Deutsche Umwelthilfe fordert trotz Grenzwertunterschreitung...

Trotz großen Verkehrsaufkommens liegen die Messwerte in Alzey deutlich unter der Obergrenze.Foto: elcovalana – stock.adobe  Foto: elcovalana – stock.adobe

Die Drucker liefen bereits auf Hochtouren und die entsprechenden Schilder für das Fahrverbot in der Volkerstadt seien auch schon bestellt. Nur das blaue Papier für die neuen...

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ALZEY. Die Drucker liefen bereits auf Hochtouren und die entsprechenden Schilder für das Fahrverbot in der Volkerstadt seien auch schon bestellt. Nur das blaue Papier für die neuen Dieselplaketten würde langsam knapp. „Aber Gelbes haben wir noch genug“, witzelt Stadtbürgermeister Christoph Burkhard. Das passe ohnehin besser zu den Stadtfarben.

Mittlerweile kann Burkhard darüber scherzen. Ganz anders war ihm zumute, als ihn per E-Mail der Bericht der Deutschen Umwelthilfe (DUH) erreichte. Ein Bericht über die Messergebnisse zur Stickstoffdioxidmessung in der Römerstraße. Inklusive Forderungen nach Sofortmaßnahmen. Mit dem Hinweis, dass ein Dieselfahrverbot rechtlich gesehen möglich sei.

Deutsche Umwelthilfe fordert trotzdem Verbote

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Für einen verfrühten Aprilscherz habe er es nicht gehalten, sagt der Stadtchef. Doch skeptisch sei er durchaus gewesen. Auf Rückfrage stellte sich raus, dass es sich tatsächlich um die Organisation handelt, die den Dieselmotoren den Kampf ansagt und sich für bessere Luft in Deutschlands Städten einsetzt. Für Burkhard steht fest: „Ich orientiere mich an den gesetzlichen Richtwerten.“ Und die ließen ihn mit Blick auf die Messergebnisse kräftig durchatmen. 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft schreibt der Gesetzgeber als Grenzwert vor. Der tatsächlich gemessene Wert in der Römerstraße: 27,7 Mikrogramm NO2. „Toll“, dachte sich Burkhard. Eine Grenzwertunterschreitung von über 30 Prozent, an einem der neuralgischsten Punkte der Stadt.

Die DUH sieht das anders und fordert Maßnahmen. Dieselfahrverbot. Jetzt. Oder wenigstens andere Mittel zur Reduzierung des Stickstoffdioxidgehalts in der Luft bis zum Herbst 2018. Zumindest Messstationen zur weiteren Beobachtung. Gegebenenfalls mit Passivsammlern. Auch wenn der gemessene Wert deutlich unter dem Grenzwert liegt.

Die DUH stützt sich dabei auf neueste Studien des Umweltbundesamts. Die belegten, dass „schon bei Konzentrationen deutlich unterhalb des einzuhaltenden Grenzwertes von 40 Mikrogramm jährlich über 800 000 Atemwegs-, Herz-Kreislauferkrankungen und Diabetes sowie 6000 vorzeitige Todesfälle zu verzeichnen“ seien. Deshalb der Appell an den Stadtchef, sich stärker für den Schutz der Gesundheit seiner Bürger einzusetzen und aktiv zur Luftverbesserung beizutragen. Die Erwartung der DUH an Burkhard: Die zeitnahe Unterschreitung von 20 Mikrogramm. Um Mitteilung über die eingeleiteten Maßnahmen wird gebeten.

Ins Rollen gekommen war die Aktion, als die DUH bundesweit Bürger aufforderte, Orte zu melden, an denen schlechte Luft herrscht. Ein Alzeyer Bürger, der sich dazu nicht äußern wollte, kam dem Aufruf nach. Zwischen dem 1. Februar und dem 1. März hing das Messgerät am Kreisel vor dem Finanzamt. Die Ergebnisse wertete ein Labor in der Schweiz aus. Eine von insgesamt 559 Messungen bundesweit. In 89 Prozent habe der Wert über 20 Mikrogramm gelegen. Erschreckend, sagt die DUH.

27,7 Mikrogramm NO2 in Alzey. Zum Vergleich: In einer Messstation in Frankfurt am Main wurden im selben Zeitraum 52 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft gemessen. Angesichts dessen bleibt dem Stadtchef nicht die Luft weg. Ja, Alzey sei verkehrsreich, bestätigt Burkhard. Aufgrund steigender Arbeitsplätze und Einwohnerzahlen werde der Verkehr mittelfristig auch nicht weniger. Das gerade an der Stelle mit hohem Verkehrsaufkommen dennoch der Grenzwert deutlich unterschritten wird, sei „gut zu wissen“. Zumal: „Die Luft in Alzey wird nicht schlechter“, prognostiziert Burkhard. Denn moderne Antriebsarten seien auf dem Vormarsch.

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Auch in der Stadtverwaltung. Bis 2020 werden die Dieselfahrzeuge des Stadtfuhrparks ausgetauscht, verspricht Burkhard. Der Großteil fahre jetzt schon mit Erdgas. Den ersten „100-Prozent-Stromer“ habe man ebenfalls schon. Der Zweite folgt. Und auch die Gebäude würden immer wieder auf den neuesten Stand der Technik gebracht. „Allein in diesem Jahr investieren wir 15 Millionen Euro in die umweltfreundliche Infrastruktur“, sagt Burkhard und stellt deshalb fest: „Der Ton der Deutschen Umwelthilfe ist völlig unangebracht.“ KOMMENTAR