Polizisten in Rocker-Kluft

Julia Klöckner stattete den motorradfahrenden Polizisten in der Deula einen Besuch ab. Foto: Heidi Sturm

„Blue Knights“ nennen sich die motorradfahrenden Polizisten, die sich anlässlich ihres 18-jährigen Bestehens in der Deula-Schule trafen. Julia Klöckner stattete einen Besuch ab.

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BAD KREUZNACH. Die Zugänge zur Deula-Schule waren mit rot-weißem Flatterband als „Polizeiabsperrung“ abgeschnürt. Vor der Haupttür standen breitschultrige Männer mit Biker-Kutten und reichlich Abzeichen, Fransen oder auch dem einen oder anderen Fuchsschwanz am Revers.

Dass dies kein Polizeieinsatz wegen einer möglicherweise gefährlichen Rocker-Gang war, zeigten alleine schon die Aufnäher an den Westen, die nicht von Totenköpfen oder Parolen geziert wurden, sondern eher von eingestickten Botschaften wie „Proud member of good guys“ – „stolzes Mitglied der guten Jungs“. Die rund 140-köpfige Gruppe war nämlich die Polizei selbst, oder besser gesagt, ein bestimmter Teil davon. Die „Blue Knights“, die „Blauen Ritter“, ein Verein motorradfahrender Polizisten, die sich hier zu einem langen und erlebnisreichen Wochenende versammelt hatten. Anlass des internationalen Treffens war der 18. Geburtstag der Gruppe „Rhein-Main“, die auch gleichzeitig als „Chapter 18“ die 18. „Regionalgruppe“ in Deutschland war.

„Weltweit bestehen die Blue Knights aus über 24 000 Polizisten, in Europa sind es 3000 und in Deutschland rund 1000“, erläuterte Vorsitzender Christian Feick (Mainz). Die Förderung des Motorradtourensports, die Völkerverständigung sowie die finanzielle und materielle Unterstützung sozialer Einrichtungen haben sich die Blauen Ritter auf ihre Fahnen geschrieben. Vom Überschuss des Treffens im Naheland wird es eine Spende an den „Verein trauernder Eltern“ geben. Für die Gäste hatte man drei verschiedene Ausflugsfahrten ins Rheintal, zur Mosel und Eifel sowie in den Pfälzer Wald organisiert. „Wir möchten den Leuten zeigen, dass man Motorradfahren als Hobby auch anständig ausüben kann“, unterstrich Feick.

Als Schirmherrin hatte man Bundesministerin Julia Klöckner gewonnen, weil sie aus der Gegend ist, noch dazu „die Nachbarin von Tobi“, weil sie eine soziale Ader habe und zudem auch als einstige Deutsche Weinkönigin noch majestätisches Flair mitbringe. Sie sei „gerne gekommen“, bekräftigte Klöckner, die von den Schuhen bis zu den Ohrringen tatsächlich in „Polizeiblau“ erschienen war – mit voller Absicht, wie sie schmunzelnd betonte. Sie dankte den Gästen für das, was sie beruflich leisten und das oft auch mit Frust verbunden sei, spielte sie auf den nachlassenden Respekt in der Gesellschaft und die zunehmende Gewalt gegen Hilfskräfte an. „Wer Polizisten angreift, greift auch den Staat an“, nahm sie klar Stellung. Sie lobte aber auch, dass man das schöne Treffen mit einer Benefizaktion verbinde, zudem auch die Heimat erkunde. Wie schön die sei, merke man oft erst, wenn man sie entschleunigt einmal mit anderen Augen betrachte oder den Schwärmereien der Gäste lausche, wusste die Kreuznacherin. Ein paar sympathische Frotzeleien und ein Schuss Selbstironie durften natürlich auch nicht fehlen. Sie fahre eine 50er Vespa, an der sie nicht herumgeschraubt habe, betonte Klöckner und spielte auch schmunzelnd auf ein früheres Versäumnis an, dass ihren Roller sogar zum Boulevard-Thema gemacht hatte: „Auch das Nummernschild ist jetzt rechtzeitig erneuert worden.“

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Für die Gäste hatte sie augenzwinkernd noch einen heißen Tipp parat: Falls einer von einem Kollegen zufällig einmal den Führerschein abgenommen bekomme, könne er ihn in der Deula ganz unauffällig in drei Wochen wieder erwerben.