Saulheimer Künstler Eberhard Linke feiert 85. Geburtstag

Gefeiert wurde Eberhard Linke anlässlich seines 85. Geburtstages vom Vorstand seiner Stiftung und vom Bläserkreis, den er vor über 40 Jahren in Saulheim gegründet hat. Archivfoto: Karl-Heinz Jungk

Der preisgekrönte Bildhauer und Medailleur hat mit seinem Atelier in Flonheim und seiner gegründeten Stiftung ein umfangreiches Werk geschaffen. Was der Jubilar sich wünscht.

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FLONHEIM. Wenn man durch Atelier, Ausstellungsräume und Garten der Eberhard-und-Barbara-Linke-Stiftung in Flonheim geht, wird man fast zwangsläufig an die biblische Schöpfungsgeschichte erinnert. Denn alle Geschöpfe, die dort musizieren, trinken, tanzen, sich lieben, ausharren, kämpfen und leiden, sind aus dem gleichen Stoff gemacht wie der erste Mensch. Aus Ton. Ja, die ganze Geschichte der Menschheit ist hier exemplarisch verewigt. Der am Boden liegende Ikarus, ein Gefolterter, ein Aussteiger, einer, der in seiner Freiheit behindert wird, ein Überflieger, die zwei Gesichter Karls des Großen, eine wunderschöne Erwachende…

Carmen Stahlschmidt, Vorstandsmitglied der Stiftung und selbst eine vielseitige Künstlerin, sagt: „Der Mensch ist Eberhard Linkes Thema.“ Es ist aber nicht der Mensch in makelloser Schönheit, wie er in Antike und Renaissance oft dargestellt wurde, sondern der Mensch in seiner Unvollkommenheit, in seiner Zwiespältigkeit und Zerrissenheit. Um das zutiefst Menschliche darzustellen, hat der Künstler die schwierige Kunst des Terrakotta-Hohlaufbaus zu einer geradezu einzigartigen Perfektion entwickelt, die ihm eine große Vielfalt von Ausdrucksmöglichkeiten bietet. Dass er auch Reliefs und Medaillen macht und wunderbar zeichnet, kann man unter anderem in dem dreibändigen Katalog „Eberhard Linke. Der Bildhauer“ sehen, der freilich mit dem Jahr 2007 endet.

Der Künstler wurde am 13. Februar 1937 im schlesischen Lauban geboren; nach dem Krieg verschlug es seine Familie nach Salzgitter. Die Entscheidung, Bildhauer zu werden, fasste Linke erst mit 22 Jahren in der Grundlehre der Kunstakademie Stuttgart. Er schreibt in seinem ersten Band seines Katalogs: „Bis dahin hatte ich nie einen Klumpen Ton oder ein anderes bildnerisches Material in Händen gehabt.“ Hier schildert er zudem eindrucksvoll seine künstlerische Entwicklung als Schüler von Gerhard Gollwitzer, Christoph Schellenberger und Otto Baum in Stuttgart. Ab 1963/1964 widmete er sich der freien Bildhauerei und erhielt 1965 einen Lehrauftrag für kubisches Zeichnen an der Technischen Universität Braunschweig. 1972 wurde er an die Fachhochschule Rheinland-Pfalz in Mainz berufen und wirkte dort als Professor bis 2002. Im rheinhessischen Saulheim fand er mit seiner Frau, der Keramikerin Barbara Hesselbach – sie ist 2019 verstorben –, und Sohn Sebastian ein Zuhause. 1982 erwarb er dann in Flonheim eine Hofreite mit Nebengebäuden und Garten, die er als Atelier nutzt und 2010 in die erwähnte Stiftung umwandelte. Hier werden regelmäßig Kurse angeboten, Führungen finden statt und Künstler sind zu Gast.

Die Anzahl der Terrakotta- und Bronzeplastiken, die der Bildhauer bis heute geschaffen hat, ist riesig. Sie wurden in vielen Städten Deutschlands, in Rom, wo sich der Künstler 1980/1981 in der Villa Massimo aufhielt und arbeitete, und Verona, Österreich, Frankreich, Luxemburg und Polen gezeigt. Seine unverwechselbaren Skulpturen stehen in Kirchen, öffentlichen Gebäuden und auf vielen Plätzen. Er hat eine Vielzahl bedeutender Preise erhalten, ist Mitglied in der Darmstädter Sezession, der Pfälzischen Sezession und im Künstlersonderbund in Deutschland Realismus der Gegenwart.

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Am 13. Juni 2013 stürzte Eberhard Linke so unglücklich, dass er seither im Rollstuhl sitzen muss. „Aber er hat den Mut nicht verloren“, erzählt Carmen Stahlschmidt. „Wir haben ihm damals einen Klumpen Ton in die Reha-Klinik mitgebracht, und er hat sofort wieder angefangen zu modellieren.“ Sobald es ihm möglich gewesen sei, sei er mit seinem auf seine Bedürfnisse umgebauten Auto nach Flonheim ins Atelier gefahren und habe gearbeitet. Auch Terrakotta-Bozzetti habe er im Rollstuhl geschaffen.

Seit drei Monaten muss der Künstler aufgrund einer langwierigen Krankheit im Bett liegen. Doch immer noch nehme er regen Anteil am Leben und habe den Kopf voller Ideen, erzählt Stahlschmidt, die ihn in der Leitung des Ateliers vertritt.

Am 13. Februar wurde Eberhard Linke 85 Jahre alt. Gefeiert wurde er vom Vorstand seiner Stiftung und vom Bläserkreis, den er 1978/1979 in Saulheim gegründet hat. Er ist ein großer Freund klassischer Musik und hat bis vor seinem Unfall selbst Horn geblasen. „Ich brenne darauf, dass ich wieder gesund werde“, sagt der Jubilar, der über ein phänomenales Gedächtnis verfügt. Unter anderem möchte er dann endlich seine Lebenserinnerungen veröffentlichen. Weitere Informationen unter www.stiftung-linke.de.