Neuer Altarbereich in evangelischer Kirche Erbes-Büdesheim

Der neugestaltete Altarraum in der evangelischen Kirche von Erbes-Büdesheim. Pfarrer Tobias Kraft ging in seinem Vortrag auf den langen Weg der lutherischen, reformierten, protestantischen und unierten protestantischen Gemeinden in der Provinz Rheinhessen ein. © Axel Schmitz/pakalski-press

Kraftvolle und natürliche Materialien geben dem von Künstler Bruno Sievering-Tornow gestalteten Raum eine besondere Atmosphäre. Was die ersten Besucher beeindruckte.

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ERBES-BÜDESHEIM. Zu einer Veranstaltung ganz besonderer Art hatte die evangelische Kirchengemeinde am ersten Advent in die Kirche eingeladen. Es sei kein Gottesdienst, wie Pfarrer Eric Bohn betonte, sondern ein ebenso spannender wie abwechslungsreicher Nachmittag zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Gemeinde und ihres Kirchengebäudes.

Eingestimmt mit feierlicher Musik auf dem Instrument des Mainzer Orgelmeisters Dreymann, deren rheinhessische Komponisten Kantor Rainer Groß jeweils vorstellte, konnte Bohn eine große Zahl Besucher begrüßen. Viele von ihnen erlebten erstmals die besondere Atmosphäre des neu gestalteten Altarraumes und nahmen anschließend die Möglichkeit wahr, die Gruft der Freifrau Susanna Katharina Freifrau von La Roche unter dem Altar zu besichtigen.

Von deren Überlegungen, ein Erbbegräbnis in der in den Jahren 1734/35 neu zu erbauenden reformierten Kirche zu kaufen, handelte eine Szene von historisch kostümierten Kindern der Geschichtswerkstatt. Wie schon oft hatte deren Initiator, der Historiker Karl-Heinrich Sailler, den ebenso unterhaltsamen wie informativen Text dazu geschrieben. Anlässlich des 200-jährigen Jubiläums der Rheinhessischen Union erfragte Pfarrer Tobias Kraft die Religionszugehörigkeit einiger anwesender Kirchenleute.

In seinem kenntnisreichen Vortrag ging er auf den langen Weg der lutherischen, reformierten, protestantischen und unierten protestantischen Gemeinden in der Provinz Rheinhessen ein, bis im Jahr 1822 eine Urkunde zu „einer vereinten evangelisch christlichen Kirche“ unterschrieben wurde. Einer Kopie des Schriftstückes konnte man die Auswirkungen dieser Einigung entnehmen. In einem dritten Abschnitt ging der Künstler Bruno Sievering-Tornow aus Rodenbach bei Hanau auf das „Was, Wie und Warum“ des neu gestalteten Altarraumes ein, der diesen Monat für Gesamtkosten von knapp 27.000 Euro mit einem 35-prozentigen Zuschuss der EKHN fertiggestellt wurde. Er hob seinen ersten Eindruck von der „schönen, lebendigen und gepflegten Kirche“ hervor, für die er gern den Auftrag für die Entwürfe zu einem neuen Altar, Altarkreuz, Altarleuchtern, Osterkerzenleuchtern, Ambo (Pult für gottesdienstliche Lesungen) und neue Antependien (Vorhänge für Kanzel und Altar) übernommen habe.

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Nacheinander habe er sich dann über den Kirchenbau und dann mit dem Raum, sprich Größe, Gestaltung, Proportionen, Einrichtung, Licht und der besonderen Sakralität dieser Kirche beschäftigt. Nachdem man sich darauf geeinigt hatte, dass Kanzel und Taufstein unverändert bleiben und der frühere Altar mitsamt Podest entfernt werden sollten, entschied sich der gelernte Silber- und Goldschmied und freischaffende Künstler mit Schwerpunkt sakrale Gestaltung für bodenständige, kraftvolle und natürliche Materialien, also massives Eichenholz und massiven Stahl. Um dessen Wirkung im Raum zu erproben, fertigte er ein 1:1-Modell aus Styropor.

Verglichen mit seinem Vorgänger wirkt der Altar zwar kraftvoll, aber weniger wuchtig. Ringsum gibt es viel stufenfreien Platz zum Begehen, auch für mögliche Änderungen der Liturgie in Zukunft. Von der Position her ist die rechteckige Altarplatte an der Mitte der Kirche und der Kanzel orientiert. Die asymmetrische Form des Sockels erinnert mit der Form eines Kreuzgewölbes an den unter ihr gelegenen Eingang zur Gruft von La Roche als Erbauerin der Kirche.

Nach dem Vortrag hatte man die Möglichkeit, auch das besonders geformte, etwas niedrigere Altarkreuz sowie Altar- und Osterkerzenleuchter aus der Nähe zu betrachten und sich bei einem Glas Erbes-Büdesheimer Weins über Farb- und Formgebung der Entwürfe des Künstlers zu den Antependien auszutauschen, über die bisher noch nicht abschließend entschieden wurde.