Kabarettist Martin Zingsheim in der Loge in Bad Kreuznach

Martin Zingsheim gänzlich unprätentiös: „Meine Stilberaterin war leider nicht da!" Foto: Claudia Römer

Der Kabarettist teilt in seinem neuen Programm ordentlich aus.

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BAD KREUZNACH. Eher unspektakulär betritt der junge Kabarettist Martin Zingsheim in Jeans und Sakko die Bühne in der Loge im Haus des Gastes. „Den jungen Wilden“ nennt man den unter anderem 2015 mit dem Förderpreis des Deutschen Kleinkunstpreises ausgezeichneten Kölner. Viel im Kopf hat dieser junge Mann mit dem Charisma des Lieblingsschwiegersohns, der erstmals auf Einladung der rührigen Stiftung Kleinkunstbühne in Bad Kreuznach gastiert. Der promovierte Musikwissenschaftler glänzt mit Hintergründigem und Ironischem auf höchstem Niveau.

Elegant und schnell, auch bei der Familienplanung

Dabei kommt er gänzlich ohne Effekthascherei aus. Mal heiter, mal böse, aber immer elegant und schnell. Und wie er selbst sagt: schnell auch bei der Familienplanung – gerade 35 Jahre jung und schon Vater von vier Kindern. In seinem aktuellen Programm „Aber bitte mit ohne“ widmet er sich insbesondere dem Thema Verzicht, den sich der Gutmensch des 21. Jahrhunderts inmitten eines überbordenden Angebots gönnt. Was bleibt, wenn Fleisch, Lactose, Religion und zuletzt sogar die eigene Meinung ad acta gelegt werden? Wortgewaltig erscheint Zingsheim, ein exquisiter Gedankenakrobat ist er, ein Mensch, der glasklar analysiert, unverstellt und authentisch wirkt.

Worauf die Menschheit verzichten könnte? Auf „Tiptoi-Stifte“, „Verpackungsmüll“ (für seinen Kaffeebecher trägt er stets einen Metallbecher bei sich: „Da stelle ich dann den heißen Pappbecher rein“), „Kundenrezensionen“ und „alberne Geschlechterklischees“, findet er. Launig beschreibt er den Teufelskreis: „Bin ich zu dick, mache ich Sport. Dafür benötige ich teures Equipment, wofür ich mehr arbeiten muss. Daher habe ich weniger Freizeit und esse mehr Fastfood. Wodurch ich noch dicker werde.“ Selbstironisch fällt sein Blick auf seine Besuche im Drogerie-Markt, in dem es warnend heißt: „Herr Zingsheim nähert sich Kasse 2“. Viel gilt es für vier Kinder zu besorgen. Das „kleine Päckchen Kondome“ quittiert die Kassiererin trocken mit den Worten: „Dafür ist es wohl zu spät.“

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Das politische Geschehen lässt er außen vor. Dafür wendet er sich lieber der Kulturgeografie deutscher Karnevalsrufe zu, die zwischen „Hulla Hulla“, „Wutz Wutz“ und „Puff-Puff-Puffer“ schwanken. Auch die Kirche bekommt ihr Fett weg: Luther wird als „Lebensgefährte von Frau Käsmann“ bezeichnet, der Katholikentag als „Dschihad für Weicheier“ und die „Taliban“ vergleicht er mit den „Regensburger Domspatzen“. An dieser Stelle hält manch einer im Publikum sekundenlang die Luft an, allzu scharf kommt die Kritik daher.

Zum Abschluss Schnipsel deutscher Schlager

Wenn Zingsheim die englischen Durchsagen in Zügen aufgreift und zur Aufgabe stellt, den Satz „Wegen eines Stellwerkfehlers in Wuppertal und eines Oberleitungsschadens bei Schwerte wird der IC in umgekehrter Wagenreihung verspätet in Hamm ankommen“ zu übersetzen, gibt es kein Halten mehr. Am Ende kredenzt er denn launig ein Sammelsurium aus Schnipseln deutscher Schlager. „Aber bitte mit ohne“ macht eines klar: Martin Zingsheim muss wiederkommen!