Waldbegräbnisstätten sind erfolgreich

Der Ruhewald in Stein-Bockenheim war die erste Waldbegräbnisstätte in Rheinhessen, dann kam Offenheim hinzu. Archivfoto: pa/Selak

Die Sorgen in Stein-Bockenheim waren groß, als klar wurde, dass in Offenheim ein Ruheforst entstehen sollte. Was bedeute das für den heimischen Ruhewald? Mittlerweile sind...

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OFFENHEIM/STEIN-BOCKENHEIM. Es ist vielleicht die Beziehung zum Wald, zum Wandern, zur Natur. Vielleicht ist es auch der Wunsch nach dem, was die Stadt oft zu Lebzeiten nicht mehr bieten kann. Vielleicht sind es auch profane Gründe: kein Geld oder keine Angehörigen, die sich ums Grab kümmern. All diese Gründe nennt Rüdiger Benda, wenn er über den großen Zuspruch für den Ruhewald Rheinhessische Schweiz spricht.

Benda betreut den Ruhewald und er betreut natürlich auch Angehörige und Hinterbliebene. Vor mehr als zweieinhalb Jahren war es jedoch vorbei mit der Ruhe. Als herauskam, dass die Ruheforst GmbH in Offenheim, acht Kilometer Luftlinie von Stein-Bockenheim entfernt, einen eben solchen Ruheforst plant.

Benda störte damals das Verhalten des Landes Rheinland-Pfalz. Das Forstamt Rheinhessen nämlich stellte den Wald auf Offenheimer Gemarkung zur Verfügung. In Stein-Bockenheim hatten sie seinerzeit für den Ruhewald und die betreibende Anstalt des öffentlichen Rechts 80 000 Euro vom Land bekommen. Und jetzt förderte das Land wiederum Konkurrenz. „Man hätte da mal drüber nachdenken können, ob so eine Einrichtung sinnvoll ist“, sagt Benda heute. In Offenheim lägen schließlich Alzey und der Wonnegau vor der Tür – ein großes Einzugsgebiet.

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Er will nicht nachtragend sein, aber an der Kritik hält Rüdiger Benda fest. „Das waren damals logisch aufgetretene Gedanken, die durch die Realität aber nicht belegt wurden.“ Das heißt: Seit der Stein-Bockenheimer Ruhewald 2014 eröffnet wurde, steigen die Zahlen der Reservierungen und Bestattungen jedes Jahr. Mehr als 400 Bestattungen habe es seit Beginn gegeben, berichtet Benda, Verträge für mehr als 850 weitere Grabstellen sind schon abgeschlossen. Den Offenheimer Ruheforst, der im Juli 2018 öffnete, merke man nicht negativ, sagt Benda.

Kontakt gibt es zwischen den Stein-Bockenheimern und den Offenheimern nicht. Aber auch beim Ruheforst ist man zufrieden. Kerstin Rupp betreut die Grabstätten für die VG Alzey-Land. „Er wird sehr gut angenommen“, sagt sie. Wie auch Benda berichtet sie von vielen Führungen. Die Leute machen sich ein Bild. Sie wollen entscheiden, wo sie ihre letzte Ruhe finden. „Es besuchen uns auch viele Leute von weiter weg“, sagt Kerstin Rupp. Aus Mainz oder Bad Kreuznach kämen Menschen, um sich schlauzumachen. Die Fragen sind hier wie dort meist die gleichen: Gibt es einen Andachtsplatz? Und was kostet so ein Begräbnis im Wald eigentlich?

Beide Stätten bieten verschiedene Möglichkeiten. Benda gefallen die vereinzelten Nadelbäume in Stein-Bockenheim. „Das ist ein bisschen wie im Märchenwald“, sagt er. In Offenheim gibt es Eichen, Buchen und Roteichen. Benda bietet mit dem „Archewald“, in dem Mensch und Tier gemeinsam begraben werden können, etwas Besonderes. In beiden Orten ist es möglich, mit mehreren Personen einen ganzen Baum zu erwerben – auf immer vereint. Im Ruhewald Rheinhessische Schweiz kostet ein Urnenplatz zwischen 400 und 1200 Euro, ein Gemeinschaftsbaum zwischen 3000 und 6000 Euro. Für die Bestattung kommen mindestens noch 250 Euro dazu. Der Offenheimer Ruheforst ist etwas teurer: Hier liegen die Preise zwischen 600 und 1600 Euro (einzelner Urnenplatz), beziehungsweise zwischen 3400 und 6200 Euro („Gemeinschaftsbiotop“). Für die Beisetzung fallen mindestens 300 Euro an.

Es gilt also auch beim Sterben die alte Weisheit aus der Geschäftswelt: Konkurrenz belebt das Geschäft. Den Leuten jedenfalls gefällt die letzte Ruhe im Forst – egal wo. Klar, sagt Rüdiger Benda. „Der Wald ist lebendig.“