Cellist mit Hang zu Raritäten

Ausnahme-Cellist Alban Gerhardt spielt in Darmstadt. Foto: Sim Canetty Clarke

Am Wochenende spielt Alban Gerhardt in Darmstadt, auf seinen CDs pflegt der Künstler ein besonders breites Repertoire.

Anzeige

DARMSTADT. Er wirkt weder abgehoben noch eitel und plädiert dafür, Musiker nicht zu wichtig zu nehmen. Dabei gehört Alban Gerhardt zum überschaubaren Kreis der weltweit anerkannten Cellisten. Mit 21 gab er 1991 sein Konzertdebüt mit den Berliner Philharmonikern. Seitdem arbeitet er mit international bedeutenden Orchestern ebenso wie mit wichtigen Kammermusikpartnern zusammen, hat ein ungemein breites Repertoire eingespielt.

Unkonventionell ist Gerhardt nicht nur bei seinen weitgespannten Repertoireinteressen: In Probe und Konzert spielt er seit Jahren mit Ohrenstöpseln. Dabei werde die Raumakustik weggedämpft, man höre sich selbst viel genauer, auch die Intonation würde davon profitieren. Am Wochenende spielt er in den Sinfoniekonzerten des Staatstheaters Darmstadt, am Sonntagabend gibt er zusätzlich einen Soloabend.

Die Qualitäten seines Cellospiels zeigen sich auch beim jüngst wieder veröffentlichten a-Moll Konzert von Anton Rubinstein (mdg 335 2016-2, über Naxos). Ohne seine künstlerische Persönlichkeit hintan zustellen, spielt Gerhardt das unterschätzte Werk mit einer überzeugenden Mischung aus Ausdruckstiefe und virtuosem Zugriff. Überzeugend der Farbenreichtum, die er seinem Cello von Matteo Gofriller aus dem Jahr 1710 entlockt, der Ausdruck, der sich nie in selbstgefälligen Manierismen ergeht.

Das Unbekannte zeigt sich neben der Rubinstein-Aufnahme in vielen Einspielungen bei Hyperion, wo er beispielsweise konzertante Werke von Ernö Dohnanyi mit denen von Georg Enescu und Eugen D’Albert (Hyperion CDA67544, über Note1) kombiniert oder dem Cellokonzert von Schumann die von Robert Volkmann, Albert Dietrich und Friedrich Gernsheim (Hyperion CDA67583) gegenüberstellt. In der Reihe „The Romantic Cello Concerto“ sind zudem weitere gewichtige, aber wenig bekannte Werke von Wilhelm Fitzenhagen (Hyperion CD68063) oder Hans Pfitzner (CDA67906 ) erschienen. Der Cellist ist aber nicht nur in der Vergangenheit auf der Suche, ebenso arbeitet er mit Gegenwartskomponisten wie Jörg Widmann, Matthias Pintscher, Peteris Vasks oder Brett Dean zusammen, dessen Cellokonzert ursprünglich in Darmstadt erklingen sollte.

Anzeige

Auch als Kammermusiker wandelt er mit hohem musikalischen Anspruch auf Pfaden abseits des Standardrepertoires, wie seine Einspielung der vier Cellosonaten von Max Reger mit dem der Musik des Komponisten eng verbunden Pianisten Markus Becker nebst der Solosuiten für Cello unterstreicht. Zu seinem 50. Geburtstag im vergangenen Jahr hat er sich des Gipfels der Cello-Literatur angenommen, den sechs Solo Suiten von Johann Sebastian Bach (Hyperion zwei CDs CDA68261/2): reif, technisch souverän, rhythmisch prägnant gelingt Alban Gerhardt eine überzeugende Gesamtschau.