Melancholie aus der Werkhalle mit Echohall: „The Notwist“...

„The Notwist“ beim ersten KUZ-Konzert im Rahmen der Kulturwoche. Foto:  hbz/Judith  Wallerius

Die Weilheimer Klangtüftler „The Notwist“ inszenieren im randvollen und nagelneuen Mainzer KUZ ein Panoktikum introvertierter Songs und lassen dazu bizarre Klangwellen strömen.

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MAINZ. Wer ein Rock’n’Roll-Konzert erwartet hat, dürfte sich verwundert die Augen gerieben haben. Den Weilheimer Klangtüftlern von „The Notwist“ wurde die Ehre zuteil, als erste große Band das neue KUZ zu bespielen.

Enge und Erwartungshaltung des Publikums sind in der großen Werkhalle physisch spürbar. Manche kennen die Band von früheren Konzerten, andere haben Filme gesehen, für die „The Notwist“ den Soundtrack produzierten, wie zuletzt den Krimi-Vierteiler „Das Verschwinden“ von Hans-Christian Schmid.

Als „The Notwist“ 1989 als Band loslegten, standen Techno und moderne Clubsounds noch in den Startlöchern. Damals wie heute könnte man ihre Musik mit dem Etikett „Schrammelgitarre und bizarre Sounds treffen auf Bleeps und Klonx aus dem Laptop“ versehen.

Ob man das nun Psychedelia, Ambient, Postpunk, Electronica oder Noiserock nennt, mag jeder für sich entscheiden. Nahezu alle Stücke basieren auf melancholisch anmutenden Songstrukturen, die jedoch live bearbeitet, kontrastiert oder durch den elektronischen Fleischwolf gedreht werden.

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Nachdem der bisherige Sounddesigner „Console“ alias Martin Gretschmann die Band verlassen hat, übernimmt nun Christoph Beck die Stelle hinterm Rechner und den Keyboards und greift auch mal zur lärmenden Gitarre.

Der Kern der Band besteht nach wie vor aus den Acher-Brüdern Markus (Gesang & Gitarre) und Micha (Bass) sowie Andreas Haberl am Schlagzeug. Bei Konzerten kommen Vibraphonist Karl Ivar Refseth und Max Punktezahl als Keyboarder und Gitarrist hinzu. Während die introvertierten Songs und der monotone Gesang Markus Achers Lagerfeueratmosphäre versprühen, rattern und knistern Geräusche und Breakbeats aus dem Computer parallel zu Trommelattacken, Echoschleifen und Soundwällen.

Was die Kölner „Can“ vor fünf Jahrzehnten live vorgemacht haben, produzieren „The Notwist“ digital mit weit weniger spektakulären Ergebnissen. Sampler, Sequenzer, Echogeräte und Drum-Machines haben zwar keine Seele, können aber nicht minder Spaß machen. Doch trotz manch guter Ansätze geraten Stücke beliebig. Monotonie und repetitive Muster vermögen zwar Trance und Ekstase zu erzeugen, verlieren sich aber oft im aufdringlichen Perkussionsgeklingel, das immerhin zum Tanzen einlädt.

Echo, Dub und Dancehall-Effekte lockern den Breakbeat ein ums andere Mal auf. Eine simple Melodie und entspannte Vibraphonklänge vermögen oft mehr zu beeindrucken als noch so trickreiche ausschweifende Soundorgien.

Von Fred Balz