Konzert der Deutschen Philharmonie Merck in Griesheim

Das erste Konzert im neuen Jahr absolvierten die Musiker mit ansteckend guter Laune. So gelangen selbst Schlachtrösser des Neujahrsrepertoires mit Frische und Originalität.

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GRIESHEIM/BENSHEIM. Diese gute Laune wirkt tatsächlich ansteckend. Das erste Konzert im neuen Jahr ist ja auch für die Musiker der Deutschen Philharmonie Merck ein Wiedersehen nach der kurzen Weihnachtspause, und sie absolvierten das Auftaktkonzert am Samstagnachmittag in der Griesheimer Wagenhalle mit auffallender Heiterkeit, die bei der Wiederholung am Abend im Bensheimer Parktheater kaum nachgelassen haben dürfte. Es gab ja auch gute Gründe dafür – ein großes, begeistert applaudierendes Publikum, ein eher leichtgewichtiges Programm, das gleichwohl mit kleinen Raritäten gespickt war, ein Chefdirigent Ben Palmer, der sich zugleich als Motivator und Energiequelle seines Ensembles versteht.

Im Vergnügungszug tanzen die Waggons

Unter diesen Voraussetzungen gelangen selbst Schlachtrösser des Neujahrsrepertoires wie der Donau-Walzer oder der Radetzky-Marsch mit Frische und Originalität. Die „Vergnügungszug“-Polka von Johann Strauß’ Sohn setzte sich so unkonventionell in Bewegung, als würden die Waggons zu tanzen beginnen, im „Johanniskäferln“-Walzer ließ das Orchester die Glühwürmchen in vorwitzigen Flötenspitzen leuchten, sang ein wenig mit und hatte Spaß an dudeligen Klarinettentönen. Und die „Russische Marschfantasie“ wurde zur ironischen Karikatur stapfender Schwerfälligkeit.

Überhaupt war es schön zu hören, wie diese Interpretationen von der gestischen Energie der melodischen Erfindungen leben. In zwei größeren Stücken von Franz Lehár kam noch das Klangbad süffiger Instrumentierung dazu. Sowohl das „Ballsirenen“-Potpourri als auch die Ballmusik „Gold und Silber“ knüpfen melodische Episoden sehr elegant aneinander, und Palmer widmete gerade den Übergängen so große Sorgfalt, dass über den schönen Melodien die Gesamtinszenierung erkennbar wuchs.

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Den ersten Teil des Konzerts hatte er einem seiner Lieblingsstücke gewidmet, und er interpretierte Beethovens zweite Sinfonie ganz aus der Perspektive des erfahrenen Haydn-Interpreten. Palmer hatte für dieses Konzert, wie häufig, die europäische Aufstellung gewählt mit den zweiten Geigen vorne rechts. Auf die von ihm geschätzte Platzierung der Kontrabässe in der hinteren Reihe musste er verzichten, weil im Bensheimer Parktheater der Platz nicht ausreicht. Das Orchester folgte konzentriert seiner nicht übertrieben schwergewichtigen Deutung.

In der langsamen Einleitung gab es noch kleine Artikulations-Unschärfen in den Piano-Streicherfiguren, aber im Verlauf des ersten Satzes wuchs die Vitalität hörbar. Das Larghetto erschien nicht übertrieben verdüstert, die dramatischen Zuspitzungen hatten in den zarten Streicherfiguren ein verlässliches Gegengewicht, dem kernigen Scherzo folgte ein dramaturgisch klug kalkuliertes Finale: eine nicht durch überraschende Effekte, sondern in ihrer Seriosität überzeugende Beethoven-Interpretation.