Das „Eiserne Buch“ der Stadt Bad Kreuznach wurde feierlich...

Veteran Nicolaus Blättermann beim Eintrag in die letzte Seite des Eisernen Buches, bevor es geschlossen wurde. Er hatte sich bereits 2013 eintragen dürfen, als er die Ehrenmedaille für seine Verdienste um den Aufbau der Jüdischen Kultusgemeinde erhielt.  Foto:

Nun sind die letzten Eintragungen erfolgt. Das Buch ist geschlossen und in die Regale des Stadtarchivs verschwunden. Im Kurhaus vollzog sich in Anwesenheit von 100...

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BAD KREUZNACH. Nun sind die letzten Eintragungen erfolgt. Das Buch ist geschlossen und in die Regale des Stadtarchivs verschwunden. Im Kurhaus vollzog sich in Anwesenheit von 100 Persönlichkeiten der Stadt dieser historische Vorgang. Das „Eiserne Buch“ Bad Kreuznachs ist Geschichte.

Veteran Nicolaus Blättermann beim Eintrag in die letzte Seite des Eisernen Buches, bevor es geschlossen wurde. Er hatte sich bereits 2013 eintragen dürfen, als er die Ehrenmedaille für seine Verdienste um den Aufbau der Jüdischen Kultusgemeinde erhielt.  Foto:
Präsentierten im Kurhaus die Beibücher zum Eisernen Buch der Stadt (v.l.): Werner Fuchs vom Förderverein Haus der Stadtgeschichte, Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann, Historiker und Verleger Dr. Jörn Kobes sowie OB Dr. Heike Kaster-Meurer. Fotos: Gottschald  Foto:

„Eisernes Buch“ war 1917 angelegt worden

Auf seiner allerletzten freien Seite konnten sich alle Anwesenden, die sich um die Aufarbeitung der Stadtgeschichte verdient gemacht haben, mit ihrer Unterschrift verewigen. Und diese allerletzte Seite der Stadtchronik wird jetzt sorgfältig herausgetrennt und zur allerersten Seite des neuen „Ehrengästebuches“ der Kurstadt. Dies ist ein historisches Datum für Bad Kreuznach, denn das „Eiserne Buch“ war 1917 angelegt worden, hatte also 100-jährigen Bestand! Andere Orte haben für hohe Gäste und bedeutende Ereignisse ein „Goldenes Buch“. 1917, mitten im 1. Weltkrieg, galt aber „Gold gab ich für Eisen“.

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Und so wählten die damaligen Stadtväter für das neue Ehrenbuch einen eisernen Einband, mit Eisennägeln beschlagen. Ursprünglich war es als „Heldengedenkbuch“ gedacht, wie Stadtarchivarin Franziska Blum-Gabelmann in ihrem Vortrag bemerkte. Immerhin war damals in Kreuznach das deutsche Oberkommando für die Westfront, mit Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff als Befehlshaber, stationiert. So sind die ersten Seiten dieser Chronik gefüllt mit Eintragungen über Heldentaten und Namenszügen von Offizieren des Hauptquartiers. Man wollte ja „die Bedeutung der Stadt in schicksalhafter Zeit“ hervorheben. Nun, nach genau 100 Jahren, ist das Eiserne Buch vollgeschrieben mit Denkwürdigkeiten aus guten und schlechten Zeiten an der Nahe. Es wird nach den Worten von Oberbürgermeisterin Dr. Heike Kaster-Meurer durch eine moderne Chronik ersetzt.

Ehrenamtliche Autoren um Franziska Blum-Gabelmann und den Historiker und Verleger Dr. Jörn Kobes haben zwei Arbeiten zum Eisernen Buch angefertigt: eine mit Faksimiles aller Namenseintragungen und eine mit Auszügen aus Dokumenten. Für 30 Euro werden sie in Buchform angeboten. Wer sich die Namenszüge der kaiserlichen Heerführer, der Teilnehmer am Internationalen Weinbaukongress von 1939, von Bundeskanzler Konrad Adenauer und Frankreichs Präsidenten Charles de Gaulle oder der Bad Kreuznacher Olympiasieger, um nur einige zu nennen, nach Hause holen möchte, wende sich an die Stadtverwaltung.

Von Frank Gottschald