Ferienwohnung am Mandelberg in Alzey-Weinheim mit Zertifikat...

Die Rampe, die für Rollstuhlfahrer etwas steil ist, ist für Besucher mit Kinderwagen oder Einkauftrolleys einer von zwei barrierefreien Wegen ins Haus. Eigentümerin Sabine Barth freut sich darüber, dass ihre Ferienwohnung jetzt ausgezeichnet wurde. Foto: pa/Axel Schmitz  Foto: pa/Axel Schmitz

Wer in Alzey oder der Umgebung Urlaub machen will, hat die Wahl zwischen zahlreichen Hotels oder Ferienwohnungen. Doch nicht für jeden Gast in der Stadt bieten sich die...

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ALZEY-WEINHEIM. Wer in Alzey oder der Umgebung Urlaub machen will, hat die Wahl zwischen zahlreichen Hotels oder Ferienwohnungen. Doch nicht für jeden Gast in der Stadt bieten sich die Einrichtungen an. Menschen mit Behinderung, die durch einen Rollstuhl oder eine andere körperliche Einschränkung Schwierigkeiten haben, eine passende Unterkunft zu finden, sehen nun durch ein einfaches Siegel, welche Ferienwohnung sich für ihre Bedürfnisse eignet.

Große Bücherauswahl und Klavier im Raum

Mit diesem Siegel kann nun auch die Ferienwohnung am Mandelberg in Alzey-Weinheim punkten. Sie wurde mit dem „Barrierefrei geprüft“-Zertifikat des Deutschen Seminars für Tourismus (DSFT) ausgezeichnet. Ein extra breiter Parkplatz direkt vor der Tür macht es Rollstuhlfahrern einfach, aus dem Auto auszusteigen. Über einen ebenerdigen Eingang kommen sie problemlos in das Haus, wo sie über einen Aufzug in den ersten Stock und somit in die etwa 70 Quadratmeter große, barrierefrei geprüfte Ferienwohnung gelangen.

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Der lichtdurchflutete Wohnraum wirkt gemütlich, mit hellen Möbeln und zahlreichen Büchern in der Wohnwand. Selbst an einem Klavier können sich musikalische Urlauber austoben. Das Ganze ist so ausgerichtet, dass sich auch eine Person im Rollstuhl problemlos durch die Wohnung bewegen kann, von der ebenerdigen Dusche bis hin zur offenen Küche und dem breiten Gang vor dem Bett. Doch nicht nur für Rollstuhlfahrer ist die Ferienwohnung geeignet. „Barrierefrei heißt ja nicht immer gleich Rollstuhl. Ebenso Gäste mit Kinderwagen, oder wenn Bewohner schwere Einkäufe zu schleppen haben, profitieren davon“, sagt Sabine Barth, Bauherrin des „Hauses Weirich“. „Es gibt viele gute Gründe, schon beim Bau an Barrierefreiheit zu denken.“ Das Haus verfügt über sieben Wohneinheiten, jeweils zwei Appartements mit einem, zwei oder drei Schlafzimmern sowie ein Penthouse, in dem Barth und ihr Lebensgefährte Rainer Fluhr wohnen. Jede Wohnung verfügt über einen eigenen, nicht einsehbaren Außenbereich, also eine Terrasse, einen Balkon oder einen Garten.

Vier der sechs Appartements sind derzeit vermietet, ein weiteres, aus dem der bisherige Bewohner ausgezogen ist, soll zukünftig auch als Ferienwohnung genutzt werden, so wie die barrierefreie Wohnung. Dort können Rollstuhlfahrer dann sogar über eine ebenerdige Terrasse bis kurz vor die Weinberge, die direkt am Garten angrenzen, fahren.

Insgesamt kommen stolze 828 Quadratmeter Wohnfläche zusammen. Die Idee für das Konzept, ein Mehrfamilienhaus zu bauen, hatte Barth schon lange. Im Jahr 2013 macht sie gemeinsam mit ihrem Lebensgefährten und Sohn Christopher Barth Nägel mit Köpfen: Im November erfolgt der Spatenstich, nur ein Jahr später, im Dezember 2014, ist das Mehrfamilienhaus fertig. „Wir wollten nicht mit 85, wenn es wirklich kritisch wird, gucken, was wir machen“, erklärt Barth. „Wir haben uns bewusst für das Konzept ‚Design für Alle‘ entschieden.“ Dabei geht es darum, dass jeder, auch körperlich eingeschränkt, in dem Haus wohnen kann. Für die Auszeichnung „Barrierefrei geprüft“ mussten die Bauherren daher nichts an den Räumlichkeiten verändern, sondern die Ferienwohnung lediglich vom Landesbeauftragten des DSFT begutachten lassen, der selbst im Rollstuhl anreiste.

Die Mitbewohner auf Zeit kommen aus aller Welt. „Es ist sehr gemischt und abwechslungsreich. Unser allererster Gast kam aus Dubai. Wir hatten auch schon Besucher aus Holland oder einen Mieter aus Großbritannien“, erzählt Barth. Einen körperlich eingeschränkten Gast konnte die Alzeyerin bislang zwar nicht begrüßen, doch alle Besucher freuten sich über die großzügige Wohnung und kämen gerne. „Es sollte wie ein eigenes Heim sein mit einem gewissen Luxus, Natur und Ruhe.“

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Von Ivana Kettern