Wolfgang Bosbach erhält in Alzey den Scheupreis

Bürgermeister Christoph Burkhard, Wolfgang Bosbach sowie Laudator und Vorgänger Wolfgang Kubicki (v.l.n.r.). Foto: Thomas Ehlke

Auf Kubicki folgt Bosbach: Der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach hat den Weinkulturpreis der Stadt Alzey erhalten.

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ALZEY. Ein Freund klarer Worte und guten Weins ist neuer Träger des Weinkulturpreises der Stadt Alzey. Bei der repräsentativen Weinprobe zum 81. Winzerfest hat CDU-Politiker Wolfgang Bosbach Urkunde und Scheuplakette aus den Händen von Bürgermeister Christoph Burkhard erhalten. Die Laudatio hat Bundestagsvizepräsident Wolfgang Kubicki, der letztjährige Preisträger, gehalten.

Bosbach sei ein volksnaher, unprätentiöser Politiker, der Politik transparent und greifbar mache, charakterisiert Nordlicht Kubicki den Bergisch-Gladbacher. „Ich schätze Wolfgang Bosbach für sein Werben zugunsten einer fairen Streitkultur, in der das beste Argument zählt, für seinen unabhängigen Geist und seine Courage, für die eigenen Überzeugungen einzustehen und nach diesen zu handeln – auch wenn dies persönliche Nachteile mit sich bringt“, sagt der Laudator und erntet zustimmenden Beifall des Publikums im proppenvollen Zelt.

Geradlinige Art

Bosbach sei eine rheinische Frohnatur mit rheinischem Zungenschlag, der wie ein guter Wein mit jedem Jahr weiter an Ausdruck gewinne. „Zwischen den vielen Flaschen im Weinregal der Politik fällt der Tropfen Bosbach also auf...“, setzt Laudator Kubicki satirische Spitzen und fügt hinzu: „Die aus dem bergischen Land stammende Rebsorte Bosbach besticht durch ein erfrischende Säure. Doch manchen seiner Kollegen in Berlin ist der kantige Geschmack nicht gut bekommen. Sie urteilten, dass es für das Prädikat Kabinett nicht reicht...“

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Auch Bürgermeister Christoph Burkhard lobt die geradlinige Art des neuen Scheupreisträgers. Was den 67-Jährigen aber ebenfalls auszeichne, sei sein lebensbejahendes Auftreten. „Ein bisschen Schalk im Nacken, wie man es von einem Rheinländer auch erwarten darf“, sagt Burkhard. Dieser Menschenschlag ähnele den Rheinhessen, weshalb Bosbach ein würdiger Preisträger sei. Der sei auch streitbar – und bisweilen umstritten. Doch dazu passe das Bosbach-Zitat: „Früher warst du ein Rebell, wenn du eine revolutionäre Bewegung angeführt hast, heute bist du schon ein Rebell, wenn du bei deiner Meinung bleibst.“

Preis wird seit 2000 vergeben

Dass die beiden Redner mit ihrer Einschätzung nicht ganz falsch liegen, belegt Bosbachs launige Dankesrede, für die etliche Lacher bei der Menge im Zelt erhielt. Etwa für die Feststellung, dass Kubicki und ihn nicht nur der Vorname eine: „Wir sind beide medienscheu.“ Im Plauderton kriegt er die Kurve zur Politik und rät den Alzeyern: „Egal, wo Sie politisch stehen. Wählen sie nie einen Politiker, der nicht von Herzen lachen kann.“

Wie Kubicki habe er Lust an der Diskussion. „Doch nicht um des Streites willen, sondern der bestmöglichen Argumentation willen.“ Nie seien er und sein Laudator zusammen in einer Parlamentsgruppe gewesen. „Die haben uns nicht gelassen. Aber wenn, weiß ich nicht ob‘s besser geworden wäre. Lustiger auf jeden Fall.“ Doch es gibt auch ernste Töne in Bosbachs Rede. So, ruft er die Probenbesucher auf, angesichts 70 Jahre Grundgesetz und 30 Jahre Mauerfall stolz auf das eigene Land zu sein und dies mit der gleichen Lebensfreude zu feiern wie Amerikaner und Franzosen dies bei ihren Nationalfeiertagen tun.

Der Weinkulturpreis wird seit dem Jahr 2000 von der Stadt Alzey, dem Landkreis Alzey-Worms, der IG Winzer der Wein- und Sektterrasse und der Allgemeinen Zeitung vergeben. Zu den Preisträgern zählen unter anderem Joschka Fischer, Petra Roth, Horst Lichter, Walter Plathe, Udo van Kampen, Silvia Neid und Peter Eugen Eckes. Umrahmt wird die Zeremonie alljährlich von der AZ Big_Band. Sie findet anlässlich der Winzerfest-Weinprobe statt, die diesmal von „Fräulein Wein“ Dominique Groten moderiert wurde.

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Von Thomas Ehlke