Buch über Gau-Bickelheim basiert auf 50 Interviews,...

Es ist vollbracht: Bernhard Krämer (l.) und Friedrich Janz mit dem Band vor dem Rathaus.Foto: photoagenten/Axel Schmitz   Foto: photoagenten/Axel Schmitz

Als Elke Bornheimer im Sommer 2014 die Idee in den Gemeinderat einbrachte, anlässlich der Feierlichkeiten zum Jubiläum 200 Jahre Rheinhessen, im Jahr 2016 eine Chronik über...

Anzeige

GAU-BICKELHEIM. Als Elke Bornheimer im Sommer 2014 die Idee in den Gemeinderat einbrachte, anlässlich der Feierlichkeiten zum Jubiläum 200 Jahre Rheinhessen, im Jahr 2016 eine Chronik über Gau-Bickelheim herauszubringen, war der Gemeinderat begeistert. Geschafft haben es die Verantwortlichen aber erst, das Buch Anfang Dezember 2017 zu veröffentlichen. Es ist ein dickes Werk geworden, und von den 500 gedruckten Exemplaren sind bereits über 200 verkauft.

Friedrich Janz ist glücklich. Der Ortsbürgermeister strahlt, wenn er von dem Werk erzählt. Er schätzt die Arbeit der vier Redakteure Elke Bornheimer, Vera Bunn, Regine Krollmann und Winfried Steinborn, die zusammen mit Chefredakteur Bernhard Krämer fast drei Jahre recherchierten. Das Redaktionsteam vervollständigen Ilse Janz, die für das Korrigieren zuständig war, und Antonio Sarnjai, der für die technische Begleitung, das Layout und den Druck verantwortlich zeichnet.

Krämer erzählt von rund 50 Interviews, die er geführt hat. „Stundenlang habe ich bei den Leuten gesessen und ihnen zugehört“, sagt der Beigeordnete der Gemeinde. „Dabei habe ich über 600 Bilder erhalten.“ Krämer war die letzten drei Jahre oft im Büro im Obergeschoss seines Hauses anzutreffen. „Der Scanner lief heiß“, sagt er, denn alle Fotos hat er archiviert.

Anzeige

Zu den „Erzählern“ gehörten auch die beiden 98-Jährigen Katharina Brandt und Else Kummermehr. „Sie haben unendlich viel dazu beigetragen, was in früheren Zeiten in Gau-Bickelheim so alles passiert ist. So erzählten die beiden von dem in zwei Lager geteilten Ort. Obwohl fast zu 100 Prozent Katholiken, gab es die Unterteilung in „Blaue“, die Frommen, und „Weiße“, die eher Liberalen. „Das ist heute gar nicht mehr vorstellbar“, sagt Janz. Mittlerweile sind nur noch knapp 50 Prozent der Gau-Bickelheimer katholisch.

Dass es mit der Veröffentlichung zum Rheinhessen-Jubiläum nicht geklappt hat, lag an der intensiven Recherche. Besuche im Landesarchiv in Speyer haben viel Zeit in Anspruch genommen. Auch die vielen Akten und Regierungsblätter, die im Rathaus lagern, wurden durchgeblättert. Jedes einzelne Ratsprotokoll seit dem ersten Weltkrieg hatte Krämer in der Hand. „Vieles war noch in Sütterlin geschrieben.“ Auch wenn er selbst es noch gelernt hat, fiel ihm das Lesen schwer. „Meine Schwiegermutter hat mir dann geholfen.“ Zwischendurch wollte Krämer aufgeben. „Ich hatte einmal einen Tiefpunkt, da war mir alles zu viel.“ Doch wenn er heute das Exemplar in der Hand hält, ist er stolz.

Jetzt will sich das Redaktionsteam erstmal eine Pause gönnen, doch Krämer hat schon neue Ideen, unter anderem eine große Fotoausstellung mit den vielen Bildern, die er erhalten hat.

Ortsbürgermeister Janz ist dem Gemeinderat dankbar, dass er sich für die große und ausführliche Version entschieden hat. Rund 35 Euro kostete ein Buch in der Herstellung. Verkauft wird es für nur 29,95 Euro. In sieben Kapitel ist das Buch aufgeteilt. Das öffentliche und politische Leben in der Gemeinde, die Entwicklung von Beginn des 19. Jahrhunderts bis zur Neuzeit und der Handel und Wandel, ein Kapitel über das Geschäftsleben in Gau-Bickelheim bilden das Grundgerüst in der Chronik. Ein weiterer wichtiger Teil wird in der Rubrik „Konfessionen, Schule und Kindergarten“ erzählt. Die Vereine kommen ebenfalls nicht zu kurz. Ein Sonderkapitel wird der Post, der Eisenbahn und dem Bus sowie dem Thema Auswanderung und Zuwanderung gewidmet.

Für Schmunzeln und Lacher sorgt das letzte Kapitel. Namen, Spitz- und Uznamen über die Gau-Bickelheimer „Kapellenschisser“, wie man sie liebevoll nennt, rheinhessische und Gau-Bickelheimer Besonderheiten oder das Thema Fastnacht sind nachzulesen. „Das weckt bei den Lesern lustige Erinnerungen“, grinst Krämer. Zudem sind viele Schriften von Schulrat Franz-Josef Spang verarbeitet. Für Janz war eines wichtig: „Wir wollten den Inhalt nicht langweilig, sondern interessant für alle Altersschichten in der Gemeinde gestalten.“ Dann ergänzt er strahlend: „Das ist uns sehr gut gelungen.“