben Todsünden als Musical in 14 Bildern. Nach der Premiere im Frankfurter Hof in Mainz kam die Showbühne mit ihrer neuen Aufführung für zwei Abende in die Saulheimer Sängerhalle. Nach Schließung der „alten“ Showbühne, von 2006 bis 2016 im ehemaligen Kino auf der Großen Bleiche mit 24 Inszenierungen präsent, hat Sebastian W. Wagner mit der „Showbühne Musicals e.V.“ eine Plattform geschaffen, auf der dieses Musical entstehen konnte.

„Die 7 Todsünden sind unsere bisher komplexeste Produktion“, erklärte Wagner. Als Komponist und Texter des Stücks führte er nicht nur Regie, sondern hat natürlich auch eine Rolle übernommen. Er spielt und singt den John Pepperwood, der gemeinsam mit seinem Freund Ralph McDowell (Patrick Twienem) ein neues Netzwerk schafft. Mit von der Partie ist Jennifer Riley (Jessica Krüger), anfangs nur gute Freundin der beiden, später verheiratet mit Ralph. Anlass für Eifersucht bei John – überzeugend musikalisch umgesetzt im Bild acht: „Der Neid“.

Als „Soulgirls“ verkörpern Susanne Anders, Clendra Sabrina Lahr, Kathrin Yarizell Lothschütz und Karolina Münch die personifizierten Gedanken und Gefühle der beiden Kontrahenten. Dies musikalisch umzusetzen, ist Wagner ganz ausgezeichnet gelungen. Das Orchester ist dem Gesang gegenüber manchmal etwas dominant, doch Tonfrau Valentina Hering, auch fürs Licht zuständig, meistert die Situation. Ein paar mehr Zuhörer hätte man sich gewünscht, aber „für den nächsten Tag sind mehr Karten vorbestellt“, weiß der musikalische Leiter Gerd Greis. „Wir haben werblich getan, was möglich war“, erklärt Daniela Wagner, die für Grafik, PR und die Webseite zuständig ist, an der Kasse sitzt und im Vereinsvorstand den Posten der Kassenwartin innehat.

Anzeige

Das erste Bild „Trennung“ zeigt die Anwaltskanzlei (Garrit Lange als Notar und als Pfarrer), in der John und Ralph das Ende des gemeinsamen Wegs besiegeln. Raffiniert ist das Bühnenbild: Eine Projektionswand deutet in sparsamen Strichen den jeweiligen Raum an. An Kulissen gibt es nur zwei tischhohe Bühnenpodeste, die mal Wohnzimmer, mal Büro, mal Restaurant werden. Mit Bild zwei beginnt der Rückblick „Die Idee“. Aus dem Scharadenspiel „Wer will ich sein“ des Freundeskleeblatts entsteht die Firmenidee zu Fakebook: „Jeder kann sein, was er will.“

Die Musik ist mitreißend, Greis tanzt fast vor seinem Orchester. Unter den Musikern, bewährtes Ensemble schon bei früheren Aufführungen, sind Studenten und Profis, die aus Freude am Musical mitmachen. Ebenso wie der Chor, der unter der Leitung von Daniela Wagner an nur zwei Probenwochenenden seinen Part erarbeitete. Die Namen aller Mitwirkenden werden, wie im Kino, auf der Projektionswand zum Schluss der Vorstellung aufgeführt.

Nach „Der Aufstieg“, „Der Erfolg“, „Die Wünsche“, „Die Begierde“, mit John und Jennifer im Luxusrestaurant – will sie ihn verführen, oder sind das nur seine Wunschträume? –, folgt „Der Hochmut“, bei dem der Börsengang gefeiert wird. Nach der Pause führt die Szenerie der Todsünden bis hin zum „Scheitern“ und, zurück zu Bild eins, der „Einsamkeit“. John hat zwar gewonnen, doch Jennifer hält zu Ralph. Schade, dass nach nur vier Vorstellung mit den Todsünden schon Schluss sein soll. Aber Wagner verspricht: „Im Frühjahr gehe ich an ein neues Programm.“

Von Ulla Grall