Spontan, kreativ, skurril: Improtheater „Subito!“ zeigt...

Der Wahnsinn hat einen Namen: „Subito!“ (geschrieben mit Ausrufezeichen und das italienische Wort für „Sofort!“). Und wer das dritte Gastspiel des ersten Wiesbadener...

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BERMERSHEIM VOR DER HÖHE. Der Wahnsinn hat einen Namen: „Subito!“ (geschrieben mit Ausrufezeichen und das italienische Wort für „Sofort!“). Und wer das dritte Gastspiel des ersten Wiesbadener Improvisationstheaters Subito! im Rahmen der Theatertage Alzeyer Land in der Gemeindehalle miterlebte, weiß warum. Hier geht es Schlag auf Schlag. Wie Jongleure werfen sich die Akteure die Bälle zu, spielen mit Worten, kreativ und spritzig, spontan und skurril. Wie aus dem Nichts entstehen auf der Bühne aberwitzige Szenen, und, das ist das Besondere des Improvisationstheaters: ohne geschriebene Stücke, ohne Proben, aus dem Stegreif, auf Zuruf aus dem Publikum.

Publikum wird in das Stück einbezogen

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Mit den Fingern schnippend betreten die Akteure die Bühne und fordern das Publikum auf, weiter nach vorne zu kommen. Jörg Bausch (aus Alzey-Schafhausen) springt sofort auf und ist für Bernhard Mohr, Gründungsmitglied von Subito! anno 1997 und des Pegasustheaters anno 1992, der erste Publikumskandidat.

Die Akteure sind Andreas Rathgeber, der die Stimmung illustrierende und dramatische Akkorde angebende Mann am Keyboard, Bernhard Mohr (äußerst wandlungsfähig und beeindruckend in seiner Mutation zum Gruselmonster) und die beiden singbegabten weiblichen Mitspieler Henriette Konschill (Wienerin mit einer Affinität zu Italien) und Helga Liebwald (auch in Hosenrollen absolut skurril).

Nach einer Einführung, wie Impro-Theater funktioniert (das Publikum macht Vorgaben, dann wird mit „5-4-3-2-1- looos!“ eingezählt), einem Probedurchlauf („Wir wünschen uns eine inspirierende Farbe!), Versuchsabfragen („Welches Werkzeug haben Sie heute schon verwendet?“) und Kettenabfragen („Welche Assoziationen haben Sie zu Wut?“), geht es dann schon fast los. Fast! Denn da ist noch so ein „Wurstgefühl“ im Raum. Darum aufstehen, die Hände auf die Schultern des Nachbarn und massieren. Rollentausch, Gegacker. Die lockere Atmosphäre ist geschaffen für ein irrsinnig witziges Bühnenspektakel, von dem keiner weiß, wo es hinführt.

Das erste Potpourri zu Urlaubs-Stichworten endet in dramatischen „Arien Robben“ und „kalter Trennung mit Fallschirm“. Zur „Thiertherapie“ (Paartherapie nach Dr. Thier) mit Erdmännchen- und Maulwurf-Typ werden alltagstaugliche Ich-Botschaften mitgeliefert. Ein ergiebiges Thema sind die Orte Bermersheim vor der Höhe und Albig. „Was habt Ihr, was die anderen nicht haben?“, fragt Mohr. „Den Karlich!“, rufen die Bermersheimer und erklären, was das ist. „Ein Geschäft, eine Pizzeria und einen Bahnübergang“, überbieten die Albiger. „Das klingt nach einem Lied“, darf in die sich überschlagenden Szenen reingerufen werden. Durch „Freeze“ (Einfrieren) und „Tap“ (Abklatschen) werden abrupte Szenenwechsel herbeigeführt. Was natürlich nicht fehlen darf: die Heilige Hildegard von Bingen. Ihr wird auf Wunsch eines Zuschauers die Fertigkeit des Yoga hinzugedichtet.

„Es macht Spaß und man wird nicht müde“, äußert Anette Neumer aus Dienheim. „Aber anstrengend für die Schauspieler“, meint ihre Schwester Claudia Neumer aus Alzey.