Viele Vereine im Wonnegau fühlen sich wegen der...

Foto: Heinrich Schwarze-Blanke  Foto: Heinrich Schwarze-Blanke

Seit dem 25. Mai ist sie in Kraft: die neue Datenschutzgrundverordnung der EU (DSGVO). Und die sorgt in Vereinen im Wonngeau für Fragezeichen. Abmahnwellen sind bisher...

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VG EICH/VG WONNEGAU/VG MONSHEIM. Seit dem 25. Mai ist sie in Kraft: die neue Datenschutzgrundverordnung der EU (DSGVO). Und die sorgt in Vereinen im Wonngeau für Fragezeichen. Abmahnwellen sind bisher ausgeblieben – dennoch ist die Verunsicherung groß. Wie gehen wir mit personenbezogenen Daten um? Dürfen Fotos auf die Website? Was ist mit Geburtstagskarten? Und – vor allen Dingen – wer macht die ganze Arbeit? Auskunft über den Stand der Umsetzung? Nicht mit uns.

Anders als zu erwarten wäre, haben nicht nur kleine Vereine mit den Anforderungen der DSGVO zu kämpfen. Verunsicherung herrscht auch bei den mitgliederstarken Vereinen. Auf Anfrage möchten zwei Vereine gegenüber dieser Zeitung überhaupt keine Angabe zur DSGVO machen. Zu groß ist die Verunsicherung darüber, dass noch etwas fehlen könnte, zu groß die Angst, dass irgendwo da draußen ein Anwalt sitzt, der sich an Versäumnissen bereichern könnte.

Eine Ausnahme ist der Schwimmverein Freibad Gimbsheim (SFG). Dessen Erster Vorsitzender David Profit hat pünktlich zum 25. Mai die Vereins-Website um die Datenschutzerklärung ergänzt – in verständlicher Sprache und mit Facebook-Hinweis. Ein bisschen Einlesen sei dafür nötig gewesen. „Aber der Landessportbund, der rheinland-pfälzische Sportbund und der südwestdeutsche Schwimmverband liefern sehr gute Muster.“

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Den 3600 Vereinsmitgliedern möchte der Vorsitzende möglichst viel Transparenz bieten. Das funktioniere bisher ganz gut. „Wir hatten für die Umsetzung ja auch zwei Jahre Zeit. Und vieles ist ohnehin seit 20 Jahren Bundesgesetz. So viele Neuigkeiten bringt uns die DSGVO eigentlich gar nicht.“

David Profit schrecken die Arbeiten, die im Zuge der DSGVO anfallen, nicht vom Ehrenamt ab. Doch wie sieht es mit den anderen Vereinsmitgliedern aus? Schwächt die DSGVO das Ehrenamt? „Sagen wir es mal so“, sagt der Vorsitzende. „Viele engagieren sich im Verein, aber die Arbeit ist mehr. Dabei geht es im Schwimmverein um überschaubare Aufgaben wie die Beet- und Rasenpflege.“ Mit der DSGVO habe das nichts zu tun.

Während David Profit im mitgliederstärksten Verein des Wonnegaus keine Abmahnwellen befürchtet, ist gerade in den kleineren Vereinen die Verunsicherung groß. Den Heimatverein Offstein hat die DSGVO kalt erwischt. Datenschutzerklärung? Verarbeitungsverzeichnis? Datenschutzbeauftragter? Willens ist der Vereinsvorstand, hat sich mit anderen Vereinen im Ort ausgetauscht, mit der Ortsgemeinde und der VG Monsheim besprochen. „Wir setzen natürlich alles daran, die Vorgaben umzusetzen“, sagt der Vorsitzende, Dr. Karl Heimers. „Trotzdem ist uns vieles nicht ganz klar. Wer darf zum Beispiel innerhalb des Vorstandes Zugriff auf die Mitgliederlisten haben?“ Wie es um das Vereinsleben im rund 240 Mitglieder starken Verein stehe? „Wir waren so glücklich darüber, dass wir gerade erst ein paar jüngere Mitglieder für den Verein begeistern konnten“, sagt der Vorsitzende. „Die wollen natürlich kreativ sein, den Verein mitgestalten – und ihn nicht etwa verwalten.“ Neben der Jugend gibt es im Verein auch die Älteren. „Die verstehen die Änderungen, die die DSGVO mit sich bringt, oft nicht.“ Bei der nächsten Versammlung werde man ihnen etwa erklären müssen, dass wegfallende Karten zu Jubiläen keine Willkür des Vereins seien, sondern Verpflichtungen. Mit 77 Mitgliedern gehört der Kleintierzucht- und Vogelschutzverein Alsheim zu den Zwergen unter den Vereinen. Das liege jedoch nicht an der DSGVO. „Geflügelpest und Stallpflicht haben uns in den vergangenen Jahren viele Mitglieder gekostet“, sagt der Vorsitzende, Lothar Kruse. „Viele haben deshalb mit dem Züchten aufgehört.“ Im Verein wird nach wie vor viel geholfen – Sorgen ums Ehrenamt bereite ihm die EU-Verordnung nicht. Mit den Änderungen habe man sich auseinandergesetzt, der Internetauftritt war ohnehin überflüssig und existiert schon seit ein paar Jahren nicht mehr. „Wenn unsere Züchter das nächste Mal den Impfstoff für die Tiere holen, werden wir ihnen eine Erklärung zum Unterschreiben mitgeben.“

Mit rund 100 Mitgliedern kommt der VfR Alsheim um die Ernennung eines Datenschutzbeauftragten herum. „Bei uns haben weniger als zehn Personen Zugang zu Mitgliederdaten“, sagt Schatzmeister Björn Krämer. Doch im Verein, sagt er, leisten vier bis fünf Personen einen Großteil der Arbeit, kümmern sich um Gaststätte, Rasenplatz, die Mannschaften, das Geschäftliche. „Nun müssen wir uns zusätzlich noch mit dem Datenschutz befassen. Das ist ein erheblicher Mehraufwand.“ Die Datenschutzverordnung gehe seiner Meinung nach an der Praxis vorbei. „Die Hintergründe sind natürlich verständlich, aber das Ehrenamt wird dadurch nicht gerade vorangetragen.“ Schwierig sei es, plötzlich nicht mehr zu wissen, was man darf und was nicht. „Die Übergänge sind oft fließend“, sagt der Schatzmeister. „Darf ich als Vorstandsmitglied meinem Nachbarn gratulieren, wenn ich das Geburtsdatum seit meiner Kindheit kenne? Oder ist das verboten, weil die Information aus den Daten stammen könnte, die von ihm im Verein hinterlegt sind? Man weiß einfach nicht, was man noch darf.“