Rehkitz von Mähdrescher zerteilt

Immer wieder werden Rehkitze von Mähmaschinen erfasst. Dabei gibt es Methoden für Landwirte, mit denen genau das verhindert werden kann.Archivfoto: dpa  Foto:

Noch immer dreht sich Elke Endlich der Magen um, wenn sie an die Szene denkt. Bei einem Spaziergang nahe Fürfeld sieht die erfahrene Jägerin in einiger Entfernung etwas auf...

Anzeige

NIEDER-WIESEN/FÜRFELD. Noch immer dreht sich Elke Endlich der Magen um, wenn sie an die Szene denkt. Bei einem Spaziergang nahe Fürfeld sieht die erfahrene Jägerin in einiger Entfernung etwas auf einem frisch gemähten Feld liegen. Aus der Ferne beurteilt, könnte es ein Hase sein. Aber ein Hase, der nicht sofort wegläuft?

Bilder wie aus einem Horrorfilm

Elke Endlich und ihr Jagdhund nähern sich der Stelle, und was die Nieder-Wieserin dort entdeckt, könnte aus einem Horrorfilm stammen. Vor ihr liegt ein kleines Rehkitz, die Vorderläufe des Jungtieres sind von einer Mähmaschine abgetrennt worden, aus einer offenen Wunde am Bauch treten die Innereien hervor. Krähen haben sich bereits auf dem Körper des Kitzes niedergelassen, tun sich an ihm gütlich. Das Schlimmste: Das Tier lebt noch. Ihre Flinte hat Elke Endlich nicht dabei, lediglich ein Taschenmesser. Mit einem gezielten Schnitt erlöst die Jägerin das leidende Tier von seinen Qualen.

Einige Wochen sind seit dem schrecklichen Fund im Feld vergangen, dennoch geht ein Schauder durch Endlich, als sie die Geschichte am Tisch in ihrem Gartenverschlag am Nieder-Wieser Ortsrand erzählt. „Selbst mein Hund war verängstigt von der Szene.“ Mit mehreren Fotos hat die Waidfrau den Vorfall dokumentiert, und sie will Anzeige gegen den Landwirt erstatten, der für die Gräueltat verantwortlich ist.

Anzeige

Vorfälle wie dieser passieren jedes Jahr, das weiß Endlich nur allzu gut. Viele Landwirte seien schlicht rücksichtslos und scherten sich nicht um die richtige Vorgehensweise vor dem Mähen.

Dabei sind sie grundsätzlich aufgefordert, den zuständigen Jagdpächter vor dem geplanten Mähtermin zu informieren. Dann können Jäger frühzeitig eingreifen und die Rehkitze aus dem gefährlichen Gebiet heraustragen. „Das mache ich mehrfach im Jahr“, erklärt Endlich. Um zu verhindern, dass sich der menschliche Geruch auf das Jungtier überträgt, tragen die Jäger Handschuhe und betten das Kitz beim Transport auf Gras.

Doch auch beim Mähen selbst könne man als Landwirt etwas tun, um Rehkitzen die Chance zur Flucht zu geben, sagt Endlich. „Viele Bauern mähen von außen nach innen.“ Genau das sei aber falsch, da den Tieren dann kein Fluchtweg mehr bleibe und sie sich angesichts der Gefahr lediglich tiefer ins Gras kauerten. Fange der Landwirt aber von innen an und mähe nach außen, könne das Reh jederzeit durch das noch stehende hohe Gras davonlaufen.

Verstoß gegen das Tierschutzgesetz

Für die Landwirte sind diese Maßnahmen während der Mähzeit keineswegs nur eine Frage des Anstandes. Wer das Verletzen oder Töten von Jungwild bewusst in Kauf nimmt, verstößt gegen das Tierschutzgesetz. Immer wieder sind in Deutschland in den vergangenen Jahren Geld- oder sogar Freiheitsstrafen gegen rücksichtslose oder uneinsichtige Mähmaschinenfahrer ausgesprochen worden.

Anzeige

Ob auch der Landwirt, dem das Feld bei Fürfeld gehört, mit unangenehmen Folgen rechnen muss, ist noch unklar. Elke Endlich jedenfalls würde das begrüßen. Es wäre ein Stück Gerechtigkeit und ein kleiner Ausgleich für die schrecklichen Bilder in ihrem Kopf. Bilder, bei denen sich ihr auch heute noch der Magen umdreht.