Afrikanische Schweinepest: Züchter in Gau-Bickelheim und...

Auch wenn man es ihm nicht ansieht: Die Sorgen sind bei Schweinezüchter Bernd Bornheimer-Schwalbach groß.  Foto: pa/Selak  Foto: pa/Selak

Von Panik könne noch keine Rede sein. „Aber ein bisschen Bauchweh habe ich schon“, sagt Bernd Bornheimer-Schwalbach. Der Bio-Schweinezüchter betreibt zusammen mit seiner...

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GAU-BICKELHEIM. Von Panik könne noch keine Rede sein. „Aber ein bisschen Bauchweh habe ich schon“, sagt Bernd Bornheimer-Schwalbach. Der Bio-Schweinezüchter betreibt zusammen mit seiner Frau die Schweinothek in Gau-Bickelheim. Was ihm die Sorgenfalten auf die Stirn treibt ist ein Virus, der von Osten her immer näher zu kommen scheint: die Afrikanische Schweinepest. Die fieberhafte, hoch ansteckende Erkrankung breitet sich seit einigen Jahren über Georgien, Russland und Osteuropa aus. Zuletzt wurde die in nahezu 100 Prozent der Fälle tödliche Tierseuche in Polen und Tschechien festgestellt. Und viele Experten sind sich sicher, dass sie auch an der deutschen Grenze nicht Halt machen wird.

Krankheitsbefall wäre der Super-Gau

„Die Gefahr wird akuter“, sagt Bornheimer-Schwalbach, der seine etwa 50 Bunten Bentheimer Schweine durch die Freilandhaltung auf einer Fläche außerhalb von Gau-Bickelheim besonders gefährdet sieht. Doch was tun? „Wirklich rüsten kann ich mich nicht“, sagt Bornheimer-Schwalbach. „Mehr als die ohnehin existierenden Auflagen zu erfüllen, geht nicht. Alles andere muss man auf sich zukommen lassen.“ Daran denken, dass sein Betrieb irgendwann betroffen sein könnte, will Bornheimer-Schwalbach besser nicht: „Das wäre der Super-Gau. Schließlich haben wir uns eine Existenz aufgebaut, die auf den Schweinen beruht.“ Und dabei geht es Bornheimer-Schwalbach gar nicht zwingend um den Verlust in materieller Form – schließlich müssen bei Ausbrechen der Seuche in einem Betrieb alle dort lebenden Tiere getötet werden. „Dann wäre die komplette Arbeit der vergangenen neun Jahre mit einem Schlag zunichte“, sagt Bornheimer-Schwalbach.

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Auch Achim Schumann, der seit vielen Jahren in Wendelsheim Schweine in Freilandhaltung hält, schätzt das Risiko eines Ausbrechens der Seuche in Deutschland groß ein. „Sobald es den ersten Fall gibt, müssten wir alle Tiere einstallen, das wäre ein sehr großer Aufwand“, sagt Schumann. Und ein mögliches Keulen des Bestands mit einem hohen finanziellen Schaden verbunden. Doch auch für ihn gilt: „Abwarten.“ Noch gibt sich Schumann entspannt.

Doch das ist lange nicht bei allen Bauern der Fall. „Wir haben viele Anfragen dazu“, sagt Andreas Köhr vom Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz. Schließlich wäre das Auftreten eines Falles in Deutschlands bereits mit vielen Auswirkungen auf die Schweinezucht – beispielsweise Export-Verbote – verbunden. „Die Tiere direkt zu schützen, beispielsweise durch eine Impfung, ist leider unmöglich“, sagt Köhr. Und trotzdem sieht er neben verschärften Hygienemaßnahmen und besserer Aufklärung eine Möglichkeit, wie das Risiko der Verbreitung verringert werden kann: „Man müsste die Wildschweinbestände deutlich reduzieren.“ Zumal sich der Wildschweinbestand seit Ende der 1980er Jahre in Rheinland-Pfalz ohnehin vervierfacht habe. Wildschweine gelten als hauptverantwortlich für die Übertragung der Krankheit. „Je geringer die Wildschweinpopulation, desto geringer die Gefahr“, sagt Andreas Köhr. „Es ist sinnvoller, jetzt Geld in Aufklärung und die Bejagung zu stecken, als hinterher Schäden in Millionenhöhe zu haben.“

Doch ganz so einfach ist das laut Kreisjagdmeister Gerd Schuckert nicht. Er hält die vom Deutschen Bauernverband geforderte Reduzierung der Wildschweinbestände um 70 Prozent für nicht realistisch. Ein Grund: „Es handelt sich um intelligentes Wild, das sich auf die Jagd einstellen kann“, sagt Schuckert. So würden sie sich immer wieder in geschützte Bereiche zurückziehen. „Sie da raus zu treiben, ist unheimlich schwierig.“ Hinzu würde es Schuckert nicht für richtig halten, dem Wild keine Jagdpausen zu gönnen: „Die Tiere müssen auch mal zur Ruhe kommen können.“ Ganz abgesehen davon, dass Schuckert zweifelt, dass das Schießen der Wildschweine die Seuche aufhält. Er glaubt eher, dass es die Ausbreitung maximal verlangsamen würde.

Gut möglich also, dass die Schweinezüchter Bernd Bornheimer-Schwalbach und Achim Schuman noch etwas länger um ihre Tiere bangen müssen. So bleibt es bei nur einer guten Nachricht: Für Menschen gilt die Afrikanische Schweinepest als völlig ungefährlich.

Von Pascal Widder