Erwin Manz referiert bei den Grünen

Erwin Manz sieht noch viel Nachholbedarf bei der Energiewende. Foto: Wolfgang Bartels
© Wolfgang Bartels

Einen Klimamanager für die Stadt Bad Kreuznach forderte Erwin Manz auf einer Veranstaltung der Grünen. Er lobte die Schüler, die jeden Freitag gegen den Klimawandel protestieren.

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BAD KREUZNACH. Beinahe hätte Erwin Manz die Schüler vergessen, die jeden Freitag gegen den Klimawandel protestieren. Doch ganz am Ende seines Vortrages zum Klimaschutz in der Kommune fand der Diplom-Biologe klare Worte: „Ich freue mich sehr, dass jetzt eine Generation kommt, die die Gefahren des Klimawandels erkannt hat. Diese Jugendlichen wissen, dass es um ihre Zukunft geht. Da kommt es wohl kaum auf ein paar verpasste Schulstunden an. Das Befassen mit diesem Thema ist vielleicht sinnvoller als mancher Unterricht.“

Einige dieser demonstrierenden Schüler waren auch zum Informationsabend der Grünen ins Haus des Internationalen Bundes gekommen. Und so mussten, was bei Parteiveranstaltungen selten geschieht, zusätzliche Stühle in den Raum geschleppt werden.

Erwin Manz (59), der zwölf Jahre Landesgeschäftsführer des BUND war, seit fast acht Jahren im Mainzer Umweltministerium arbeitet und jetzt auf Platz zwei der grünen Liste für den Kreistag kandidiert, erklärte, der Anstieg der Jahrestemperaturen und extreme Wetterereignisse würden sich nach allen Prognosen in den nächsten Jahren noch verschärfen.

Ihm komme es aber darauf an zu zeigen, wie man auf örtlicher Ebene gegensteuern könne: „Ich sage nicht, dass der Klimawandel gestoppt werden kann. Wir können ihn aber verlangsamen, nachdem wir die letzten Jahrzehnte verschlafen haben.“ Ein positives Beispiel sei der Klimamanager des Landkreises Bad Kreuznach. Seine Vorschläge für eine effektivere Energieverwendung hätten dem Kreis zwischen 2015 und 2017 eine Ersparnis von 250 000 Euro gebracht, dazu auch noch 500 000 Euro an Fördermitteln von Bund und Land eingespielt. Dazu Manz: „Er hat also wesentlich mehr erwirtschaftet, als seine Stelle an Personalkosten verbraucht hat.“ Und er schloss sogleich die Frage an: „Warum hat die Stadt Bad Kreuznach noch immer keinen Klimaschutzbeauftragten? Das Geld für solche Projekte liegt doch auf der Straße, der Bund hat die Fördermittel gerade erhöht.“ Die Umstellung der Straßenbeleuchtung auf LED, die der Klimaschutzbeauftragte in vielen Dörfern des Landkreises begleitet hat, sei ein positives Beispiel: eine Investition, die viel Energie spart und sich innerhalb weniger Jahre amortisiert.

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Doch im Vergleich zum Rhein-Hunsrück-Kreis hätten Kreis und Stadt Bad Kreuznach noch erheblichen Nachholbedarf beim Thema regenerative Energien, so Manz. Die Photovoltaikanlage auf dem Kuhberg sei nur ein Anfang, dem bisher keine weiteren Schritte gefolgt seien. Inzwischen sei die Sonnenenergie vom eigenen Dach kostengünstiger als der Strom aus der Steckdose: „Man könnte also die Dächer mit Solaranlagen vollpflastern und würde jede Menge Geld sparen, aber wir tun es nicht. Da brauche ich einen Klimamanager, der das den Menschen bewusst macht.“

Auch der verstärkte Einsatz von Holz könne den Klimawandel günstig beeinflussen, erklärte Manz. Er verwies auf Nahwärmenetze, die mit Holzhackschnitzeln und Sonnenenergie betrieben werden. Holz sei aber auch der Baustoff der Zukunft, der den großen Vorteil habe, dass er das klimaschädliche Kohlendioxid dauerhaft bindet. Man brauche keine neuen Siedlungen draußen in den Weinbergen zu bauen, meinte Manz. „Wie wäre es, auf bereits bestehende Wohnhäuser eine zusätzliche Etage aus Holz zu setzen? Dann hätte man nicht nur etwas für das Klima getan, sondern auch etwas gegen die Zersiedelung der Landschaft.“