Scheidung vom Dehoga

Gereon Haumann wurde kürzlich vom Delegiertentag des Dehoga als Verbandspräsident bestätigt – gut von ihm vertreten fühlen sich aber nicht alle Gastronomen. Archivfoto: Norbert Krupp

Neun gastronomische Betriebe der Region treten aus dem Dehoga aus, der ihrer Ansicht nach zu viel Geld für Präsidenten Gereon Haumann ausgibt und zu wenig für Mitglieder.

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BAD KREUZNACH. Ohne den starken Rückhalt der Mitglieder, so formulierte es Dehoga-Präsident Gereon Haumann vor einigen Jahren selbst, seien Erfolge der Verbandsarbeit nicht möglich. Nun muss der Chef des rheinland-pfälzischen Hotel- und Gaststättenverbands einen Nackenschlag hinnehmen: Neun Betriebe aus der Region haben ihm die Kündigung geschickt, sie treten aus dem Verband aus. Und es handelt sich nicht um Hinterhof-Kneipen, sondern um Betriebe mit einem gewissen Renommee (siehe Infokasten) – etwa der „Kaiserhof“ in Guldental, das „Gütchen“ in Bad Kreuznach oder die „Hermannshöhle“ in Niederhausen/Nahe.

Die neun Betriebe begründen ihre Abkehr zum einen mit der vom Verband an Haumann gezahlten Vergütung, die jährlich rund 275 000 Euro ausmacht. Die Einkünfte hatte Haumann vor Monaten bereits selbst veröffentlicht, nachdem es Querelen im Landesverband gegeben hatte und versucht wurde, seine im vergangenen Jahr beschlossene Vertragsverlängerung um acht Jahre rückgängig zu machen. Mit diesem Vorstoß scheiterten seine verbandsinternen Kontrahenten im Mai allerdings, die Vertragsverlängerung wurde mit über 98 Prozent der Stimmen des Delegiertentags bestätigt.

Nun jedoch kommt es zum Austritt lokaler Gastronomen aus dem Verband. Im Schreiben an Gereon Haumann heißt es: Es habe sich der seit Längerem bestehende Eindruck bestätigt, dass der Dehoga Rheinland-Pfalz die Mitgliedsbeiträge eben nicht zur Unterstützung der Mitglieder einsetzt, sondern sie für die Vergütung ihres Präsidenten „verschwendet“, ebenso wie für den Bau „überdimensionierter Gebäude“. Damit ist natürlich das neue Landeszentrum des Dehoga im Gewerbepark General Rose gemeint. Auf entsprechende Kritik hatte Haumann allerdings bereits mehrfach reagiert und immer wieder darauf hingewiesen, dass der Neubau eben keine Belastung der Verbandskasse bedeutet habe. Die Einnahmen durch Vermietungen trügen die Kreditlasten.

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Bei den nun austretenden Gastronomen scheint die verbandsinterne Bestätigung der Vertragsverlängerung vom Mai dieses Jahres keinen Rückhalt zu haben. Im Schreiben heißt es: „Zum zweifelhaften Gebaren des Präsidiums zählt auch die sinnlose und durch nichts zu begründende, vorzeitige Amtszeitverlängerung des Präsidenten.“

Es handelt sich um einen Abschied ohne Diskurs. Die aus dem Dehoga scheidenden Gastronomen bitten Haumann darum, Versuche zu unterlassen, sie umzustimmen. Wörtlich: „Der vom derzeitigen Präsidium gezeigte Umgang mit kritischen Mitgliedern des Vereins entspricht nicht unseren Vorstellungen von der Führung eines Interessenverbandes.“ Konkrete Hinweise, wer Opfer der bemängelten kommunikativen Fähigkeiten des Verbandschefs gewesen sein könnte, gibt es hier jedoch nicht.

Damit wird aber auch deutlich, dass es unter lokalen Gastronomen rund um Bad Kreuznach offenbar unterschiedliche Einschätzungen hinsichtlich des Dehoga-Chefs gibt. In einem Leserbrief hatte Viola Schneider (Weinhotel Schneider, Ebernburg) vor Kurzem noch eine Lanze für Haumann gebrochen und seine Verdienste um den Verband gelobt. Viola Schneider ist Vorstandsmitglied im Kreisverband des Dehoga. Vorsitzender ist Alex Jacob, der von den austretenden Gastronomen nicht besonders ernst genommen wird. In ihm sieht man einen von Dehoga-Chef Haumann gelenkten Kollegen, der gastronomisch keine „Hausnummer“ ist. Ob Magister-Faust-Restaurant in der Neustadt, Hofgut Rheingrafenstein auf dem Kuhberg oder Kurhaus in Bad Münster – es gab stets große Ankündigungen, aber keine großen Erfolgsgeschichten. Im Herbst 2017 übernahm Jacob das Bad Münsterer Kurhaus mit Tamtam, zwei Jahre später gibt er es wieder auf. In ihm sehen die austretenden Gastronomen keine professionelle Stütze.

Es handelt sich bei der Kündigung indes nicht um eine schwere ökonomische Schädigung des Verbands. Der Jahresbeitrag für Betriebe dieser Größe liegt in etwa bei 500 Euro. Das wird der Dehoga Rheinland-Pfalz verschmerzen.