Ensheim bekommt Tempo 30 im Ortskern

Wenn das neue Jahr anbricht, wird es in der Ensheimer Ortsmitte deutlich langsamer zugehen. Rot-weiße Schilder werden dann darauf hinweisen, dass hier nur noch Tempo 30...

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ENSHEIM. Wenn das neue Jahr anbricht, wird es in der Ensheimer Ortsmitte deutlich langsamer zugehen. Rot-weiße Schilder werden dann darauf hinweisen, dass hier nur noch Tempo 30 gefahren werden darf. Ein in Ensheim lange gehegter Wunsch wird Wirklichkeit. „Die Anordnung ist geschrieben, die Schilder werden im neuen Jahr angebracht“, freut sich Ortsbürgermeister Stefan Haßler.

Moment mal, mag sich mancher denken. Ortsmitte? Die mit den ganz engen Gässchen, verwinkelt, stellenweise schlecht einsehbar – fährt hier überhaupt jemand so schnell, dass eine Geschwindigkeitsbegrenzung notwendig ist? Eine Frage, die er oft gestellt bekomme, sagt Haßler. Noch häufiger als die hört der Ortschef aber Beschwerden von Anwohnern.

Viele Autofahrer würden trotz der widrigen Umstände durch die Straßen rauschen. Das ist mit Gefahren verbunden. Denn: „Bürgersteige gibt es nicht, Menschen mit Kinderwagen oder Rollator laufen direkt auf der Straße.“ Und dann ist da ja noch das Kopfsteinpflaster. Hier gilt die einfache Formel: je schneller, desto lauter. Nicht nur in den Augen (und Ohren) der Anwohner ist das ein Ärgernis. Auch Stefan Haßler findet die Situation „nicht ohne“. „Wir haben viele Kinder, die im Ort spielen, da machen Tempo 30 oder 50 schon einen Unterschied.“

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Im Gemeinderat ist deshalb bereits im Sommer 2016 die Einführung der Geschwindigkeitsbegrenzung in den gemeindeeigenen Straßen beschlossen worden. Die VG Wörrstadt als anordnende Behörde spielte mit, und nun heißt es nur noch: Warten auf die Schilder.

Insgesamt acht Stück werden im Ortskern, etwa in der Schlaggasse, angebracht. Die Aufstellung übernehmen Haßler und Ratsmitglieder in Eigenregie, um Kosten zu sparen.

Während es in der Ensheimer Mitte also schon bald etwas ruhiger wird – sofern sich die Autofahrer auch an die Begrenzung halten –, treibt eine andere Straße den Verantwortlichen im Ort weiterhin die Sorgenfalten auf die Stirn. Die Durchgangsstraße L 401 (Alzeyer Straße) ist und bleibt das Problemkind der Ensheimer.

Breit ausgebaut lädt die Landesstraße seit jeher Autofahrer zum Tritt aufs Gaspedal ein, obwohl bergauf maximal 50 und bergab höchstens 30 Kilometer pro Stunde gefahren werden dürfen. „Die neue Smiley-Tafel am Ortseingang hat die Situation zwar ein bisschen verbessert“, sagt Stefan Haßler. Und auch das Ordnungsamt der VG sei regelmäßig mit Blitzgeräten vor Ort. Dennoch ist und bleibt für ihn das hohe Verkehrsaufkommen ein Problem. „Wir sind ein Durchgangsort, und auch das Nachtfahrverbot für Lastwagen bekommt Ensheim voll ab. Wir sind nicht glücklich darüber.“ An der Biegung, wo sich der Friedhof befindet, sei es besonders gefährlich, weil hier regelmäßig ältere Menschen die Straße überqueren. Einmal habe er sich auf den Parkplatz des Friedhofs gestellt, um sich die Verkehrssituation anzuschauen, sagt Haßler. Schon von Weitem habe er gehört, wie Lastwagen ausgekuppelt hätten, um bergab Fahrt aufnehmen zu können.

Das Problem: Handhabe hat die Ortsgemeinde kaum, da es sich um eine Landesstraße handelt und sämtliche Veränderungen vom Landesbetrieb Mobilität (LBM) abgesegnet werden müssten. Der hält sich strikt an die Vorgaben und orientiert sich an Statistiken. „Wir hatten sogar angeboten, die Kosten für einen Zebrastreifen zu übernehmen“, berichtet der Ortsbürgermeister, „aber wir erreichen nicht die notwendigen Fußgängerzahlen.“ Die Gemeinde könne baulich nichts verändern, um die Stelle für Raser unattraktiver zu machen.