Jugenheim/Partenheim: Für Prostatakrebs sensibilisieren

Bis Ende November bleibt er dran, der Schnorres namens „Mo“: Marcel Hanuschek setzt den Rasierer derzeit nur partiell ein, und auch die Kumpels vom Fußballverein machen mit beim Spendensammeln.Foto: photoagenten/Carsten Selak  Foto: photoagenten/Carsten Selak

Marcel Hanuschek von der SG Partenheim/Jugenheim sitzt am Esstisch seines Wohnzimmers und fährt sich lachend mit Daumen und Zeigefinger über den Oberlippenbart:...

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JUGENHEIM/PARTENHEIM/GAU-BICKELHEIM. Marcel Hanuschek von der SG Partenheim/Jugenheim sitzt am Esstisch seines Wohnzimmers und fährt sich lachend mit Daumen und Zeigefinger über den Oberlippenbart: „Normalerweise ist die Rotzbremse ja gar nicht mein Stil.“

In seiner modernen Wohnung stehen dunkle Kommoden und Vitrinen, darauf drapiert eine große Sammlung an Spirituosen und Blechschildern. Ein Strohhut mit dem Emblem eines bekannten Kräuterlikörs erinnert an eine wilde Partynacht. Hinweise darauf: Hier wohnt jemand, der das Leben in vollen Zügen genießt.

Fußballkumpels machen mit

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Dennoch wäre es zu kurz gedacht, Marcel Hanuschek nur auf den lebenslustigen Mittdreißiger zu reduzieren. Denn so witzig der Schnurrbart auch aussehen mag, steht er doch für eine ernste Angelegenheit. Seit Anfang des Monats ziert der „Mo“, – kurz für Moustache (das urprünglich französische und daraus ins Englische abgeleitete Wor für Schnurrbart) – sein Gesicht und wird es bis Ende November auch weiter tun. Trotz Hohn und Spott, den er über sich ergehen lassen müsse, der Rasierer werde geschont, sagt er. Denn der Kultbart der 80er Jahre ist ein Symbol.

Die mit von der Firma Wilkinson ins Leben gerufene „Movember Foundation“ will für das Thema Prostatakrebs sensibilisieren. Hierfür lassen sich Männer im November demonstrativ einen Schnurrbart stehen. Auch Hanuschek und seine Fußballkumpels, die erste Mannschaft der SG Partenheim/Jugenheim. Ihr Motto: „FSG goes Mo.“

„Zu viele Söhne sterben vor ihren Vätern“, erklärt der 33-Jährige. Die Krebserkrankung sei ein Thema, mit dem sich Männer in seinem Alter ungern beschäftigten. Deswegen habe sich sein Verein der Aktion angeschlossen. Ihr Plan: sich erst auslachen lassen, dann aufklären und dadurch die Männer nachdenklich stimmen. Denn Prostatakrebs, sagt Hanuschek, sei keine Seltenheit.

Ihren Anfang nahm die haarige Angelegenheit Mitte Oktober, als Hanuschek mit einem befreundeten Arzt der Mainzer Uniklinik bei einem Glas Wein zusammengesessen und sich über das Tabuthema unterhalten hatte. Auch Hanuschek gibt zu, dass er sich vor der Vorsorgeuntersuchung lange Zeit gedrückt habe. Doch das hat nun ein Ende. Der Projektmanager für Livemarketing und Sportsponsoring hat sich geschworen, als gutes Vorbild vorwegzugehen. „Anfang 2018 gehe ich zur Vorsorge“, sagt der 33-Jährige entschlossen. Damit in Zukunft möglichst viele seinem Beispiel folgen, stellt er sich nun jedes Jahr optisch ganz in den Dienst der Foundation. Die Reaktionen auf den Oberlippenbart seien sowohl im privaten Umfeld als auch im Beruf immer die gleichen, sagt Hanuschek. Auch unter den Fußballern sei das Gelächter zunächst groß gewesen, als er voller Stolz mit dem ungewohnten Bart die Umkleidekabine betrat. Was er denn für einen „Scheiß“ im Gesicht habe, sei er von seinen Mitspielern gefragt worden. Es sei der immer gleiche Einstieg in die selbstauferlegte Mission. Der erste Schritt, der viel Mut und Selbstvertrauen erfordere, aber sich lohne, glaubt Hanuschek.

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Denn das Lachen der Mitspieler erstarb schnell, als er die Geschichte hinter seinem „Mo“ erzählte. Der Hohn sei zu Anerkennung gewechselt, und schnell war die ganze Mannschaft inklusive Trainer mit im Boot. Nun sprießen Bärte im kompletten Team. Doch nicht nur drüber reden möchte Hanuschek. Er und seine Mannschaft wollen etwas bewegen. Sie sammeln Spenden, die den weltweiten Projekten der Foundation gegen die Krebserkrankung zugutekommen. Rund 20 Spender habe man bereits gefunden. 250 Euro seien für den guten Zweck zusammengekommen. Bis zum Ende des „Movembers“ soll sich der Betrag verdoppeln. Hierzu verkauft die Mannschaft am Sonntag nach dem Heimspiel gegen den FV Budenheim Glühwein und Buttons. In der Hoffnung, dass noch mehr Leute nächstes Jahr den Bart wachsen und sich für den guten Zweck auslachen lassen.