Thorsten Jahn kandidiert als Ortsbürgermeister in...

Ohne Wahlprogramm und Parteibuch, dafür mit dem festen Entschluss, das „Wir-Gefühl“ im Ort zu stärken: Thorsten Jahn kandidiert für das Amt des Ortsbürgermeisters in Stein-Bockenheim. Foto: photoagenten/Carsten Selak

Thorsten Jahn geht als einziger, unabhängiger Kandidat in Stein-Bockenheim ins Rennen um die Ortsbürgermeisterschaft. Er will vor allem den Team-Geist im Ort stärken.

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STEIN-BOCKENHEIM. Im kommenden Jahr endet in Stein-Bockenheim eine Ära. Nach 30 Jahren wird Siegbert Mees nicht mehr als Ortsbürgermeister der 700-Einwohner-Gemeinde kandidieren. Sein designierter Nachfolger steht in den Startlöchern. Thorsten Jahn hat vor Kurzem seine eigene Wählergruppe gegründet und wird, wohl als einziger Kandidat, um den Platz auf dem Chefsessel des Rathauses kandidieren.

Jahn ist 47 Jahre alt und in Stein-Bockenheim seit seiner Kindheit verwurzelt. Bis zu seinem fünften Lebensjahr lebte er dort, ehe seine Eltern ein Haus in Wonsheim bauten. Doch vor über 18 Jahren kehrte er in seine Heimatgemeinde zurück und hat das Haus der Großeltern übernommen. „Da wohne ich heute mit meiner Familie und fühle mich sehr wohl“, sagt er. Seine Familie, das ist Ehefrau Nathalie und die fünfjährige Tochter Emelie. „Wir sind eine Patchworkfamilie“ sagt Jahn, denn seine Frau hat zwei Kinder mit in die Ehe gebracht und er einen Sohn, der heute 22 Jahre alt ist. Thorsten Jahn spielt beim TTC Stein-Bockenheim Tischtennis und ist im benachbarten Wonsheim Kassierer im Turn- und Sportverein. Zudem spielt er bei den Alten Herren Fußball und ist sich auch nicht zu schade, den Aktiven Fußballern des TSV Wonsheim auszuhelfen.

Mit der Politik hatte Thorsten Jahn bis 2013 nicht wirklich was am Hut. Bei einem Ortsrundgang fragte man ihn, ob er nicht für den Gemeinderat kandidieren wolle. Nach kurzer Überlegung sagte er zu. „Ich helfe gerne, wenn man mich fragt.“ An seine Worte von damals erinnert er sich noch heute. „Was dann passierte, war mir schon fast peinlich“, so Jahn. Er heimste die meisten Stimmen aller Kandidaten ein und ist seitdem Erster Beigeordneter. Demnach war auch klar, dass er der Erste ist, der als Nachfolger für Mees im Dorf gehandelt wird. „Ich habe in den letzten Wochen schon einen gewissen Druck verspürt, dass man das von mir erwartet“, sagt Jahn. Nach vielen Gesprächen mit seiner Frau und der Familie hat er dann den Entschluss gefasst und stellt sich also im Mai der Wahl. Als unabhängiger Kandidat. Denn eins ist ihm wichtig: „Wenn ich es mache, dann nur neutral.“ Ein Parteibuch, das braucht er nicht. Vielmehr will Jahn, der bei der Sparkasse als Abteilungsleiter für die Personalbetreuung zuständig ist, die Menschen in der Gemeinde zusammenbringen.

Ein Wahlprogramm hat er auch nicht. Das sieht er auch nicht als höchste Priorität an. Denn Jahn will das „Wir-Gefühl“ in Stein-Bockenheim wieder stärken. „Senioren und Jugend zusammenzubringen, das ist es, was mir am Herzen liegt.“ Er denkt kurz nach und ergänzt: „Der Teamgeist im Ort muss gestärkt werden.“ Als zweiten wichtigen Punkt sieht Jahn die Weiterentwicklung der Gemeinde an, etwa durch ein Neubaugebiet.

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Dass er wahrscheinlich der richtige Kandidat ist, sehen in Stein-Bockenheim offenbar auch die potenziellen Gegner so. Eine zweite Liste wird es zwar von der SPD geben, allerdings ohne eigenen Bürgermeisterkandidaten. „Ich habe offen mit ihnen gesprochen und es wurde mir signalisiert, dass sie meine Kandidatur unterstützen.“ Wenn also nicht noch ein weiterer unabhängiger Kandidat auftaucht, dann wird Jahn am 26. Mai 2019 wohl den Platz im Rathaus einnehmen, sofern ihm die Mehrheit der Bürger die Ja-Stimme gibt. Wer dann alles auf seiner Kandidatenliste steht, wird sich in den nächsten Wochen herausstellen. „Bisher habe ich 18 Zusagen für meine Wählergruppe.“

Ortsbürgermeister Mees unterstützt ihn schon jetzt. „Er hat mir viel beigebracht“, sagt Jahn, der in den vergangenen Wochen vermehrt in den Bürostunden des Bürgermeisters anzutreffen ist. Er tut also schon jetzt alles dafür, um sich perfekt auf seine neue Aufgabe vorzubereiten. Getreu seinem Motto: „Bevor ich meckere, mache ich es lieber selbst.“