Ab Januar wieder warmes Mittagessen an Alzeyer Grundschule

Auch in der Albert-Schweitzer-Grundschule sieht man essende Kinder bald wieder: Wegen mehrerer Hürden hatte es hier seit 2020 kein warmes Mittagessen mehr gegeben.

Jetzt steht es endgültig fest: Für die Kinder der Albert-Schweitzer-Schule wird es ab 2023 wieder eine warme Mahlzeit geben. Vor Ort. Wer diese kocht – und was auf den Tisch kommt.

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ALZEY. Es überkam einen das Gefühl, als dauere es eine Ewigkeit. Wie lange schon müssen die Kinder der Albert-Schweitzer-Schule (ASS) auf die Rückkehr des warmen Mittagessens warten? Seit wann dampft hier nichts mehr auf den Tabletts, was den Sechs- bis Elfjährigen den Bauch füllt? Drei Jahre wären es im Frühjahr 2023 – drei Viertel eines Grundschullebens. Wie Stadt und ASS-Leitung jetzt aber mitteilen, bricht in der ersten Januarwoche eine neue Zeit an: In der Alzeyer Einrichtung werden wieder gekochte Mahlzeiten auf dem Tisch stehen. Volle Teller, das Ende der Ungewissheit.

Wenn Heike Stock über die Mühen der vergangenen Monate erzählt, dann hört man es an der Stimme: Eine Riesenlast fällt ab von ihr. Erleichterung. Die Rektorin spricht von einer „sehr guten Lösung”, von einer „mit Aussicht auf Konstanz”. „Wir haben die Eltern regelmäßig informiert und in den Prozess eingebunden”, sagt Stock. Im Oktober hatte sie ein großes Versprechen verkündet, es sollte eine brodelnde Diskussion beruhigen: Bis Weihnachten, mahnte die Lehrerin, werde die Schule Antworten präsentieren – auf die ungeklärten Fragen der Familien. Man werde wieder Essen anbieten, ganz sicher. Offen blieb nur, wie.

Obst und Gemüse vom Wormser Wochenmarkt?

Jetzt also, zwei Monate später, die Auflösung: Ab Januar wird ein Caterer die Mahlzeiten nach Alzey liefern. „Das gibt den Kindern Struktur am Tag”, erklärt Anna von Fumetti, die Erste Vorsitzende des Schulelternbeirats. „Es ist das, was wir uns gewünscht hatten. Ich kann nur nochmal betonen: Da wurde nie gemeckert oder sich beschwert.” Essen an der ASS, das war ein Dauerkonflikt. Mit dem Ergebnis enden an der Schule jetzt unglückliche Jahre. Erst Corona und Homeschooling. Später der Platzmangel in der Kantine des Aufbaugymnasiums, wo die Kinder immer mitgegessen hatten. Dann die mühsame Suche nach Auswegen – bei steigenden Klassenzahlen, also mehr benötigter Menüs.

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Nur: Auf was können sich Grundschüler und ihre Eltern da jetzt einstellen? Wer kocht – und was steht auf dem Speiseplan?

Wir kochen täglich frisch, bei uns gibt es so etwas wie aufgetaute Tiefkühlware nicht. Unsere Philosophie ist, dass es schmeckt und dass die Kleinen satt werden.

SK
Stephan Kaiser Wormser Caterer

Die Suche führt nach Worms, eher: in den Stadtteil Wiesoppenheim. Eine halbe Stunde südöstlich von Alzey sitzt der Caterer Kaiser Feinkost, ein Familienbetrieb mit einer Handvoll Mitarbeiterinnen, 2011 gegründet. „100% Genuss, Qualität & Handarbeit”, werben die Wormser auf ihrer Homepage, dahinter lächeln Damen in roten Kochschürzen von einem Foto. Ab Januar, bestätigt die Stadt, werden Marion und Stephan Kaiser die ASS beliefern – jeden Tag mit Speisen, die ein paar Minuten davor erst aus den Töpfen kamen, sagen sie. „Wir kochen täglich frisch, bei uns gibt es so etwas wie aufgetaute Tiefkühlware nicht”, versichert Stephan Kaiser. „Unsere Philosophie ist, dass es schmeckt und dass die Kleinen satt werden.”

Wer in dieser Woche auf das Kaiser’sche Schul-Menü schaut, der entdeckt einen bunten Plan. Butterbrösel-Nudeln mit Honigmöhren und Apfelbrei, Putengeschnetzeltes an Kastanien-Spitzkohl, Wiesoppenheimer Grumbeersupp, Fischfilet á la Bordelaise. Saisonal und regional, das sei das Credo, betont Kaiser: Obst und Gemüse kauften sie ein auf dem Wormser Wochenmarkt, das Fleisch komme vom Nahversorger, ja, sogar die Fonds setzten sie selbst an. „Wir stellen uns auf die Schulen ein. Wir hatten noch nie eine Kündigung”, sagt die Chefin.

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Und so lande das Essen dann auf den Tischen der ASS: Frisch gekocht werde es in Iso-Behältern heiß gehalten, per Lieferwagen nach Alzey geschafft – und ausgegeben. Das alles klingt nun eher nach Restaurant-Qualität statt nach Schulküche. Was die Frage aufwirft: Muss das nicht seinen Preis haben? Laut Anke Rebholz, Leiterin des Amts für Bildung und Soziales, kostet die Mahlzeit 4,50 Euro. Damit ist ein Essen tatsächlich rund 70 Cent teurer als an der Nibelungenschule im Osten Alzeys – dort aber liefert eben der Tiefkühlriese Apetito. Die Stadt, sagt die Fachbereichsleiterin, vergleiche nun.

Catering die einzig verbliebene Option

Rebholz ist bei solchen Einigungen die Frau, bei der die Fäden zusammenlaufen. Zur über Jahre unklaren Situation an der ASS meint sie: „Man schnippt nicht einfach mit dem Finger und alles ist da. Wir mussten Fakten sammeln, Gespräche führen, uns auf Probleme einstellen.” Wie solche: In den Büros der Stadt war die Überlegung gereift, wieder mit dem Aufbaugymnasium zu kooperieren. Die Idee scheiterte. „Dort ist man komplett ausgelastet”, sagt Rebholz, maximale Essensanzahl. Und frisch kochen, direkt in der ASS? Nicht machbar, keine ausgestattete Küche. Es blieb allein das Catering, vier Firmen hatte Alzey angefragt.

Die aktuelle Lösung ist dabei vorerst eine auf Zeit. Mit dem Wormser Unternehmen hat die Stadt eine Probephase vereinbart, später soll offiziell ausgeschrieben werden – wie die Kaisers gegenüber dieser Zeitung ankündigen, wollen sie sich auch dann bewerben. Heute aber gilt: Ab Januar essen die Kinder wieder warm zu Mittag. „Da hat die Schule zu ihrem Wort gestanden”, sagt Anna von Fumetti, die Vorsitzende des Elternbeirats. „Weiteres sieht man dann, wenn es anläuft.”

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