Den zunehmenden Druck von den Schultern junger Eltern nehmen

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Familienhebamme Andrea Hieronimus ist unter anderem auf der Entbindungsstation im Diakonie-Krankenhaus anzutreffen. Ihr können junge Mütter und Väter alle Sorgen anvertrauen. Foto: Mittler

Familienhebamme Andrea Hieronimus begleitet unter anderem auch Frauen, die im Diakonie-Krankenhaus mehrere Wochen auf die Geburt ihres Kindes oder einen Kaiserschnitt warten.

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BAD KREUZNACH. Für welche Mutter wäre es nicht ein Segen, in der Anfangszeit nach der Geburt eines oder gar mehrerer Erdenbürger von vielen helfenden Händen umsorgt zu sein, um den Nachwuchs zu m einen bestmöglich zu betreuen, zum anderen, um selbst einmal durchatmen zu können? Wenn dann auch noch soziale und persönliche Probleme in der Partnerschaft oder der Familie dazu kommen, werden Ratgeber und auch mal eine Schulter gebraucht, an die man sich anlehnen kann.

Die ersten Jahre mit Kindern sind eine Herausforderung – das weiß das Team des Programmes „Guter Start ins Kinderleben – Frühe Hilfen von Anfang an“, dem die Familienhebamme Andrea Hieronimus angehört. Seit sechs Jahren ist sie im Diakonie-Krankenhaus tätig, ist zuständig für die Kleinen in der Kinderklinik und die Großen auf der geburtshilflichen sowie der gynäkologischen Station. Ein offenes Ohr, das schenkt die Familienhebamme, selbst Mutter von drei erwachsenen Kindern, ihrem Gegenüber. Finanzielle Nöte, Sorgen um Geschwisterkinder, Angst um den Job und eine allgemein sich weiter verbreitende Überbelastung sind Gesprächsthemen. Zunehmend ist auch die Zahl der Mütter, die mit psychischen Belastungen und Vorerkrankungen auf der Station auf die Geburt ihres Kindes warten. „Die zunehmende Zahl hängt sicher auch damit zusammen, dass man sich früher schämte und nicht traute, über solch eine Belastung zu sprechen.“ Heute habe das Kind auch einen Namen und da die Erkrankung auch diagnostiziert wird, kommen die Belastungen, denen junge Frauen heute ausgesetzt sind, vermehrt zur Sprache. Vorbei sind auch die Zeiten, in denen eine Oma mit im Haus wohnte oder man der eigenen Mutter den Nachwuchs mal überlassen konnte, weil man einfach ausgepowert war.

Die Unterstützung im Diakonie-Krankenhaus fängt bei praktischen Hilfen an: Wo kann ich eine Haushaltshilfe beantragen, bekomme ich über das Diakonische Werk eine Leihoma zugewiesen und gibt es weitere finanzielle Unterstützungen? Dabei soll es nicht bleiben. Die Patientenversorgung soll auf Wunsch von Dr. Christoph von Buch in der Kinderabteilung weiter ausgebaut werden und soll sich unter anderem an Mütter und Väter von Frühchen und an chronisch kranke Kinder und Jugendliche selbst richten. Um ein solches Angebot im Krankenhaus aufzubauen, werden die Leser der AZ um finanzielle Unterstützung gebeten.

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Bis zu ihrer Weiterbildung als Familienhebamme hat Andrea Hieronimus als Hebamme gearbeitet. Da ging es primär in den drei Monaten nach der Geburt um medizinisch Dinge rund um die richtige Pflege, Ernährung oder das Baden des Babys. Als Familienhebamme begleitet sie Eltern und Kinder über einen Zeitraum bis zu einem Jahr. Da stehen dann auch gemeinsame Besuche von Kinderarzt, Krabbelgruppe oder Jobcenter an. Vor allem junge Mütter brauchen Hilfe beim Unterfangen, bei der Rückkehr in den Alltag jeden Tag einen Spagat zwischen Beruf und Kinderbetreuung hinzubekommen.

Ein gar nicht seltenes Phänomen ist auch die Tatsache, dass Frauen, und zwar jeglichen Alters, ihre Schwangerschaft verdrängen nach dem Motto „das kann nicht sein, das darf nicht sein!“ Sie kommen erst spät zu Vorsorgeuntersuchungen und zur Beratung in die Klinik. Manche werdende Mutter kommt aus zerrütteten Familienverhältnissen, benötigt aber Unterstützung, um beispielsweise die Schule weiter zu besuchen. Dann wiederum gibt es Fälle, in denen die jungen werdenden Eltern darauf vertrauen, dass mit der Geburt eines Babys auch in der Beziehung alles besser wird. „Das Kind ist aber keine Puppe, die man nach Bedarf rausholen kann“, mahnt Hieronimus.

Mit im Fokus stehen zudem Frauen, die über mehrere Wochen im Krankenhaus auf Geburt oder Kaiserschnitt warten. „Ich selbst würde da durchdrehen, man macht dabei Höhen und Tiefen durch, da kann man schon verstehen, wenn es mal zu einer Art Lagerkoller kommt.“ Gerade für diesen Kreis werdender Mütter würde sich die Familienhebamme eine Erweiterung der Unterstützungsangebote wünschen. „Wir bei den frühen Hilfen sind ja keine Therapeuten, da braucht es noch ein bisschen mehr. Das Programm guter Start ins Kinderleben ist sehr, sehr wertvoll, aber noch ausbaufähig.“