7500 Geschenke für Kinder im Ahrtal gepackt

Anpacken und einpacken: Fast 7500 Geschenkpakete werden per Weihnachtstruck den Weg ins Ahrtal finden. Sophia May (v.l.) und Janine Malkmus erhalten tatkräftige Unterstützung von Paul, Lina und Marie.              Foto: pakalski-press/Boris Korpak

Janine Malkmus kann kaum fassen, was sie da losgetreten hat: Fast 7500 Pakete werden per Weihnachtstruck den Weg von Bechenheim zu Flutopfern finden. Und das ist erst der Anfang.

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BECHENHEIM. Wenn es dunkel wird, werden die Weihnachtselfen von Bechenheim erst so richtig aktiv. Hinter den beleuchteten Fenstern des Bürgerhauses liegt ihre Weihnachtswerkstatt – die wohl derzeit größte in Rheinhessen. Bis zu 15 Helfer verpacken hier an drei Tagen in der Woche Geschenke. 400 bis 600 pro Abend. Das ist fast schon Akkord-Arbeit: Das Geschenkpapier wird genau abgemessen, die Schuhkartons und Schleifen, Scheren und Tesafilm liegen parat. In den Karton kommt mal ein Stofftier, ein Spiel oder ein Buch. Und immer mit im Paket: eine persönliche Weihnachtskarte, gestaltet von Grundschulkindern aus Rheinhessen und der Pfalz.

Was Janine Malkmus innerhalb weniger Monate auf die Beine gestellt hat, übersteigt manchmal ihre eigene Vorstellungskraft. Sie wirkt erschöpft. Seit Juli hat sie sich keine Pause gegönnt bei ihren Spendensammlungen für die Flutopfer an der Ahr. Jetzt organisiert sie eine Weihnachtsgeschenkaktion für Kinder aus dem Hochwassergebiet. Knapp 7500 Geschenkkartons schickt sie an den vier Adventssamstagen mit 40-Tonnern ins Ahrtal.

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Diesen Samstag war sie erstmals, verkleidet als Weihnachtsengel, mit neun Helfern und sechs Feuerwehrleuten aus Oberwiesen in Dümpelfeld und Kreuzberg, um die ersten 613 Pakete zu verteilen: „Es war der Wahnsinn!“, erzählt Malkmus begeistert. An der ersten Station waren es nur knapp 70 Kinder, aber als sie im Dunkeln vor der Kreuburg die Plane des hell beleuchteten Trucks zurückzog, schaute sie auf über 400 Kinder mit erwartungsvoll leuchtenden Augen.

„Wenn man so etwas macht, dann muss man entweder an einem bestimmten Punkt aufhören oder es in den neuen Dimensionen weitertragen“, sagt Malkmus. Den „bestimmten Punkt“ hat sie wohl verpasst: Im Sommer plante sie bereits das Aktionsbündnis für Kinder. Ursprünglich sollte dadurch den Kindern der Flutopfer geholfen werden. Doch Malkmus denkt weiter. Das Aktionsbündnis ist ein eingetragener Verein, jeden Tag erwartet sie die Bestätigung der Gemeinnützigkeit von den Behörden.

Das Aktionsbündnis soll immer dann zur Stelle sein, wenn Kinder in Not sind. Sei es durch eine Naturkatastrophe wie das Hochwasser, für Familien, deren Haus abgebrannt ist, aber auch für Kitas, Schulen und Vereine, die Geld für bestimmte Projekte brauchen. „Wir wollen direkt und unbürokratisch finanziell oder durch Sachspenden helfen“, sagt die 42-Jährige. An ihrer Seite ist die angehende Erzieherin Sophia May (34) aus Oberwiesen. Kennengelernt haben sich die beiden Frauen durch Malkmus’ Spendenaktion. Schon bald merkten sie aber, dass ihnen die Situation der Kinder am meisten am Herzen liegt. „Kinder haben die wenigsten Stimmen“, sagt May.

30.000 Euro Spenden

Mittlerweile hat der Verein knapp 30.000 Euro gesammelt. Darunter eine Mitarbeiter-Spende von 13.000 Euro des Autoteile-Herstellers Musashi in Bad Sobernheim. Dadurch konnten sie zwölf Kindern aus dem Ahrtal das Schulessen für ein Jahr sichern. Doch um was „Großes“ zu reißen, brauche es schon größere Summen, sagt Malkmus. Bis es aber so weit ist, beschlossen sie, aus der spontanen Idee, den Kindern Weihnachtsgeschenke zu bringen, die Aktion „Weihnachten im SchuhkAHRton“ ins Leben zu rufen. Und wieder tat Malkmus das, was sie am besten kann: anklopfen, anfragen, organisieren. Durch die Spendensammlungen ist sie gut vernetzt mit den Helfergruppen im Ahrtal; sie nahm zusätzlich Kontakt auf zu Schulen und Behörden.

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Ein Facebook-Aufruf brachte dann alles ins Rollen. Über 50.000-mal wurde er geteilt – und die Spielzeug-Spenden prasselten aus ganz Deutschland auf Malkmus und May ein. Grund- und Berufsschulen und auch Zoar-Einrichtungen halfen ihnen beim Malen und Basteln von persönlichen Weihnachtskarten. „Das ist nichts Essenzielles, was wir hier tun. Klar, es ist für die Kinder etwas fürs Herz und die Seele. Aber in erster Linie brauchen wir Geld“, betont Malkmus.

Dennoch: Als sie am Samstag im Ahrtal als Engel verkleidet in die fassungslos staunenden Gesichter der Kinder und Eltern blickte, wurde Malkmus nur darin bestärkt, dass alles, was sie und das ehrenamtliche Team von über 50 Menschen in den vergangenen Wochen vorbereitet hatten, einen Sinn hatte. Sogar das Staatstheater Mainz half mit weihnachtlichen Kostümen aus, die DEG sponserte, wie schon für die Spendenaktionen, die Trucks. „Wenn wir nach Weihnachten zur Ruhe kommen und alles Revue passieren lassen, werden wir erst sehen, was wir alles geschafft haben. Und das trägt einen“, sagt Malkmus überzeugt. Die neue Kraft wird sie brauchen – für kommende Aktionen des Aktionsbündnisses.