Auf KUZ-Kurs mit neuem Team

KUZ-Koordinator Ulf Glasenhardt (2.v. re.) mit Mitgliedern seines neuen Teams: Britta Schuster, Sina Peter und Christopher Breaux (v. li.) vor der Bühne in der „Werkhalle“. Foto: Harald Kaster

Eine junge Crew um Kulturkoordinator Ulf Glasenhardt sorgt nach der Wiedereröffnung des Kulturzentrums für volles Programm in der Kultspielstätte.

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MAINZ. Ein Bügelbrett lehnt am Fenster, auf dem Tisch lockt eine Obstschale. An der Wand leuchtet ein prall gefüllter Getränke-Kühlschrank neben einer Kaffee-Insel. Die Künstlergarderobe im Obergeschoss des KUZ, wo Ulf Glasenhardt sein junges Team zu einer Besprechung zusammentrommelt, ist nicht der schlechteste Relax-Ort. Auch wenn die Ruhezeiten in den hochgefahrenen Kultur-Schaltkreisen des historischen Backsteinbaus an der Dagobertstraße rar gesät sind. Seit der im Nu ausverkauften Wiedereröffnung des rundum modernisierten Kulturzentrums vor vier Wochen klebt dem KUZ-Koordinator das Smartphone nahezu am Ohr. Und auch seine sechsköpfige Mannschaft, die meisten unter Dreißig, ist mitten im quirligen Veranstaltungsgetriebe angekommen, das jeden Tag neue Herausforderungen bereithält. Beispielsweise überquellende Garderoben oder gelegentlicher Stau vor der Getränketheke in der „Werkhalle“, der neuen, bis zu tausend Besucher fassenden KUZ-Manege.

Die Zahnräder müssen ineinander greifen

Die Abläufe im Haus müssen sich erst einspielen, bis alle Zahnräder ineinandergreifen, sagt Britta Schuster. Sie ist Glasenhardts Assistentin und irgendwie auch Mädchen für alles – vom Booking über die Produktionsdurchführung bis zur Personalplanung. Dazu gehört auch die Einarbeitung von 50 Aushilfen, die am Tresen, der Garderobe oder an der Abendkasse eingesetzt werden.

Kernarbeit ist aber die Programmgestaltung und Buchung der Künstler, die das Profil der Traditionsspielstätte mit über dreißigjähriger Geschichte prägen. 220 Veranstaltungen will Glasenhardt jährlich anbieten, davon 50 Konzerte. Über 60 KUZ-Acts sind bereits für die kommenden Monate gebucht. Das Haus genieße zwar nach wie vor einen guten Ruf in der Branche, müsse sich nach dem dreijährigen sanierungsbedingten Abtauchen aber wieder im Bewusstsein der Agenturen verankern, meint der Veranstaltungsprofi, der im Dezember 2016 vom Wiesbadener Kulturpalast als KUZ-Koordinator in die Dienste von Mainzplus Citymarketing trat. Bei der Programmplanung können die neuen KUZler aber auf ein breites Netzwerk eigener Kontakte zurückgreifen. Mit einer halben Stelle mit an Booking-Bord ist Jules Zimmermann, der auch die Musikpalette des „Schon schön“ mit angesagten Bands bereichert. Zuweilen profitiert die Konzert-Akquise auch vom künstlerischen Knowhow des Frankfurter Hofs, über dessen Vermittlung etwa die Politaktivistinnen von Pussy Riot am 22. Januar im KUZ auftreten. Einige Formate, die für Vielfalt bürgen, sind haus- beziehungsweise mainzgemacht, wie die Gastspiele von Junger Bühne und Showbühne, die Traditionsreihe „Kids im KUZ“, Poetry Slams oder die regelmäßigen Partys, bei denen teilweise auch DJs aus alten KUZ-Zeiten auflegen. Bei den Konzerten sei es wichtig, am Puls der Zeit zu bleiben, neue Strömungen einzufangen und auf die Bühne zu bringen, sagt Britta Schuster. „Wir wollen noch stärker in den subkulturellen Bereich mit innovativen Genres wie etwa der Neoklassik eindringen“.

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Damit den Programm-Machern in Sachen neuer Sounds nichts entgeht, checkt Zimmermann derzeit im niederländischen Groningen bei der „Eurosonic“, dem größten europäischen Talentfestival des Musikbusiness, mögliche KUZ-Kandidaten. Glasenhardt reist am Montag nach Freiburg zur Internationalen Kulturbörse mit Schwerpunkt Straßentheater und Walking Acts.

Derweil geht der Veranstaltungsbetrieb im erneuerten KUZ natürlich weiter. Feste Arbeitszeiten gibt es nicht. Das Team teilt sich den Tag, der bei Partys erst gegen 4 Uhr morgens endet, in Schichten auf. Stehen Konzerte ins Haus, reicht der zeitliche Aktionsradius von 12 Uhr bis 24 Uhr. Vom Aufbau und Soundcheck der hochmodernen digitalen Audioanlage unter der Regie von Veranstaltungstechniker Carlo Schönau bis zum Auftritt der Künstler und den Aftershow-Nachwehen. Kommunikatives Zentrum bei Konzerten und Partys ist der neu gestaltete Thekenbereich, den Sina Peter managt. Neben dem Anlernen und Aufteilen der Tresen-Hilfskräfte, die bei vollem Tanzsaal Überblick und Zapfsicherheit bewahren müssen, gilt es das um Cocktails und lokale Brau-Marken erweiterte Getränkeangebot rasch und zielsicher ans Publikum zu bringen. Bier, Weinschorle und Longdrinks rangieren ganz vorne bei den Durststillern, wobei Mineralwasser schon ab 1 Euro zu haben ist.

Für die Außenwirkung des KUZ sorgt Kulturmarketing-Mann Christopher Breaux, der neben der Pressearbeit auch die Homepage und die monatlich in einer 10 000er Auflage erscheinenden, in schwarz-gelbem KUZ-Design gestalteten Programmhefte mit Texten bestückt. Das Layout und die Plakate gestaltet eine freie Grafikerin. Wie das Kulturangebot beim KUZ-Volk ankommt, wird im Team immer montags bei den wöchentlichen Lagebesprechungen diskutiert und, wenn erforderlich, Mängel behoben. Das Feedback der Besucher – es waren über 10 000 in den ersten Wochen – sei bislang durchweg positiv, sagt Glasenhardt. Wie es aussieht auch bei den Künstlern. „Tollster Club Europas“ hat „Selig“-Sänger Jan Plewka nach seinem Rio-Reiser-Abend ins Gästebuch geschrieben.