Alzey: Was macht eigentlich Gerhard Langkabel?

Gerhard Langkabel in seinem Vorgarten, den er leidenschaftlich pflegt. Foto: Pascal Affelder

Nach elf Jahren als Schulleiter des Römerkastells ist Gerhard Langkabel im Ruhestand. Langweilig wird dem 65-Jährigen aber sicher nicht.

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ALZEY/BOLANDEN. Kein Boot, dafür hat Gerhard Langkabel ein Paar knallrote Gummistiefel. Die bekam der frühere Schulleiter des Römerkastells im Juni 2017 zu seinem Abschied geschenkt. Und mit ihnen stapft er immer noch durch seinen Vorgarten, den der leidenschaftliche Gärtner jeden Tag bepflanzt und gießt. Das Schmuckstück seines Hauses in Bolanden, wo der „G. Langkabel Gedächtnisweg“ zwischen Blumenbeeten, Swimmingpool und akkurat gemähtem Rasen entlang führt. Es ist nur einer von vielen Bereichen, in denen sich der Pensionär jetzt austobt.

Ein weiterer fester Bestandteil seines Tagesablaufs ist der Sport. Am liebsten auf dem Fahrrad, „aber kein E-Bike“, betont der 65-Jährige. Das ist ihm wichtig. Mit den Radwegen im Donnersbergkreis ist er zwar nicht besonders glücklich, zu hügelig sei die Landschaft. Aber das ist kein Problem. Zieht es ihn mal nicht nach draußen, steht in seinem Büro ja noch ein Crosstrainer – ein Sportgerät in dem Raum, in dem sich vor zwei Jahren noch Schulbücher stapelten.

Ansonsten hat Gerhard Langkabel keinen geregelten Tagesablauf. „Gerade das ist ja das Schöne“, sagt der ehemalige Schulleiter. Obwohl er die Vorzüge des Ruhestands durchaus genießt, vermisst er seinen Beruf. Am Römerkastell war Langkabel besonders wegen seines menschlichen Führungsstils beliebt. Elf Jahre leitete er die Schule und hinterließ seine Spuren. Lehrer, Sekretärinnen und auch Eltern vermisst Langkabel allesamt. „Und besonders den Kontakt mit der jungen Generation habe ich immer geschätzt“, sagt der Pensionär. Das Sekretariat besucht der 65-Jährige immer noch regelmäßig, stattet den Kollegen auch bei Schulveranstaltungen hin und wieder einen Besuch ab.

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Der Abschied vom Beruf, er hat eine Lücke bei Gerhard Langkabel hinterlassen. Da trifft es sich gut, dass er sich an einem weiteren seiner Abschiedsgeschenke vom Römerkastell noch heute erfreut. Förderverein und Schülervertretung schenkten dem Weinliebhaber damals eine Rebenpatenschaft beim Albiger Weingut Knell. Heute genießt er den „sehr feinen Riesling“, der daraus entsteht.

Mit seinen beiden Enkelkindern verbringt Langkabel nun sehr viel Zeit. Das gehört für ihn zu den „wichtigen Dingen“. Außerdem verreist er regelmäßig mit seinem Wohnmobil. Mal innerhalb Deutschlands, mal quer durch Europa. Südfrankreich ist sein liebstes Urlaubsziel, hin und wieder zieht es den Pensionär aber auch in die Schweiz oder nach Norditalien. Für die Wohnmobil-Trips konnte er inzwischen auch seine Frau Michaela gewinnen. „Dafür hat sie jetzt die Kreuzfahrten für sich entdeckt. Da muss ich dann mit“, sagt Gerhard Langkabel mit einem Grinsen im Gesicht. Das nimmt er gerne in Kauf.

Gerhard Langkabel war nicht nur Direktor, sondern auch Geschichtslehrer aus Leidenschaft. Heute setzt er sich mit der Geschichte eben nicht mehr während der Arbeit, sondern in seiner Freizeit auseinander. „Gerade finde ich den Dreißigjährigen Krieg ziemlich spannend und beschäftige mich damit, auch wenn das vielleicht komisch klingt.“

Wenn bei den vielen Interessen doch mal etwas Zeit übrig bleibt, geht er mit seiner Frau gerne ins Theater nach Mainz oder Kaiserslautern. Langweilig wird dem Pensionär so schnell sicher nicht. Trotzdem sagt er: „Man muss einfach schauen, wie lange das alles einen erfüllt.“

Wenn es das nicht mehr tut, hat Gerhard Langkabel einen Plan B. Er möchte ein Ehrenamt ausüben. Welches, das weiß er noch nicht.

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Von Pascal Affeder