Liedermacherin Dota und Band auf der Zitadelle in Mainz

Platz für Poesie und beschwingte Stimmung: die Liedermacherin, Gitarristin und Band-Chefin Dota beim Konzert auf der Zitadellen-Bühne. Foto: Harald Kaster

Tiefgang mit leichter Hand und wie hingetupft: Das kennzeichnet die neuen Stücke aus der Feder der modernen Schlagersängerin und Liedermacherin aus Berlin.

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MAINZ. Dota auf der Zitadelle – das ist eher ein Fest fürs studentische Publikum, das die Liedermacherin und Musikproduzentin zu ihrer Wortführerin gemacht hat. Immerhin erhielt sie 2011 im Unterhaus den deutschen Kleinkunstpreis der Sparte Lied und spielte auf dem Open-Ohr-Festival.

Dass sie schon seit 20 Jahren auf der Bühne steht, sieht man der vor jugendlichem Elan sprühenden Berliner Liedermacherin, Jahrgang 1979, kaum an. Dabei wird die lachende, tanzende und scherzende einstige Straßensängerin perfekt von ihrer Band in Szene gesetzt. Zu den Folk-, Jazz- und Bossa-Nova-Elementen der Anfangszeit sind mittlerweile Elemente aus Elektropop, Synthwave, Disco, Deutsche Welle, Dub und Reggae getreten. Verständlich, dass sie nach eineinhalb Jahren Pause ihre neuen Songs vom Album „Wir rufen dich, Galaktika“ singen möchte. Damit ist nicht die Weltraumsaga gemeint, sondern eine kleine lila Fee aus der TV-Klappmaulpuppenserie „Hallo Spencer“, die mit ihren magischen Kräften immer dann zur Hilfe gerufen wird, wenn die Dinge aus dem Ruder laufen.

So klingen Dotas Texte heute leichter, verspielter und humorvoller als frühe Protestsongs. Da ist Platz für Poesie, Albernheiten und Partystimmung wie auch für Bewegung auf und vor der Bühne. Kopflastigkeit weicht einer beschwingten Leichtigkeit.

Melodien, die schnell ins Ohr gehen

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Stimmlich ist Dota in Hochform, und perfekter Sound sorgt zudem dafür, dass man ihre Worte auch versteht. Einen Spätsommerabend mit Mauerseglern am leuchtend blauen Himmel gibt es zwar nicht an diesem kühlen Abend, doch der Einstieg motiviert zu ersten Tanzbewegungen. Dota macht vor, wie es geht, während die Band ein hymnisches Zwischenspiel einlegt. „Eine Umarmung zum Abschied ist besser als nichts“ singt sie im Anschluss – und will doch nur einen festen Platz in seinem Herzen. Liebeslieder gibt’s üblicherweise in der Schlagersparte, aber vielleicht ist Dota ja eine moderne Schlagersängerin... Ihre Melodien sind eingängig, plakativ und nisten sich im Gedächtnis ein. Was spricht gegen einen Ohrwurm, wenn er den Text direkt zum Herz des Hörers transportiert? Für Dotas luftige Melodien findet die Band stets das passende Gewand. Keyboarder Patrick Reising brilliert an eigenwillig blubbernden, zischenden und wabernden Synthesizern und Keyboards. Janis Görlichs Mischung aus staubtrockenem lässigem Schlagzeugspiel samt elektronischen Samples kommt in echolastigen Dubstücken besonders zur Geltung. Die präzisen Gitarrenlinien Jan Rohrbachs klingen maniriert, passen aber zum Elektropop. Und Alex Binders Bass bringt mit allerlei WhaWha-Verfremdungseffekten den Groove in die Band.

„Ich bin leider schuld“ kommt so im plakativen Elektropopgewand mit heftigen Schlagzeugsalven daher und knüpft textlich an frühere Umwelthymnen an. Nur sucht Dota den Fehler nicht bei anderen: Sie selbst killt Mücken, badet gerne heiß, kauft ein, isst gut und erkennt ihren Beitrag zur Umweltmisere an. Nachhaltigkeit ohne Verzicht ist eben schwer zu erreichen. Jeder macht mal Mist, bekennt sie im funkigen Popsong mit sphärischem Intermezzo „Ich halte zu dir“, während „Photosynthese (auf dass der Planet genese)“ nur ein lustiger Folksong ist, in dem Dota als Baum reinkarniert werden möchte.

Schließlich singt sie doch noch Lieder ihres „Mascha Kaleko“-Albums, ihr einstiges Duett mit Hannes Wader, ein Loblied auf die Bademeisterin und über ihre Abneigung gegenüber Facebook, Twitter und Co. Und die wenigen alten Lieder singt das Publikum lauthals mit.

Von Fred Balz