Martina Màte hört als langjährige Leiterin der...

Martina Máte war knapp sieben Jahre Leiterin der katholischen öffentlichen Bücherei (KÖB) in Gau-Bickelheim. Foto: photoagenten/Axel Schmitz  Foto: photoagenten/Axel Schmitz

Eigentlich wollte Martina Máte erst in ein paar Jahren aufhören. Doch für die Leiterin der katholischen öffentlichen Bücherei (KÖB) in Gau-Bickelheim ist schon früher...

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GAU-BICKELHEIM. Eigentlich wollte Martina Máte erst in ein paar Jahren aufhören. Doch für die Leiterin der katholischen öffentlichen Bücherei (KÖB) in Gau-Bickelheim ist schon früher Schluss. Genau genommen am Sonntag, 29. April. Dann verabschiedet sich die Bücherei offiziell von ihrer Leiterin (siehe Infokasten). Die Gau-Bickelheimerin zieht es gemeinsam mit ihrem Mann in den Bayerischen Wald, aus beruflichen Gründen des Ehemanns, der als Fließenleger arbeitet.

Deshalb plant Máte derzeit nicht nur die Stabübergabe in der KÖB, sondern auch den Umzug in Richtung Süden und packt fleißig Kisten. Alleine für ihre Bücher dürften es einige werden. Fünf Regale mit jeweils zwei Reihen hat Máte, für ihren Mann eindeutig zu viele. Vor dem Umzug soll sie deshalb aussortieren. „Ich habe zu ihm gesagt: Du kannst viel verlangen. Aber nicht, dass ich meine Bücher wegwerfe“, erzählt sie heiter.

Eine Lesereihe in den Sommerferien

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Daneben überkommt die ausgebildete Bücherei-Assistentin beim Kistenpacken aber auch immer wieder Wehmut. „Gerade, wenn ich an die Bücherei denke. Die Aufgabe hier hat sehr viel Spaß gemacht“, sagt sie. Dass der Blick in die Vergangenheit als Leiterin der kleinen Gemeindebibliothek positiv ausfällt, ist kein Wunder. Máte braucht nicht mehr als ein gutes Buch zum Genießen und Glücklichsein. „Zum Geburtstag habe ich eine Garten-Schaukel bekommen. Mit einem Buch und einem Glas Rotwein bei gutem Wetter da zu sitzen und zu lesen – das ist fantastisch. Da kann ich völlig in ein Buch abtauchen“, schwärmt sie. So fiel es ihr auch leicht, die meisten der ausgelegten Bücher der Bücherei zu lesen und Buchliebhabern Tipps zu geben. Am liebsten die von Dan Brown oder Sebastian Fitzeck. „Thriller und Krimis liebe ich“, erzählt die Leiterin.

In der Gemeinde-Bibliothek berät Máte aber nicht nur. Sie ist als Leiterin seit knapp sieben Jahren erste Ansprechpartnerin für ihr Team, deren Einsätze sie koordiniert, mit dem sie Buchbeschaffungen abstimmt und Veranstaltungen plant. Ihre Devise dabei: Gemeinsam mit der Gruppe entscheiden. „Über das Team bin ich sehr glücklich. Es ist toll, zu sehen, wie einer für den anderen einspringt, wenn man mal keine Zeit hat.“ Wahrscheinlich harmonieren die zwölf Frauen um die Gau-Bickelheimerin so gut, weil sie eins verbindet: die Begeisterung für Bücher.

Diese Begeisterung hat Máte schon früh gepackt. In der Grundschule verschlingt sie Bücher und Bände. „Für mich war es die Höchststrafe, wenn ich meinen Bücherausweis für eine Woche weggenommen bekommen habe“, erinnert sie sich.

Seit dieser Zeit hat sich viel getan. Bei Máte, die inzwischen zwei erwachsene Kinder hat. Aber auch in der Medienwelt. Heute greifen viele Leser lieber zum E-Book oder Tablet anstelle des klassischen gedruckten Exemplares. Das merkt auch die KÖB, in der zum Beispiel Jugendliche so gut wie gar nicht ausleihen. Trotz der vielen Veränderungen, die Bücherei ist gleich geblieben. Natürlich gab es bei Leiterin Máte und ihrem Team, dem sie seit 2001 angehört, Überlegungen, PCs oder E-Books anzuschaffen. Das wäre aber äußerst kostspielig gewesen, zu kostspielig. Denn die Mittel, die die Gemeindebücherei vom Bistum bekommt, sind überschaubar – und zuletzt zurückgegangen.

Trotzdem hat die Tochter eines Koch-Ehepaars mit ihrem Team einiges auf die Beine gestellt, zum Beispiel die Sommerspätlese. Eine Lesereihe in den Sommerferien, bei der die Zuhörer bei einem Glas Wein verschiedenen Autoren, zum Beispiel Johannes Gerster, lauschen können (die AZ berichtete). Die nächste Reihe, die für die KÖB eine wichtige Einnahmequelle ist, ist natürlich voll in Planung, versichert die Gau-Bickelheimerin, trotz ihres Abschieds. Schließlich ist Nachfolgerin Ute Bauer schon mit im Team und wird bereits eingearbeitet. Ihr wünscht Máte „sehr viel Spaß und eine mindestens genauso lange Amtszeit“. Das hieße nämlich, dass es die Gemeindebücherei noch lang gibt – ein weiterer Wunsch der Leiterin.

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Bleibt noch die Frage, was die Neu-Bayerin nach ihrem Umzug an ihrem ersten „freien Tag“ machen wird. „Natürlich schnappe ich mir ein Buch. Da stehen noch mindestens 15 im Regal und warten auf mich.“ Sofern ihr Mann sie vorher nicht weggeworfen hat.

Von Bastian Hauck