Landrat Görisch wird 70 Jahre alt

Ernst Walter Görisch eröffnet 1999 als VG-Bürgermeister das VG-Weinfest in Flomborn,  begleitet von Weinmajestäten. Archivfoto: Axel Schmitz

Seine Kindheit hat er in Offstein verbracht. Von dort führte der Weg in Politik und Verwaltung. Der Behörde, in der er einst als Azubi anfing, steht er heute als Chef vor.

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GAU-ODERNHEIM. Er freut sich darauf, nicht mehr nach dem Terminkalender leben zu müssen und mehr Zeit zu haben, zum Reisen und für die Dinge, für die sein Job als Chef der Kreisverwaltung keinen Raum ließ. Doch das muss noch bis Ende des Jahres aufgeschoben werden, wenn Ernst Walter Görisch in den Ruhestand geht. Erst einmal wird gefeiert. Denn am heutigen Samstag wird der Landrat des Kreises Alzey-Worms 70 Jahre alt. Ein Ereignis, um das Ernst Walter Görisch seinem Naturell entsprechend nicht viel Aufhebens machen will. „Wir feiern das im privaten Kreis“, sagt Görisch.

Ernst Walter Görisch eröffnet 1999 als VG-Bürgermeister das VG-Weinfest in Flomborn,  begleitet von Weinmajestäten. Archivfoto: Axel Schmitz
Görisch als Fußballer im Team der Kreisverwaltung. Fotos: KVW/Hartmann
Bei der Stimmabgabe zur Landratswahl 2002 mit Ehefrau Heidi (r.). Fotos: KVW/Hartmann
2007 verteilt Landrat Ernst Walter Görisch beim Zeltlager in Nieder-Wiesen Eis an Mädchen und Jungen aus dem polnischen Partnerkreis Koscian. Archivfoto: Axel Schmitz
Ministerpräsident Kurt Beck (r.) überreicht 2005 Ernst Walter Görisch die Urkunde zu dessen 40-jährigem Dienstjubiläum. Archivfoto: hbz/Bahr

Am 8. Juni 1949 erblickt Ernst Walter Görisch in Offstein bei einer Hausgeburt das Licht der Welt. Der Vater ist selbständiger Schreiner, die Mutter ist Hausfrau und hilft zudem im Büro des Betriebs mit. Zusammen mit seinen beiden Brüdern – er selbst ist der Zweitgeborene – wächst er im beschaulichen Dorf an der Nahtstelle zur Pfalz auf. Dort geht er in den evangelischen Kindergarten, in dem Diakonissen mit Tracht und Haube auf dem Kopf ein strenges Regiment führen. „Beim Mittagsschlaf ruhten 40 Kinder in einem Saal“, erinnert sich Ernst Walter Görisch an diese Zeit. Auch die Volksschule besucht er in Offstein.

„Es waren bescheidene Verhältnisse damals. Einen förmlichen Spielplatz hatten wir nicht“, erzählt Görisch. Den brauchte man auch nicht, boten der Eisbach und die Gemarkung doch für den jungen Offsteiner und die anderen Kinder des Ortes ein vortreffliches Spielterrain. Wenige Jahre nach Kriegsende verlebt Görisch eine behütete und unbeschwerte Kindheit. „Man war mit Gleichaltrigen halt viel draußen“, sagt Görisch.

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Dann der Schulwechsel nach Worms. An der Handelsschule macht er die Mittlere Reife, um danach die Verwaltungslaufbahn einzuschlagen. Am 1. April 1965 tritt er als Auszubildender in die Dienste der damaligen Kreisverwaltung Worms ein. Im weiteren Verlauf arbeitet er an seinem beruflichen Fortkommen. Die Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie in Mainz verlässt er mit dem Verwaltungsdiplom. 1971 wird er zum Kreisinspektor im Landratsamt Alzey-Worms ernannt. 1982 übernimmt er die Leitung der Sozialabteilung der Kreisverwaltung Alzey-Worms.

Der Verwaltungsmensch Görisch ist von Hause aus auch ein politischer Mensch, der interessiert das Geschehen in der Region, aber auch in Bund und Land verfolgt. Und so ist der Weg in die aktive Politik vorgezeichnet. 1974 tritt er in die SPD ein. Sein Idol ist damals jedoch nicht Willy Brandt, sondern Helmut Schmidt. „Der war klarer in seinen Aussagen“, nennt Ernst Walter Görisch einen Grund dafür. Die Görischs sind im Familienverbund politisch aktiv: Auch die beiden Brüder engagieren sich als Ortsbürgermeister und Ratsmitglied in der Kommunalpolitik.

Es ist die Veränderung, die man vor Ort bewirken kann, die direkte Einflussnahme auf das Geschehen, die Ernst Walter Görisch daran reizt. „Die große Politik war nicht so meins“, bekennt der Sozialdemokrat. Entscheidungen vor Ort für die Menschen in ihrem Lebensumfeld treffen, das war und ist „seins“. Zwanzig Jahre lenkt er als Bürgermeister die Geschicke der Verbandsgemeinde Alzey-Land, bevor er 2004 zum Landrat des Landkreises Alzey-Worms gewählt wird. Jener Behörde also, bei deren Vorläufer er einst als Azubi begonnen hat. 2012 setzt er sich bei seiner Wiederwahl eindrucksvoll im ersten Wahlgang gegen drei Mitbewerber durch.

Sein Organisations- und Führungstalent zeigt Görisch auch als Vorsitzender des Gemeinde- und Städtebundes Rheinland-Pfalz sowie Vizepräsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes. Auch bei der Planungsgemeinschaft Rheinhessen-Nahe und dem Landkreistag Rheinland-Pfalz bekleidet Ernst Walter Görisch Führungspositionen. „Ich kann gut zuhören und kann Sachverhalte gut erklären“, antwortet der 70-Jährige auf die Frage nach seinen wesentlichen Charakterzügen im Amt. „Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, gelassener zu sein.“

Auch wenn sein Beruf, sein politisches Wirken und die berufsständischen Aktivitäten ihm nur wenig Freizeit lassen, gibt es ihn, den privaten Ernst Walter Görisch. Und der ist ein Familienmensch. 1973 läuten die Hochzeitsglocken. Der Offsteiner heiratet seine aus Nieder-Wiesen stammende Frau Heidi. Nach Stationen in Alzey und Nieder-Wiesen siedeln sich die Görischs 1982 mit ihren beiden Kindern in Gau-Odernheim an. Tochter Sinah ist Juristin, Sohn Alexander Diplom-Kaufmann und Banker.

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Gemeinsam mit seiner Frau widmet sich Ernst Walter Görisch gerne der Gartenarbeit. Darüber hinaus ist man auch in Rheinhessen unterwegs, besucht gemeinsam Restaurants und Weingüter. Denn Ernst Walter Görisch ist nicht nur Mitglied der Weinbruderschaft Rheinhessen, sondern auch bekennender Riesling-Fan.

Beim Rückblick auf seine bislang sieben Lebensjahrzehnte zeigt sich der Jubilar dankbar, dass er gesund mit seiner Familie durch diese Zeit gehen konnte. Und genau das wünscht er sich auch für die Zukunft: Gesundheit und Zeit mit seiner Familie. Ohne Terminkalender und Zeitdruck.

Von Thomas Ehlke