Darmstädter Bigband bekommt Musikpreis und dankt mit Konzert

Musikalische Männertruppe: Die Darmstädter Bigband beim Konzert zur Verleihung des Darmstädter Musikpreises; stehend Saxofonist Dieter Böck beim Solo.Foto: Dirk Zengel  Foto: Dirk Zengel

Der Darmstädter Musikpreis setzt ein Zeichen für die lokale Jazz-Szene: Der Hauptpreis ging an die Darmstädter Bigband, das Stipendium ans Ensemble „Triorität“. Beide...

Anzeige

DARMSTADT. Wer den Darmstädter Musikpreis erhält, bringt sich sein Ständchen meistens selbst. So werden die Verleihungen zu einem kleinen Festival, sagte am Montagabend Peter Benz, Vorsitzender des Förderkreises Kultur, der die Auszeichnung gemeinsam mit der Sparkasse Darmstadt vergibt; im Ritual der Urkundenübergabe debütierte Sascha Ahnert, der neue Vorstandsvorsitzende der Sparkasse.

Weil die Jury in diesem Jahr den Akzent auf den Jazz setzte, war der Abend im vollbesetzten Saal der Centralstation zugleich ein Familientreffen der Darmstädter Jazzszene. In der ist die Darmstädter Bigband verwurzelt, seit sie 1985 aus dem Jazzclub heraus gegründet wurde.

Druckvoll, aber entspannt

Anzeige

Ein paar Mitspieler aus frühen Jahren sind noch dabei in dieser reinen Männertruppe, in der Profis und fortgeschrittene Amateure gemeinsam spielen. Es ist die gemeinsame Erfahrung, die das Ensemble so gelassen agieren lässt wie in „Count Bubbas Revenge“, einem Stück von Gordon Goodwin, das Bandleader Peter Linhart zum Einstieg gewählt hatte, weil es die Satzgruppen so schön präsentiert – erst die Reihe der fünf Saxofone, die weitergibt an die dahinter sitzenden vier Posaunen, bevor das Trompeten-Quartett übernimmt. Die Soli sind flüssig eingebunden, bevor sich die musikalische Reisegruppe in fanfarenartigen Einwürfen wieder sammelt.

„But Beautiful“, ein Arrangement von Bill Holman, beginnt im melancholischen Balladenton und geht dann zielstrebig in die musikalische Verdichtung und Verflechtung. Druckvoll und doch entspannt packt die Band ihren satten, strahlenden Bläsersound aus, gibt in einem Medley aus Bernsteins „West Side Story“ dem glänzenden Schlagzeuger Jens Biehl Gelegenheit zum starken Auftritt, gewährt mit dem Arrangement von Pat Methenys „And then I knew“ Ausblick aufs nächste Konzert, das ganz den Stücken dieses Musikers gewidmet sein soll. Pat Metheny im Big-Band-Sound, geht das überhaupt? Ja, und wie.

Das Ensemble ist eben immer auf der Suche nach neuen Einflüssen: Daran erinnerte Bernd Breitwieser vom Kulturzentrum Bessunger Knabenschule, dem Stammspielort der Bigband, in seiner Laudatio. Immer wieder hat Linhart, der die Band seit 1990 leitet, Gastdozenten zu Konzerten und Workshops geholt, Peter Herbolzheimer war darunter, Ack van Rooyen oder George Gruntz. Es war, so Breitweiser, Linharts sachkundige und lebhafte Leitung, mit der die Band sich entwickelt habe „zu einem Klangkörper, der es mit hochprofessionellen Ensembles aufnehmen kann“.

Breitwieser nutzte die Laudatio auch zum eindringlichen kulturpolitischen Appell, nicht an den Zuschüssen kleiner Initiativen zu sparen, weil gerade sie das Talent haben, aus sehr wenig sehr viel zu machen: „Hier zu kürzen, saniert keinen Haushalt, schädigt aber die Stadtgesellschaft“, sagte Breitwieser, und es klang wie eine Antwort an Oberbürgermeister Jochen Partsch, der seinerseits zu Beginn die Kultur in den Mittelpunkt der aufgeklärten, offenen und lebendigen Gesellschaft gestellt hatte.

Das Stipendium des Darmstädter Musikpreises ging an das junge Ensemble „Triorität“, klassisch besetzt mit Klavier (Gerrit Ebeling), Bass (Grégoire Pignède) und Schlagzeug (Alexander Hoffmann), ganz unklassisch im innovativen Umgang mit dem musikalischen Material. Da gibt es ein verträumtes Solo des E-Basses über ostinaten Klavierakkorden, virtuoses Bassblubbern und einen Schlagzeugeinsatz, der Klang und Rhythmus in wechselnden Gewichten einbringt, zugleich fügen die Elemente sich ganz selbstverständlich zusammen, während das wachsende musikalische Ereignis geprägt ist vom Sinn für sperrige Rhythmen. Das hat Klasse und ist sehr, sehr individuell. Aber auch offen für Mitspieler. Im letzten Stück legt „Triorität“ einen pulsierenden Klangteppich aus, über dem die charakterstarken Sax-Linien von Peter Linhart wachsen: Da kommen unterschiedliche musikalische Welten zueinander, die aus der Begegnung Kreativität schöpfen.