Abschied nach 17 Jahren: Martina Màte verlässt die...

Abschied und Neuanfang in der Bücherei mit (v.l.) Pfarrer Karl Josef Weeber, Ute Bauer, Martina Màte und Josef Staudinger.Foto: pa/Axel Schmitz  Foto: pa/Axel Schmitz

Martina Màte ist nervös. Sie blickt in den großen Raum des Bürgerhauses in Gau-Bickelheim, der sich langsam füllt. Wehmütig ist sie, denn gleich wird die Leiterin der...

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GAU-BICKELHEIM. Martina Màte ist nervös. Sie blickt in den großen Raum des Bürgerhauses in Gau-Bickelheim, der sich langsam füllt. Wehmütig ist sie, denn gleich wird die Leiterin der katholischen öffentlichen Bücherei (KÖB) in Gau-Bickelheim verabschiedet. An den Stehtischen, die mit weißen Hussen umhüllt sind, versammeln sich ihre Mitarbeiterinnen, Weggefährten und vor allem viele Bürger aus der Gemeinde. Bücher liegen als Dekoelemente auf den Tischen, die mittlere Seiten sind zu einer Blüte gefaltet, die Tulpen duften.

Martina Màte zieht es demnächst in den Bayerischen Wald, die Koffer und Kisten sind gepackt (die AZ berichtete). Es geht nach Arrach. Seit 17 Jahren engagiert sie sich bereits in der KÖB, die letzten sieben Jahre hat sie als Leiterin fungiert. Die berufliche Situation ihres Mannes verlangt nun den neuen Lebensabschnitt. Sie ergreift das Wort, muss erst noch einmal schwer schlucken bevor sie sagt: „Ich will euch nicht mit einer langen Rede, die so dahin plätschert, langweilen.“ Doch die Dankesworte sind ihr wichtig, Màte will ihrem Team sagen, wie schwer ihr der Schritt fällt. Ihre Ansprache ist kurz und emotional. „Jetzt fehlen mir die Worte“, sagt die scheidende Leiterin und wischt mit der Hand die erste Träne weg.

Dass Màte eine gute Arbeit geleistet hat, bestätigen alle Redner. Allem voran der Leiter der Fachstelle Bücherei beim Bistum Mainz, Josef Staudinger. Er weiß, dass eine Bücherei ein Luxusgut in der heutigen Gesellschaft ist, die nur lebendig erhalten werden könne, wenn Menschen, wie in Gau-Bickelheim, mit Herzblut ehrenamtlich wirkten. Staudinger blickt in seiner Ansprache vor allem auf die so erfolgreiche „Sommerspätlese“ zurück, eine Veranstaltung der Bücherei in den Sommerferien, die weit über die Grenzen der Wißberggemeinde bekannt ist. Was sich vor allem Martina Màte auf die Fahne schreiben darf.

Pfarrer Karl Josef Weeber lobt die Geduld bei der Arbeit, die Màte an den Tag gelegt hat. „Ihre Liebe zu den Büchern und zum Lesen war eine große Bereicherung für unsere Bücherei“, sagt der Pfarrer. Und er bittet alle Menschen, Kinder mehr an das Lesen heranzuführen. „Ich stelle immer wieder fest, dass viele nicht richtig lesen können.“ Weeber wünscht Màte eine neue herausfordernde Arbeit und überreicht ihr dazu eine Orchidee, die niemals verblühen soll. „Damit die Orchidee auch hier weiterblüht, bekommen Sie auch eine“, sagt Weeber zur neuen Leiterin Ute Bauer.

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Die stetige Entwicklung der Bücherei macht Ortsbürgermeister Friedrich Janz mehr als glücklich. „Wir werden von vielen Gemeinden darum beneidet“, ist sich der Ortschef sicher, der einen Karton Rotwein als Abschiedsgeschenk dabei hat. „Du hast Menschen verbunden und zusammengeführt“, sagt Janz und ergänzt: „Du wirst eine Lücke hinterlassen.“

Zum Schluss wünscht sich Ute Bauer sogar, dass Martina Màte vielleicht als Gastleserin einmal vorbeischaut. „Das mache ich gerne, wenn ich Nachschub im Weinkeller brauche“, sagt die Angesprochene und lacht. Verwurzelt werde sie in Gau-Bickelheim immer bleiben. Freundschaften sind entstanden, in der Wählergruppe war sie aktiv, beim Jugendrotkreuz hat sie mitgewirkt, im Gesangverein gesungen und bei den Landfrauen mitgearbeitet.

Als sich dann zum Schluss die Mitarbeiterinnen noch in persönlichen Statements verabschieden, werden die Augen wieder feucht.