Der halbe Ton macht den Unterschied

Mit Professor Bernhard Janz an der Orgel und Jörk Kirsat an der Trompete erlebten die Zuhörer in Gau-Bickelheim ein Konzert der Extraklasse.Foto: photoagenten/Carsten Selak  Foto: photoagenten/Carsten Selak

Freunde und Liebhaber klassischer Orgelmusik kamen beim Benefizkonzert in der katholischen Kirche St. Martin wieder voll auf ihre Kosten. Zugunsten der Kapellensanierung waren...

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GAU-BICKELHEIM. Freunde und Liebhaber klassischer Orgelmusik kamen beim Benefizkonzert in der katholischen Kirche St. Martin wieder voll auf ihre Kosten. Zugunsten der Kapellensanierung waren erhabene Töne aus dem Barock zu hören und sorgten für eine andächtige Stimmung.

Zur Orgel gesellte sich dieses Jahr eine Trompete. Mit Professor Dr. Bernhard Janz (Orgel) und Jörg Krisat (Trompete) spielten zwei absolute Könner und Meister ihres Fachs. „In den letzten Jahren führten unsere Konzerte durch 400 Jahre Musikgeschichte“, erklärte Friedrich Janz, Ortsbürgermeister und Initiator der Benefizkonzerte. Dieses Mal dagegen beschränkte sich das Programm auf Stücke des Barock. „Gerade hier harmonieren Orgel und Trompete außergewöhnlich gut“, berichtete Janz weiter, der seinen Bruder für das Konzert gewinnen konnte.

Die Musiker konnten im Vorfeld lediglich dreimal zusammen in der Kirche proben. Doch es galt, weitere Hindernisse zu überwinden. „Die Orgel wurde 1853 erbaut“, sagte Bernhard Janz. „Wie die meisten Orgeln in Rheinhessen ist das Instrument dabei jedoch einen halben Ton zu hoch.“ Gerade mit einem weiteren Solo-Instrument müsse man deshalb darauf achten, einen halben Ton tiefer zu spielen. Die Lösung klingt denkbar einfach, doch muss beachtet werden, dass die sieben Werke des Abends transkribiert werden mussten – eine Aufgabe, die der Extraordinarius für Musikgeschichte der Universität Würzburg eindrucksvoll meisterte.

Im Jahre 2004 wurde der Förderkreis für die Orgelsanierung ins Leben gerufen. Ganze zehn Jahre dauerte es, die komplett im Originalzustand erhaltene Orgel wieder herzurichten. Insgesamt 200 000 Euro wurden zur Realisierung dieses Projektes benötigt. „Wir sind wirklich sehr stolz, dieses Projekt geschafft zu haben“, sagte Friedrich Janz. Alleine durch die Orgelrenovierung habe es einen enormen Fortschritt in der Kirchengemeinde Gau-Bickelheims gegeben. Während man früher schwerlich einen Organisten für Gottesdienste habe engagieren können, würden nun sogar viele junge Nachwuchsmusiker Anfragen stellen. Einen noch größeren Erfolg verspricht sich Janz dabei von dem neusten Projekt – der Kapellensanierung. „Mit unserer Kapelle wird in Tourismus-Broschüren geworben, aber leider steht uns nicht genug Geld zur Verfügung, diese zu erhalten.“ Lediglich Gau-Bickelheim selbst und das Ordinariat in Mainz würden sich um die Finanzierung sorgen. Das will der Förderkreis ändern.

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Gleich zu Beginn des Konzertes warteten Krisat und Professor Dr. Janz mit „Troisiemme Air du Concert de Trompettes“ (Michel-Richard Delalande) auf und füllten die Akustik in den alten Mauern komplett aus. „Heute Nachmittag werden zwei Könner furios spielen – wie gestern Abend elf andere Spieler. Doch der Blutdruck wird nicht steigen“, versprach Friedrich Janz in seiner Begrüßung. Mit einem Schmunzeln auf den Lippen lauschten die Gäste dem Konzert, das ohne Unterbrechung dargeboten wurde. Höhepunkte bildeten dabei etwa das Konzert für die Trompete in D-Dur von Giuseppe Tartini, das nicht nur Krisat sehr viel abverlangte, sondern auch „Suite in D-Dur“ für Trompete und Orgel von Jeremiah Clarke. Das Konzert wurde dabei geschickt von den Musikern spannungssteigernd aufgebaut. Als die beiden nach dem Ende des Konzertes allerdings erneut auf die Empore stiegen und als Zugabe „Trumpet Voluntary“ (Jeremiah Clarke) präsentierten, sorgten sie tatsächlich für ein furioses Finale. Völlig zu Recht sicherten sie sich großen Applaus und sorgten für ein rundum gelungenes Konzert, in dem sie alle Zuhörer mitrissen.