Beppe Gambetta in Bechtholsheim

Beppe Gambetta präsentiert im Kulturgut sein neuestes Projekt „Short Stories“ und noch einiges mehr. Foto: BK/Axel Schmitz

Der Geschichtenerzähler mit der Gitarre präsentiert im Kulturgut sein neuestes Projekt „Short Stories“ und noch einiges mehr.

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BECHTOLSHEIM. „Mein Deutsch ist nicht ganz perfekt“, entschuldigt er sich gleich zu Beginn. Wer Beppe Gambetta vor drei Jahren hörte, beim ersten Auftritt im Kulturgut, stellt fest: Es ist aber wesentlich besser geworden. So macht es noch mehr Vergnügen ihm zu lauschen, denn zwischen Songs und Instrumentals zeigt er sich als großartiger Storyteller. Perfekt ist nach wie vor sein musikalisches Können auf der Gitarre. Das virtuose Spiel mit dem Plektrum – dem Flat – ist sein Markenzeichen, das Haar ist etwas länger geworden, die roten Schuhe sind geblieben und seine überaus sympathische Art.

Sein neuestes Projekt heißt „Short Stories“. Alle zehn Geschichten, und noch einige mehr, stellt er an diesem Abend vor. Der erste Titel, ein Song von Norman Blake, handelt vom Pokerspieler Randall Collings und spielt in Amerika. Damit gibt Gambetta ein Beispiel für seinen Kontinente überspannenden Stil. Es blieb ihm, wie er im Laufe des Abends launig erklärt, gar nichts anderes übrig, als „auf die andere Seite des Ozeans“ zu reisen. „Doc Watson war mein Vorbild, seinetwegen wurde ich Flatpicker“, erklärt er, und „dass man es in Italien als Flatpicker nicht leicht hatte“. Vor Dock Watson jedoch gab es die Delmore Brothers und aus deren Repertoire hat er ein Medley zusammengestellt, unter anderem mit einem Blues „über einen Mann, das mag seine Füße nicht waschen.“ Seine Vielseitigkeit stellt Gambetta immer wieder unter Beweis: Ein „Doc Watson-Medley“ ist ebenso im Programm wie der Folksong „Handsome Molly“. „Folk-Musik ist eine Brücke, die uns mit der Vergangenheit verbindet.“ Natürlich singt er italienisch, „Il Pescatore“, ein Song über Vergebung, aus dem Repertoire von Fabrizio De André, dem italienischen Singer-Songwriter, den Gambetta öfter zitiert. Außerdem spielt er, „in typisch italienischer Tradition“, die „Transkription einer Arie aus der Oper ,Die Macht des Schicksals‘, von Guiseppe Verdi.“ Wo im Opernhaus Orchester und Sänger agieren, schafft es Gambetta, Verdis Musik von 1862 ein Flair von neuer Leichtigkeit zu verleihen. „Es ist meine Art, die Tradition in die heutige Zeit zu tragen“, bemerkt er im Leavelet zur aktuellen CD. Seine Frau Fédérica, selbst Musikerin, ist nicht nur seine Managerin, die ihn auf seinen Touren stets begleitet, sondern ist auch an der Auswahl seiner Stücke maßgeblich beteiligt.

„Jetzt kommt der erotische Teil der Show“, kündigt er an: „Das Stück ist in genovesischem Dialekt verfasst, niemand versteht das“, aber zumindest eine Zeile übersetzt er großzügig ins Deutsche: „Ich werde meinen letzten Atemzug sparen, um der tödlichen Umschlingung deiner Beine zu entfliehen.“ Hausherr Roland Kalus macht dazu rotes Licht.

Nachdem er schon in drei Sprachen gesungen hat, folgt ein Song auf Deutsch. „Der Wind trägt uns davon“, ein Stück der französischen Gruppe „Noir Désir“: „Le vent nous portera“. Gelegentlich setzt Gambetta seinen Looper ein, von ihm „Gino“ getauft, und übertrifft, im Zusammenspiel mit sich selbst, im Tempo jedes noch so schnelle Streifenhörnchen. Bei „Tecumseh“, einer Fiddletune von Peter Ostroushko, überträgt er die Komposition in faszinierende Gitarrenklänge.

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Die Zugabe bestreitet Gambetta gemeinsam mit seinen Gastgebern Roland Kalus und Elke Diepenbeck: „Bella Ciao“ und „das haben wir nicht verabredet“, noch einmal Fabrizo: „Creuza de má“, ein kleiner Pfad zum Meer.

Von Ulla Grall