Stadt will mit Müllsündern künftig hart ins Gericht gehen

Die Stadt sagt: „So geht es nicht weiter” in Sachen Vermüllung der Bad Kreuznacher Innenstadt, der Stadtteile und Waldgebiete.

Übervolle Papierkörbe, falsch befüllte Tonnen, illegal entsorgter Schrott. Bad Kreuznachs Bürgermeister Blechschmidt startet eine neue Offensive. Nicht nur ihm stinkt es gewaltig.

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Bad Kreuznach. „Uns stinkt’s gewaltig”, „Der Müll muss weg”, „Bad Kreuznach schämt sich fremd”. Mit diesen und ähnlichen drastischen Slogans will die Stadtverwaltung an die Solidargemeinschaft appellieren und an einer sauberen Stadt arbeiten. Mit Blick auf einige Dreckecken in der City, in der historischen Neustadt, in den Stadtteilen und auch im Forst will Bürgermeister Thomas Blechschmidt sich die Gleichgültigkeit mancher Zeitgenossen nicht länger gefallen lassen, die sich über Regeln hinwegsetzen, die die Stadt jede Menge Geld kosten. Georg Bürgers Bauhofmannschaft ist ständig im Einsatz, um den Dreck, den Menschen an allen Ecken unerlaubt entsorgen, einzusammeln. Im vergangenen Jahr schon kostet die Entsorgung des widerrechtlich abgelagerten Mülls rund 345.000 Euro. Geld, das nicht in die Gebührenrechnung miteinfließt und aus der Stadtkasse finanziert werden muss. Blechschmidt hat dafür eine extra Haushaltsposition eingerichtet, um auf diesen Batzen gezielt aufmerksam zu machen. „Was könnte man dafür nicht anderes tun, zum Beispiel Kinderspielplätze ausstatten.”

Bürgermeister Thomas Blechschmidt stinkt das Müllproblem im Bad Kreuznacher Stadtgebiet ganz gewaltig.
Bürgermeister Thomas Blechschmidt stinkt das Müllproblem im Bad Kreuznacher Stadtgebiet ganz gewaltig. (© Isabel Mittler)

Blechschmidt sieht grundsätzlich den Abfallwirtschaftsbetrieb (AWB) des Landkreises in der Pflicht, hier massiver einzugreifen. „Sind die Müllgefäße zu klein oder muss häufiger abgefahren werden?“, stellt der Bürgermeister Fragen in den Raum. An der eingeführten Terminierung beim Wertstoffhof könne es eigentlich nicht liegen, wurde bei einer gut besuchten Pressekonferenz betont. Im Gegenteil, dadurch werde langes Warten in der Schlange vermieden. Dennoch sind die Leute zu faul, um diese Wege zu gehen, sie stellen Tüten neben überquellende Abfallgefäße, bringen die Energie auf, ganze Wohnzimmer im Wald zu entsorgen und sich ihres Hausmülls in Papierkörben im öffentlichen Raum zu entledigen. Manche machen das mit einer gehörigen Portion krimineller Energie. Manche Aktion bei Nacht nun Nebel dauere sicher über eine halbe Stunde, unmöglich, dass dies niemand mitbekommt. Die Leute vor Gericht zu holen, kosten weiteres Geld. An die Bürger wird nun appelliert, die Augen aufzuhalten und solche Aktionen zu melden. Wer genügend Courage hat, kann solche Leute auf frischer Tat auch zur Rede stellen, so eine Hoffnung. Plakate möchte die Stadt an neuralgischen Punkten aufhängen. Dazu zählen Bourger und Neuruppiner Platz, Teile der historischen Neustadt. Georg Bürger und Blechschmidt empfinden die Ignoranz mancher Mitbürger als Respektlosigkeit. Zumal manche Müllberge nicht nur stinken, sondern echt eklige Anblicke böten. Sachgebietsleiter Bürger betonte, dass sich die Menge an widerrechtlich entsorgtem Müll von 2020 von 216 Tonnen auf 290 Tonnen im vergangenen erhöht habe und man Ende September 2022 bereits bei 291 Tonnen angelangt sei.

Die Stadt sagt: „So geht es nicht weiter” in Sachen Vermüllung der Bad Kreuznacher Innenstadt, der Stadtteile und Waldgebiete. Das betont auch Sachgebietsleiter Georg Bürger vom städtischen Bauhof.
Die Stadt sagt: „So geht es nicht weiter” in Sachen Vermüllung der Bad Kreuznacher Innenstadt, der Stadtteile und Waldgebiete. Das betont auch Sachgebietsleiter Georg Bürger vom städtischen Bauhof. (© Isabel Mittler)
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Denkbar ist, Brennpunkte in Sachen Müllfrevel per Video zu überwachen. Dann aber greift schon wieder der Datenschutz, weiß Blechschmidt, der schon zu Beginn des Jahres das Müllthema in Visier genommen hatte. Die Idee eines mobilen Wertstoffhofes musste aber verworfen werden, oft fehlt es schlichtweg an Platz, so eine Idee an neuralgischen Punkten umzusetzen. Mit der Landrätin und dem AWB sollen weitere Gespräche geführt werden, um das Problem endlich in den Griff zu bekommen. Der Kreis müsse die Abläufe und die Verstöße mehr überwachen und auch ahnden. Aktuell sei es eben so, dass der Bauhof stehengelassenen falsch befüllten Tonnen und dazu gestellten Säcken mit Unrat hinterherfahre und hinterherräume, um das Stadtbild einigermaßen sauber zu halten. Das Team, das insgesamt acht Personen umfasst, ist eigentlich dafür zuständig den Sonderservice zu leisten, nicht, den Zusatzmüll zu entsorgen. „Aber genau das ist das Problem. Jeder denkt, das wird sowieso vom Bauhof entsorgt.” 14 Tage den Müll liegenlassen, das gehe allerdings auch nicht.

Die Stadt sagt: „So geht es nicht weiter” in Sachen Vermüllung der Bad Kreuznacher Innenstadt, der Stadtteile und Waldgebiete.
Die Stadt sagt: „So geht es nicht weiter” in Sachen Vermüllung der Bad Kreuznacher Innenstadt, der Stadtteile und Waldgebiete. (© Isabel Mittler)