Zweimal versucht, zweimal Absage: Ensheim bekommt für Projekt...

Auf der grünen Wiese hinter Ortsbürgermeister Stefan Haßler hätte ein Mehrgenerationenpark entstehen sollen.Foto: pa/Axel Schmitz  Foto: pa/Axel Schmitz

Stefan Haßler hat sich auf eine alte Halfpipe gesetzt, die ihre besten Tage lange hinter sich hat. Im Gras zirpen die Grillen, von der nahen L 401 wehen die Geräusche...

Anzeige

ENSHEIM. Stefan Haßler hat sich auf eine alte Halfpipe gesetzt, die ihre besten Tage lange hinter sich hat. Im Gras zirpen die Grillen, von der nahen L 401 wehen die Geräusche fahrender Autos herüber. Der Ortsbürgermeister blickt hinüber zu der großen Wiese, auf der ein verwaistes Fußballtor steht. Dort hätte es einmal entstehen sollen, das Projekt, in das er und seine Mitstreiter so viel Zeit, Herzblut und Hirnschmalz investiert haben. Hätte.

Ein Mehrgenerationenpark mit Bouleplatz, Grillhütte, Fußballfeld, Jugendweinberg, Spielplatz, Barfußpfad und Bücherkiste, hier am Ensheimer Ortsrand – ein Treffpunkt für Jung und Alt, zentrale Anlaufstelle für die Bürger des 400-Einwohner-Örtchens. So hatten die Pläne ausgesehen, mit denen sich Ensheim in den vergangenen zwei Jahren gleich zweimal um Gelder aus dem europäischen Leader-Programm beworben hat. Über das Programm soll die ländliche regionale Entwicklung gefördert werden. Für Ensheim sind diese Zuschüsse Grundvoraussetzung, da das Dorf die rund 170 000 Euro teure Maßnahme nicht alleine stemmen kann.

Doch Ensheim ist gescheitert. Beide Male. Beim ersten Anlauf gab der 22-köpfige Vorstand der LAG Rheinhessen einem Projekt aus Nierstein den Vorzug. Die LAG ist das Gremium, das aus den eingereichten Bewerbungen die Aussichtsreichsten auswählt und zur Förderung vorschlägt. Ob tatsächlich Leader-Fördermittel fließen, entscheidet letztendlich die Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion (ADD).

Ohne Nutzungskonzept geht gar nichts

Anzeige

Nach dem zweiten Versuch gab es für Ensheim im Oktober 2017 dann die Nachricht: Ohne ein richtiges Nutzungskonzept geht gar nichts. Das Projekt Mehrgenerationenpark wurde zurückgestellt. Die 3000 Euro, die die Gemeinde für die Erstellung einer Bewerbung an ein Planungsbüro gezahlt hat: futsch.

„Ich war schon sehr geknickt“, sagt Stefan Haßler heute. Auch, weil er vonseiten der LAG immer signalisiert bekommen habe, dass das Projekt gute Chancen auf eine Förderung habe. „Wir haben keine Gaststätten im Ort, nur wenig Vereinsaktivitäten“, erklärt der Ortsbürgermeister, „der Park wäre für uns die Möglichkeit eines Treffpunkts gewesen, ein Aushängeschild.“ Auch umliegende Gemeinden hätten das Angebot nutzen können, ist Haßler überzeugt.

Was ihn besonders ärgert: Ein Nutzungskonzept sei vorher nie Thema gewesen, umso schwerer nachzuvollziehen sei die Ablehnung durch die LAG. Ebenfalls unverständlich ist für Stefan Haßler die Tatsache, dass eine Stadt wie Nierstein den Vorzug erhalte. Es gehe bei Leader doch gerade um die Förderung des ländlichen Raumes. „Wenn wir gegen einen mit uns vergleichbaren Ort wie Kettenheim oder Dintesheim das Nachsehen gehabt hätten, wäre das für mich okay gewesen.“ Für Stefan Haßler steht nun aber fest: Das Thema Mehrgenerationenpark ist vorerst vom Tisch, die Pläne wandern in die Schublade.

Im nahen Wörrstadt zeigt Bürgermeister Markus Conrad Verständnis für die Frustration im kleinsten Ort seiner Verbandsgemeinde. „Dass das Projekt gleich zweimal gescheitert ist, ist schwer nachvollziehbar“, sagt er, ermutigt Stefan Haßler allerdings auch, weiter dranzubleiben und nicht aufzugeben.

Auch Conrad sieht den Zuschlag für ein Vorhaben in Nierstein kritisch: „Ich kann das Projekt nicht beurteilen, aber man hat schon den Eindruck, dass ein großer Teil der Fördermittel regelmäßig an größere Orte an der Rheinschiene fließt, Orte, die per se schon bessere Möglichkeiten haben.“

Anzeige

Eine Bevorzugung der Rheinfront weist LAG-Regionalmanagerin Sandra Lange auf AZ-Nachfrage von sich, betont aber auch: „Die Orte dort sind allerdings sehr aktiv, was Förderung angeht.“ Dass Städte wie Nierstein oder Oppenheim überhaupt ins Fördergebiet fallen, sei in der Vergangenheit nun einmal so festgelegt worden.

Lange erklärt auch, dass der Mehrgenerationenpark in Ensheim keineswegs abgelehnt, sondern lediglich zurückgestellt worden sei. Das Land habe sehr dezidiert darauf hingewiesen, dass der Nutzen des Parks nicht ganz ersichtlich sei. „Die Frage war: Wem nützt das Angebot, wie wird es mit Leben gefüllt?“ Dies gelte es nun darzulegen.

Grund zur Resignation sieht Sandra Lange in Ensheim in Anbetracht der Lage keineswegs. Gegenüber der AZ kündigt sie an, noch einmal das Gespräch mit den Verantwortlichen im Ort suchen zu wollen. „Es gibt in der LAG für das Projekt keine Ablehnung im Sinne: Das wollen wir nicht“, sagt die Regionalmanagerin. „Man muss es nur überarbeiten.“