Schabenplage in Bechtolsheim: Das Ende eines krabbelnden...

Häuser in der Petersbergstraße in Bechtolsheim. Archivfoto: pa/Axel Schmitz

Die Küchenschabenplage in Bechtolsheim ist offiziell vorbei. Doch wer zahlt? Und gibt es künftig immer öfter Schädlingsbefall? Ein Rück- und Ausblick.

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BECHTOLSHEIM. Für viele Bürger endet ein Monate währender Albtraum. Die Küchenschabenplage, von der seit den Sommermonaten über 30 Gebäude in Bechtolsheim betroffen waren, ist vorbei. Nun auch ganz offiziell. Zur Monatsmitte hat die Ortsgemeinde die Koordinierung der Schädlingsbekämpfung eingestellt, am Donnerstag ist die Fachfirma zum letzten Mal vor Ort gewesen. Die Verbandsgemeinde Alzey-Land teilt schriftlich mit: „Die Belastung durch das Objekt, von dem die Belastung ausging, wurde ausreichend bekämpft.“

Die Plage mag beseitigt sein, doch komplett Schaben-frei ist Bechtolsheim noch nicht. Wie Ortsbürgermeister Harald Kemptner mitteilt, sind zuletzt noch in vier bis fünf Häusern Tiere gefunden worden. Möglicherweise sind auch noch zwei weitere Gebäude betroffen, doch hier kann die Gemeinde nur spekulieren. Zwei Bewohner hätten sich dauerhaft unkooperativ gezeigt und trotz eines Verdachts auf Schabenbefall niemanden bei sich hineingelassen. „Da haben wir rechtlich keine Handhabe“, sagt Kemptner.

„Hätten wir nix gemacht, wäre die Sache ganz anders ausgegangen“

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Weiterhin offen ist die Frage, wer die Kosten für die Schädlingsbekämpfung übernimmt. Letzte Rechnungen der Fachfirma stehen zwar noch aus, doch der Gesamtbetrag, den die Ortsgemeinde für die Maßnahmen in den Privathäusern zunächst übernimmt, beläuft sich bereits jetzt auf eine Summe von mindestens 36.000 Euro. „Wir wollen uns jetzt rechtlich beraten lassen, ob und von wem wir das Geld zurückbekommen können“, erklärt Ortsbürgermeister Kemptner auf AZ-Nachfrage. Das habe zwar keine Eile, geklärt werden müsse es aber trotzdem.

Richtig findet der Ortschef weiterhin, dass seine Gemeinde seinerzeit die Koordinierung der Bekämpfung übernommen hat, auch wenn es grundsätzlich nicht ihre Aufgabe war: „Hätten wir nix gemacht, wäre die Sache ganz anders ausgegangen.“ Dennoch ist Kemptner nicht glücklich, vor allem über den Gesetzgeber. „Dass man solche Dinge einfach nicht regelt, ist erstaunlich.“

Klima macht es Schädlingen einfacher

Bei der Kreisverwaltung Alzey-Worms, die unter anderem mit dem Gesundheitsamt in die Angelegenheit involviert war, spricht man rückblickend von einer „außergewöhnlichen Situation“. Eine abschließende Bewertung des Ablaufs soll – unter Beteiligung aller Akteure – in der nächsten Zeit erfolgen. „Die Information der Bevölkerung über originäre Zuständigkeiten oder realistische Gefahren für die Gesundheit bei Schädlingsbefall ist für die Zukunft wesentlich“, teilt Pressesprecherin Luise Hussung mit, „genauso wie die Berichtigung eventuell vorhandener Bedenken, sich bei einem Schädlingsbefall schnellstmöglich Hilfe zu holen.“ Daher könne zukünftig nur bei entsprechend informiertem Handeln aller Beteiligter schneller agiert und der Schaden besser begrenzt werden.

In der Kreisverwaltung geht man nämlich davon aus, dass es in Zukunft aufgrund der veränderten klimatischen Bedingungen in der Region durchaus wieder zu einem solchen Befall kommen kann. „Insbesondere dann, wenn aus Scham oder Angst vor Diskriminierung oder finanziellen Belastungen von den Betroffenen nicht früher interveniert wird“, sagt Hussung.

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