Bayreuths „Parsifal“-Regisseur Uwe Eric Laufenberg über...

aus Die Bayreuther Festspiele

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Wiesbadens Staatstheater-Intendant Uwe Eric Laufenberg 2016 bei der Probenarbeit mit der Sängerin Elena Pankratova. Diese wird auch in diesem Jahr wieder als Kundry in Laufenbergs „Parsifal“-Inszenierung zu erleben sein. Archivfoto: Bayreuther Festspiele/Jörg Schulze  Foto:

Vom 26. Juli an steht Uwe Eric Laufenbergs Bayreuther Festspiel-Inszenierung des Bühnenweihfestspiels „Parsifal“ wieder auf dem Spielplan. Mit einigen neuen Namen auf dem...

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WIESBADEN. Vom 26. Juli an steht Uwe Eric Laufenbergs Bayreuther Festspiel-Inszenierung des Bühnenweihfestspiels „Parsifal“ wieder auf dem Spielplan. Mit einigen neuen Namen auf dem Besetzungszettel. Semyon Bychkov ist der neue Dirigent der Produktion.

Herr Laufenberg, „Parsifal“ hatte 2016 Premiere. Das Mitleiden, das in diesem Werk eine zentrale Rolle spielt, gerät seitdem als humane Haltung zunehmend in die Defensive, wenn man sich zum Beispiel die Flüchtlingspolitik anschaut. Hat das Konsequenzen für Ihren Blick auf „Parsifal“?

Das war auch schon 2016 so. Aber die gesteigerte Schizophrenie der in Bayern regierenden Christlich-Sozialen Union zum Beispiel, Kreuze laut Erlass in jede Amtsstube zu hängen, aber Menschen lieber im Mittelmeer ersaufen zu lassen, als sie nach Bayern reinzulassen, spielt unserer Auslegung des „Parsifal“ sehr zu. Wenn man kein Mitleid mehr hat für die leidende Existenz am Kreuz, verabschiedet sich das Christentum aus unserer Gesellschaft und aus unserem Leben. Vielleicht sollte man sich da ehrlich machen. Aber halten wir es aus, ohne Religion zu leben?

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Der Dirigent Semyon Bychkov übernimmt in diesem Sommer „Parsifal“ – und hat womöglich ganz andere Tempovorstellungen als Hartmut Haenchen. Hat das auch szenische Konsequenzen?

Mit Seymon Bychkov habe ich in Dresden „Lady Macbeth von Mzensk“ und „Rosenkavalier“ erarbeitet. Wir kennen uns also. Aber diese Arbeiten liegen mehr als 18 Jahre zurück. Ich hätte mir nicht vorgestellt, dass die erneute Zusammenarbeit so harmonisch und befruchtend verläuft. Haenchen ist ein kühler, analytischer Dirigent. Bychkov ist ein subjektiver und emotionaler Musiker. Beide Ergebnisse sind sehr unterschiedlich. Aber die emotionale Komponente bei „Parsifal“ ist mir sehr nahe.

Ryan McKinney war Ihr durchtrainierter, in seiner Körperlichkeit als Schmerzensmann höchst präsenter Amfortas. In diesem Jahr übernimmt Thomas J. Mayer die Partie. Wird das Blut womöglich dezenter gespendet?

Nein, Thomas Mayer blutet noch mehr, vor allem auch seelisch. Er ist ein begnadeter Sängerdarsteller.

Fällt es schwer, auf den Publikumsliebling Georg Zeppenfeld als Gurnemanz in diesem Jahr verzichten zu müssen?

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Ja, aber das Wunder Bayreuth – oder vielleicht auch nur das Wunder des Lebens – hat uns Günther Groisböck gebracht. Er sieht in dem Kostüm unserer Aufführung aus wie Georg, aber er singt völlig anders. Nicht schlechter, auch nicht besser, nur anders: vehement, subjektiv, unasketisch.

Im Festspieleblog hat sich Zeppenfeld sehr positiv über Ihre Arbeit geäußert und sich gewundert, dass die „Parsifal“-Inszenierung „so schlecht wegkam in der Kritik“. Das freut den Regisseur sicherlich?

Die Kritiken waren gespalten, bei neuen Sichtweisen auf Stücke sind sie das oft. Wobei im Fall „Parsifal“ unsere Sichtweise auf dem Ursprungstext basiert, der nur sehr verschüttet in der Aufführungstradition war und ist. Man hat das Werk immer versucht, vom Religiösen zu befreien. Wir führen es zur Religion zurück. Glaube und Empathie sind nicht allen Kritikern gegeben. Naturgemäß. Und nichts scheuen deutsche Kritiker so sehr wie Emotion. Vielleicht geschichtsbedingt.

Apropos Kritik: Die Festspiele verstehen sich ja als „Werkstatt Bayreuth“. Haben Sie vielleicht auch Kritik aufgegriffen und was geändert?

Es gab verachtende Kritiken, die sich jeder Beschreibung des Dargebotenen verweigert haben, zum Beispiel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, „Die Zeit“ oder im Deutschlandfunk. Was soll man von diesen aufgreifen? Die positiven Kritiken zum Beispiel von New York Times, Telegraph oder Süddeutscher Zeitung sprechen von einem Triumph, einem großen Publikumserfolg und einer neuen Stückdeutung. Warum soll man da ändern? Wir haben aber aus unserer Betrachtung Verschärfungen und Verbesserungen vorgenommen, auch versucht, noch direkter, klarer und einfacher zu gestalten.

Einen Eindruck vom neuen „Lohengrin“ konnten Sie sich auf dem Grünen Hügel sicher auch schon verschaffen?

Die unglaubliche Kulisse mit den sehr leuchtenden Farben von Neo Rauch habe ich auf dem Hof stehen gesehen. Ich bin wirklich sehr freudig gespannt auf diese Aufführung. Sie bekommen auch in diesem Jahr auf dem Grünen Hügel Unterstützung von Oscar, dem Hund mit Bayreuth-Erfahrung? Und anderen Mitstreitern aus Wiesbaden?

Oscar ist in Bayreuth ja schon zu Hause. Natürlich ist Magdalena Weingut als meine unermüdliche Mitarbeiterin wieder dabei, Beate Lenzen als Souffleuse aus Köln, Johann Ludwig, 1. Cellist des Hessischen Staatsorchesters, ist das erste Jahr in Bayreuth. Konzertmeister Alexander Bartha ist wieder da, Damen und Herren aus unserem Chor. Viele Solisten wie Michael Volle, Johannes Martin Kränzle, Daniel Behle, Andreas Schager, Catherine Foster, Thomas Mayer und andere singen demnächst wieder in Wiesbaden. Zur Generalprobe kommen Schauspieler und viele Mitarbeiter. Zu den Vorstellungen kommt viel Publikum aus Wiesbaden, um unsere Arbeit anzusehen und zu unterstützen.

Das Interview führte Volker Milch.