Mehr Kinder als Platz: Für Kita St. Martin in Gau-Bickelheim...

Betreuung im Container – wie hier im Hanni-Kipp-Haus in Alzey – ist mittlerweile verbreitet. In Gau-Bickelheim soll er als Funktionsraum genutzt werden. Archivfoto: pa/Schmitz  Foto:

Das Problem ist an sich gar keines, sondern eigentlich ein Glücksfall. „Erfreulicherweise ist unser Kindergarten am Überlaufen“, sagt Ortsbürgermeister Friedrich Janz....

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GAU-BICKELHEIM. Das Problem ist an sich gar keines, sondern eigentlich ein Glücksfall. „Erfreulicherweise ist unser Kindergarten am Überlaufen“, sagt Ortsbürgermeister Friedrich Janz. Der Zuzug junger Familien, vor allem im Zuge des ersten Bauabschnitts des Neubaugebietes „Gutenbergring“, hat in Gau-Bickelheim die Geburtenzahlen steigen lassen. Zwischen 1. Juli 2016 und 1. Juli 2018 durften im Dorf 47 Neugeborene begrüßt werden. Die katholische Kita St. Martin mit ihren fünf Gruppen und einer Betriebserlaubnis für bis zu 100 Kinder ist an ihrer Kapazitätsgrenze angelangt.

Seit Mai beschäftigt die politischen Verantwortlichen im Gemeinderat daher die Frage: Wohin mit dem Nachwuchs, für den die Kita nicht genug Platz bietet? Wie Janz erklärt, ist Hauptträger der Einrichtung die katholische Kirche, sie wolle keine Betriebserlaubnis für eine höhere Anzahl an Kindern. Deswegen haben sich der Ortsbürgermeister und seine Mitstreiter in anderen Gemeinden schlaugemacht, sich Container-Lösungen etwa in Saulheim, Partenheim, Offenheim oder Wonsheim angeschaut. Mit dem Ergebnis, dass es nun ab Januar 2019 auch in Gau-Bickelheim eine vorübergehende Erweiterung der Kapazität durch mobile Anbauten geben soll. Einen entsprechenden Grundsatzbeschluss will der Rat in seiner Sitzung am Mittwoch, 1. August, fassen.

Man habe verschiedene Möglichkeiten durchgespielt, sagt Friedrich Janz, auch ein Hauskauf und Umbau in der Kettlerstraße sei ins Auge gefasst worden. Aktuell sei aber die Containerlösung die schnellste und praktikabelste Option, erklärt der Ortsbürgermeister. Einen Hauskauf wolle er mittel- bis langfristig aber auch nicht ausschließen.

Und ein eigener Neubau unter 100-prozentiger Trägerschaft der Gemeinde? Dem steht Janz eher zurückhaltend gegenüber. Zu unberechenbar ist für ihn die Entwicklung der Kinderzahlen in den kommenden Jahren. Zwar werde die Zahl von 100 Kindern auf Dauer sicher überschritten, aber man wisse eben nicht, um wie viel. „Bei 105 Kindern eine eigene Kita zu bauen, wäre ja abstrus“, sagt Janz.

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Ein weiteres Problem: Da aktuell nur eine Gruppe fehlt, gibt es auch nur für diese eine Gruppe Zuschussgelder. Würde die Ortsgemeinde sich für den Bau einer zweigruppigen Kita entscheiden, blieben nach Janz’ Berechnung um die zwei Millionen Euro an ihr hängen.

Zurück zur Containerlösung: Um eine Benachteiligung einer Gruppe zu vermeiden, sehen die aktuellen Pläne vor, die Container nicht als Gruppenraum zu nutzen, sondern als Funktionsraum, etwa für das Mittagessen. So werde der Raum nur einige Stunden am Tag genutzt, keine Betreuungsgruppe müsse ausgelagert werden.

Rund 40 000 Euro werden die vorbereitenden Maßnahmen kosten, die jährliche Miete beträgt etwa 15 000 Euro. Auch die Personalkosten für die zusätzlichen Erzieher hat die Ortsgemeinde zu tragen. Die katholische Kirche habe sich aber bereit erklärt, für zwei Jahre die organisatorische und pädagogische Trägerschaft für die zusätzliche Gruppe zu übernehmen. Für die Zeit danach muss sich die Gemeinde daher bereits jetzt Gedanken machen.