Alzeyer Steinhalle: ein Edelstein zwischen 70er-Jahre Bauten

Bürgermeister Christoph Burkhard erläutert bei der Bürgerversammlung das Steinhallen-Projekt. Die meisten Erklärungen wurden mit Applaus quittiert. Foto: BilderKartell/Axel Schmitz

Bei der Bürgerdiskussion um die Steinhalle behalten die Befürworter die Oberhand. Architekt Eichler räumt mit Fehleinschätzungen über fehlende Fenster und falsche Dimensionen auf.

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ALZEY. Ändert sich die Verkehrsführung auf dem Parkdeck? Wird das Gebäude beleuchtet? Warum können die Steine nicht weiter im Burggrafiat bleiben? Es war ein interessiertes, sachliches, aber durchaus auch kritisches Publikum, das sich am Donnerstagabend in der Stadthalle eingefunden hatte, um sich über den geplanten Neubau der Steinhalle im Anschuss an das Museum zu informieren. Rund 70 Bürger waren gekommen, viele bekannte Gesichter und auch einige Stadtratsmitglieder.

Geschlosener Platz wie ein zweiter Roßmarkt?

Nachdem Bürgermeister Christoph Burkhard noch einmal die Chronologie der Entwicklung des Projekts, das, wie er betonte, in fünf Ausschuss- und zwei Stadtratssitzungen einstimmige Zustimmung gefunden hatte, erläutert hatte, hob Museumsleiter Dr. Rainer Karneth noch einmal die Bedeutung der römischen Steine hervor. Architekt Ernst Eichler stellte das Projekt erneut ausführlich erläutert vor, dann ging es in die Diskussion. Es gab Lob und Tadel für den Steinhallen-Plan, letztlich hatte die Zustimmung eindeutig die Oberhand, was sich auch darin manifestierte, welche Beiträge gelegentlich mit Applaus quittiert wurden.

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Als absoluter Befürworter des Projekts meldete sich Michael Gauch zu Wort, der gleich zweimal das Wort ergriff: „Dieser Entwurf ist supergut gelungen, das ist toll für die Stadt“, sagte der Inhaber des Hotels Selzgold, der den Neubau künftig immer vor Augen haben wird. Den Wegfall von Parkplätzen sieht er als kein Problem: „Ich kenne keine Stadt, die mit Parkplätzen so gut bestückt ist wie Alzey.“ Der Bau sei eine tolle Aufwertung für den Platz. Dadurch, dass dieser nun zur Hospitalstraße hin geschlossen werde, könne eine Art zweiter Roßmarkt entstehen.

Den Wegfall der breiten Treppe bedauerte ein Bürger, Eichler konnte ihm da nicht zustimmen. Das sei ein Aufgang, breit wie zu einem Schloss wie Versailles, und oben angekommen, schaue man in acht Auspuffe oder alternativ auf Kühlergrills. Im Übrigen liefen Passanten von der Wilhelmstraße direkt auf die bestehende Treppe zu. Und wer aus der Antoniterstraße komme, könne geradeaus weiterlaufen. Dazwischen die Straße zu überqueren, sei eigentlich sowieso nicht sinnvoll.

„Der Entwurf hat mir in den Augen weh getan, so viele schiefe Flächen“, kritisierte Hans-Jürgen Meffert. Ein Privatmann nehme sich für solche Planungen monatelang Zeit, verwehrte er sich dagegen, dass diese Architektur „durchgepeitscht“ werde. Die Steinhalle sei monströs und unpassend. Thomas Metz, Generaldirektor der Generaldirektion Kulturelles Erbe (GDKE), habe den Entwurf auf dem Schreibtisch gehabt und mit der Architektur neben der Steinhalle kein Problem, sagte Eichler. Ein Entwurf sei nicht allein deshalb schlecht, weil die Zeit knapp sei. Es habe trotzdem rund 60 Entwürfe in seinem Architektenbüro gegeben und der beste sei ausgesucht worden.

„Diese große Gestaltung passt einfach nicht“, kritisierte ein weiterer Besucher. Der Bau füge sich im Stil und im Maßstab nicht in die Umgebung. Der überdimensionierte Bau stelle sich gegen die Umgebung und die Historie. Das konnte Eichler nun nicht sehen. Das Hotel Selzgold sei mit vier Etagen doppelt so hoch, stelle er klar. Auch die Gebäude auf der anderen Seite der Hospitalstraße seien höher und der First erreiche gerade einmal die Traufhöhe des Museums. Dass der Bau nicht der Gestaltungssatzung entspreche, räumte Burkhard unumwunden ein. Man wolle aber eine Skulptur hier hinstellen. Auch gegen das heutige Wahrzeichen, den „Ackergaul“ Max auf dem Roßmarkt, habe es einst Widerstand gegeben. Und die Nikolaikirche wäre wohl, hätte es damals eine Gestaltungssatzung gegeben, nie gebaut worden. Jede Epoche habe ihre Berechtigung. Die Architektur des einstigen Hospitals und heutigen Museums zu kopieren, wäre Disneyland. Der Bau sei ein Denkmal für die Zukunft, das solle sich die Stadt gönnen. Uneins war sich das Ehepaar Wollny über die Architektur. Während Anselma Wollny den derzeit offenen Platz super findet und sich gegen die künftige „Sperre“ ausspricht („Das passt in diese Ecke überhaupt nicht“), hatte Ehemann Eckhard nichts gegen die Architektur („Das hier ist großes Kino!“) einzuwenden. Er merkte nur an, die Stadt hätte viel früher eine solche Veranstaltung machen sollen.

Begeistert äußerte sich Doris Seibel-Tauscher über den Entwurf. „Das ist ganz toll, dass so etwas in Alzey stehen wird.“ Im Übrigen seien nur das Museum und das AZ-Gebäude aus früheren Epochen, die übrigen Gebäude datieren zwischen 1970 und 1987. „Da kann man mal so einen Edelstein dazwischen setzen.“ Thomas Hasselbach verwies darauf, dass auch die Zuschüsse Steuergelder seien und fragte, wie realistisch die Schätzung sei. Eichler antwortete, sein Büro gebe eigentlich immer sehr realistische Schätzungen ab und verwies auf die Feuerwache, die letztlich nur aufgrund der Probleme mit dem Untergrund teurer geworden sei. Das neue Gebäude der Kreisverwaltung – ein Zehn-Millionen-Projekt – sei letztlich sogar 500 000 Euro preiswerter geworden.

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Von Stefanie Widmann