Turbulenzen einer Hochzeitsreise

Auf der Bühne in Aktion (v.li.): Mirco Neuhaus, Karsten Emrich, Hans-Jürgen Friederich und Markus Vogel. Foto: photoagenten/Axel Schmitz

Das Wonsheimer Dunselbühnchen führt die Komödie „Es gibt auch Berge auf Hawaii“ auf.

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WONSHEIM. Die Harpune steckt tief im Allerwertesten von Heiner Schmidt. Er jammert und klagt, will befreit werden von dem spitzen Speer. Er ist schließlich kein Hai. Er heißt nur Heiner, und „Hi“ ist doch nur ein Gruß, den Kaloeohano ihm im Pazifik auf Hawaii bei einer Tauchstunde zugerufen hatte. Schmerzhaft ging es zu für Karsten Emrich, der den Kegler auf sportlichen Abwegen mimte. Und mehr als trefflich die Szene spielte, in dem er auf einer Bahre bäuchlings im eng anliegenden Taucheranzug liegt, bedauernswert leidend und zunehmend ungehaltener werdend. Doch wie in jeder Komödie geht es auch im Dreiakter „Es gibt auch Berge auf Hawaii“ von Andreas Heck gut aus, den das Wonsheimer Dunselbühnchen aufführte.

So auch für Hans-Jürgen Friederich, der während der gesamten Aufführung, voll eingegipst mit einem Bein ausgestreckt, in der Gestalt von Herrn Schumacher, lobenswert stumm verharrte, bis Sabine Starnberger ihm hilfsbereit per Strohhalm Cola verabreichte. Er zerstörte im Koffein-Schub vieles, auch seinen Rollstuhl und den Fuß von Frank Starnberger. Vernachlässigt von seiner geldgierigen Betreuerin Mandy sitzt er murrend in der Hotellobby, neben ihm im gleichen Zustand Frank Starnberger. Zwar gibt die Bühnenfassung vor, wie die Darsteller die Handlung umsetzen sollen, und auch das Bühnenbild ist vom Autor vorgegeben. Doch die Theatergruppe Dunselbühnchen im Carnevalverein 1914 Wonsheim hat einen Trumpf: Sie macht es, wie die Mitglieder es sich vorstellen. Der Erfolg ihres Improvisationsgeschicks darf der Beleg dafür sein, dass die Aufführungen jedes Jahr ausverkauft sind und sich bereits eine Fangemeinde gebildet hat.

Auch der verblüffenden Bühnentechnik wegen, die in diesem Jahr dafür sorgte, dass der Lift authentisch mit Klingelton und Licht funktioniert. Dafür gab es großes Lob für Berni Matheis und seinen Sohn Marvin.

Geprobt haben die elf Darsteller für die beiden Vorstellungen bereits im Sommer. Das Stück erzählt die Turbulenzen, wenn ein eingeschworenes Ehepaar nach 20 Jahren die Hochzeitsreise nach Hawaii nachholt, den Opa aber mitnehmen muss, der Ehemann lieber in den Alpen wandern geht und sich für eine Tour in den Bergen auf Hawaii rüstet. Dabei einem „eingegipsten“ Menschen im Rollstuhl begegnet, dieser ihn auf dem Fuß überrollt und er es bereuen muss, dass er sich nicht vor der Reise hat impfen lassen. Opa läuft zur Hochform auf, seine Tochter Sabine Starnberger verzweifelt, Mandy, die Betreuerin von Herrn Schuhmacher, schmeißt sich lieber an vermeintliche gute Partien ran, als sich um ihren Patienten zu kümmern. Die Mitglieder des Kegelclubs „Immer feste druff 1918“ suchen nur eine Kegelbahn, geraten dabei in unvorstellbar skurrile Situationen. Sie laufen mit Flossen und Taucheranzug in den Szenen hin und her. Dr. Wolf versteckt sich meist hinter der Hotelrezeption.

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Vermeintlich gehörnte Ehefrau

Die psychotische Psychologin will nur einen Vortrag in „Hololulu“ halten, muss einen Treffer einer Bowlingkugel auf ihrem Kopf erleiden und glaubt, dass all das nur eine Verschwörung gegen sie ist. Dass Kilauhea und Kaleohano keine Hotelangestellten sind, sondern Außenbeauftragte von der Krankenkasse und nur Kuraufenthaltserschleicher aufdecken wollen, überrascht final alle Beteiligten. Und dann letztlich noch Gundula Schmidt. Keiner möchte das erleben, was die vermeintlich gehörnte Ehefrau von Heiner Schmidt an verbalen Ergüssen rauslässt. Denn Ulrike Matthes hat dieser Rolle mit Vehemenz derben Ausdruck verliehen.