Männergesangverein Einigkeit Ensheim löst sich nach über...

Es wurden immer weniger Sänger, wie das Bild vom Konzert zum 150. Geburtstag im Jahr 2015 bezeugt.Foto: pa/Carsten Selak/Archiv  Foto: pa/Carsten Selak/Archiv

Am Ende heben alle die Hand, einstimmig fällt der Beschluss zur Auflösung. Es herrscht Einigkeit. Darüber, dass es nicht weitergehen kann mit dem MGV Einigkeit Ensheim. Über...

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ENSHEIM. Am Ende heben alle die Hand, einstimmig fällt der Beschluss zur Auflösung. Es herrscht Einigkeit. Darüber, dass es nicht weitergehen kann mit dem MGV Einigkeit Ensheim. Über 150 Jahre lang hat der Verein den kleinen Ort mitgeprägt, zum 31. Dezember ist Schluss. „Ein Stück Kultur und Tradition in Ensheim stirbt“, sagt Jakob Dusch.

Es wurden immer weniger Sänger, wie das Bild vom Konzert zum 150. Geburtstag im Jahr 2015 bezeugt.Foto: pa/Carsten Selak/Archiv  Foto: pa/Carsten Selak/Archiv
Jakob Dusch noch einmal die Vereinsfahne.Foto: Steffen Nagel  Foto: Steffen Nagel

Schon als Jugendlicher ist er dem MGV beigetreten, so wie viele seiner Altersgenossen, damals nach dem Krieg. „So viele Möglichkeiten für junge Leute, mal aus dem Haus zu kommen, gab es ja damals nicht.“ Heute ist Jakob Dusch 78 Jahre alt. Und steht damit auch beispielhaft für das Problem. Denn der Männergesangverein hat schon lange mit Mitgliederschwund und Überalterung zu kämpfen, Nachwuchs ist weit und breit nicht in Sicht gewesen. In der Blütezeit in den 50ern und 60ern noch mit rund 45 aktiven Sängern ausgestattet, zählte der MGV zuletzt gerade mal noch zwischen zwölf und 14 Mitglieder, allesamt im Rentenalter. Mit den wenigen Beiträgen sei es im Prinzip unmöglich gewesen, noch die Kosten, vor allem für einen Dirigenten, zu decken.

Eine schleichende Entwicklung, bereits bei seinem Amtsantritt als Vorsitzender des Vereins in den 90er Jahren bezeichnete sich Jakob Dusch mehr oder weniger scherzhaft als „Totengräber des Vereins“.

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„Die Entwicklung war absehbar“, sagt der Ensheimer heute, „die Mitgliederzahl ging kontinuierlich zurück.“ Gegensteuern? Sich modernisieren, wie andere Vereine es getan haben? Schwierig, glaubt Dusch. Für eine Umwandlung zu einem gemischten Chor sei die Hemmschwelle bei vielen zu groß gewesen. Der Vorsitzende zeigt dafür Verständnis, eine solche Umstellung in diesem Alter sei sehr schwer. Auch eine Fusion sei letztlich nicht infrage gekommen, bilanziert Dusch. Im benachbarten Spiesheim gebe es schon seit Längerem keinen klassischen rein Männergesangsverein mehr - dort existiert aber noch die Sängervereinigung 1861/89 - und mit dem Chor in Biebelnheim sei man sich bei Gesprächen seinerzeit nicht über einen Dirigenten einig geworden.

Und die Öffnung für modernere Lieder? „Ist Englisch modern?“, fragt Dusch zurück und lächelt. In seinem Verein habe niemand diese Sprache gesprochen. „Ich glaube, dass nur die Hälfte der Sänger unseres Semesters heute versteht, was sie da singt.“ Ohnehin sei ja die Frage, was man als modern bezeichne. Auch der MGV habe Lieder wie „Amazing Grace“ gesungen, aber eben auf Deutsch.

Ansonsten dominierten Volkslieder, Chorsätze und auch religiös angehauchte Lieder das Repertoire der Ensheimer. Für die Auswahl war viele Jahre lang Dirigent Hans Hambach verantwortlich. Der musikalische Leiter spielte im Verein eine große Rolle, war für viele Mitglieder das Nonplusultra. Doch auch er war bereits hoch betagt. „Als unser Dirigent vor einigen Jahren nach einer Probe vor der Halle stürzte, beschloss er, dass er aufhört“, erinnert sich Jakob Dusch. „Und wir haben beschlossen: Wir dann auch.“

Bereits 2012 stimmten die verbliebenen Mitglieder für die Stilllegung des MGV Einigkeit. Für eine Auflösung ihres Vereins waren die Sänger damals noch nicht bereit, zu groß war die Hoffnung, dass es doch noch irgendwie weitergehen kann. Zumal ja noch ein bedeutendes Jubiläum anstand: 2015 wurde der Verein für 150 Jahre Chorgesang ausgezeichnet (als offizielles Gründungsjahr gilt 1865). Zeit für ein letztes großes Konzert, Zeit, endgültig Lebewohl zu sagen.

Dass es nun, zwei Jahre später, zur endgültigen Auflösung kommt, ist für Jakob Dusch ein logischer Schritt. Die erhoffte Wende sei ausgeblieben, nun gelte es einen Schlussstrich zu ziehen. „Man muss das nüchtern und sachlich betrachten.“ Ihren kleinen Rest in der Vereinskasse wollen die Sänger der Jugendfeuerwehr spenden, die beiden Vereinsfahnen und sonstige Memorabilien an die Gemeinde übergeben. Als Erinnerungsstücke. An einen Verein, der seinem Namen alle Ehre gemacht hat, bis ganz zum Schluss.