In Erbes-Büdesheim bekommen Ducati-Fans Spezialbehandlung

Die Kunden wollen „keinen Fuzzi mit Schlips und Kragen, die wollen direkt den Meister sprechen“, weiß Jan Breiter aus langjähriger Erfahrung im Umgang mit seiner Kundschaft.

Jan Breiter hat sich in der rheinhessischen Gemeinde mit seiner auf Ducatis spezialisierten Motorradwerkstatt eine Nische geschaffen. Wieso ihm die Marke so sehr am Herzen liegt.

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ERBES-BÜDESHEIM. Runter von der Hauptstraße, hinein in die Werkstatt. Die Ducati im Schaufenster ist eine Ansage: Wer hier hereinkommt, betritt eine andere Welt und steht mittendrin in der Werkstatt. Es riecht dezent nach Motoröl, zwei junge Männer polieren vorsichtig an einer Cockpitscheibe herum, ein anderer schraubt an einer Maschine. Das Werkzeug hängt geordnet auf einem langen Spanboard, beklebt mit den stilisierten Umrissen eines Motorrads. Spezialanfertigung, Marke Eigenbau, sagt Inhaber Jan Breiter stolz.

Mittendrin sein in der Werkstatt

Wer zu ihm kommt, der weiß, was er bekommt. Ein Verkaufsraum wäre der falsche Weg für seine Motorradwerkstatt. „Genau das ist es, was die Leute wollen. Mittendrin sein in der Werkstatt. Die wollen keinen Fuzzi in Schlips und Kragen, die wollen direkt den Meister sprechen“, sagt Breiter. Genau das ist sein Anspruch: technische Dienstleistung, kein Verkauf. „Wir sind Mopedschrauber – mit Leib und Seele.“

Seit fast 20 Jahren führt er den Meisterbetrieb, zunächst in Sörgenloch, später hier, in Erbes-Büdesheim. Und so weitab vom Schuss, wie man glaubt, sei diese Lage gar nicht, erklärt der 47-Jährige. Zwischen Frankfurt, Mannheim und Altendietz gebe es keinen professionellen Ducati-Service. Darauf ist seine Motorradwerkstatt spezialisiert: Ducati.

Wenn Breiter den Namen ausspricht, fangen seine Augen hinter den Brillengläsern an, verklärt zu leuchten. Wer einmal den tiefen, röhrenden Sound des Auspuffs und das leicht metallische Scheppern höre, der erkenne es sofort wieder. „Das ist typisch für Ducati. Manche Menschen glauben, da sei was kaputt, aber das gehört so“, sagt Breiter.

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Optisch und technisch japanischen Motorrädern überlegen

Es gibt viele gute Gründe, weshalb Breiter sich auf die italienische Traditionsmarke spezialisiert hat. Die Ducati sei nicht nur optisch, sondern auch technisch den japanischen Marken wie Yamaha, Kawasaki oder Honda überlegen. Fast alle Ducatis haben durch die Bank weg außerdem einen Zwei-Zylinder-Motor mit größerem Einzelhubraum von bis zu 500 Kubik.

Schon sein Vater und sein großer Bruder waren Bastler. In der Garage setzte er mit ihnen erst Fahrräder, später Mopeds zusammen. Mit 16 knatterte er dann selbst mit einem durch Rheinhessen. Mit der Fahrerfahrung wuchsen auch die Maschinen. Und die Leidenschaft fürs Zweirad.

Nach Abitur und Zivildienst hat Breiter erstmal ein Orientierungsjahr gemacht. Seine Praktika wählte er mit Bedacht: Autowerkstatt, Landmaschinen und Zweiräder. Trotz mehrerer Zusagen entschied er sich für die Zweirad-Werkstatt, in der er sein Praktikum absolvierte, in Pfrümm. „Auto war mir zu plump, zu dreckig. Motorräder sind filigraner, ordentlicher. Das war mehr mein Ding.“ Sein Meister, ein Ducati-Spezialist, brachte ihm alles bei. Nur war Breiter die Eifel auf Dauer etwas zu abgelegen. Also machte er sich mit 28 selbstständig und lebt seine Begeisterung nun in der eigenen Werkstatt aus.

Als Maurer verdient man mehr aber die Arbeit begeistert

Breiter hat schon viele Zweiradmechaniker ausgebildet, einer von ihnen ist seit acht Jahren im Betrieb. Viel verdienen könne man damit nicht, das Gehalt liegt nur knapp über dem eines Schneiders. „Als Maurer verdient man mehr. Aber alle, die hier arbeiten, machen das mit Begeisterung.“ Die Noten im Schulzeugnis seien ihm völlig egal. Seine Azubis müssen sich für den Job begeistern können.

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Mittlerweile hat Breiters Expertise über 6000 Kunden aus dem gesamten Rhein-Main-Gebiet nach Erbes-Büdesheim gelockt. Ein offizieller Ducati-Vertragspartner sei er nicht. „Zu viele Einschränkungen“, winkt Breiter ab. Ducati-Außenstellen müssen weltweit der Corporate Identity folgen, gewisse Umsatzzahlen erfüllt werden. Also genau das, was er nicht will. Breiter will schrauben, nicht verkaufen.