„Der General muss weg!“ von Michael und Elisabeth Buback

Wer ermordete Generalbundesanwalts Siegfried Buback, dessen Fahrer und einen Begleiter 1977? Sein Sohn forscht nach und deckt erneut große Defizite in den RAF-Verfahren auf.

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. Ein Michael Kohlhaas, ein Spinner, ein Rächer? Nichts von dem trifft auf Michael Buback zu. Der Sohn des ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback will einfach nur wissen, wer genau seinen Vater, dessen Fahrer und einen Begleiter am Gründonnerstag 1977 von einem Motorrad aus mit einer Maschinenpistole erschossen hat. 30 Jahre lang hat der Professor für Technische und Makromolekulare Chemie an der Universität Göttingen alles geglaubt, was ihm bundesdeutsche Behörden und Gerichte über den Tod seines Vaters erzählt haben. Dann kam der Ex-Terrorist Peter Jürgen Book und behauptete, dass keiner der für die Morde verurteilten Täter für die Tat in Frage komme.

Buback begann zu fragen, zu recherchieren und zu sammeln. Das Ergebnis fasste er 2008 in seinem ersten Buch „Der zweite Tod meines Vaters“ zusammen. Die Rezensenten mokierten sich zwar über die Akribie und die Missachtung rechtlicher Normen, die der Autor an den Tag gelegt habe. Aber selbst die sonst eher distanzierte F.A.Z. sprach von einem Skandal, den Buback junior aufgedeckt habe.

Die falschen Täter verurteilt

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Akten, Beweise, Gutachten waren verschwunden oder mutwillig vernichtet, die falschen Täter waren verurteilt. Als wäre das nicht genug, deckte Buback auf, was offenbar viele wussten: Verena Becker, eine der Top-Terrorristinnen der zweiten RAF-Generation, diente dem Bundesverfassungsschutz als inoffizielle Mitarbeiterin. Doch das zu erwartende Erdbeben im Bundesgerichtshof, beim Innenminister oder beim Verfassungsschutz blieb damals aus. Immerhin strengte man ein Verfahren gegen Becker wegen Beihilfe zum Mord an Siegfried Buback, Wolfgang Göbel und Georg Wurster an – und verurteilte sie 2012 zu vier Jahren.

Was in diesem Prozess in Stuttgart geschah, dem Michael Buback und seine Frau Elisabeth als Nebenkläger beiwohnten, haben die beiden in dem Buch „Der General muss weg“ zusammengetragen. Fazit: der nächste Skandal. Ob jedes Detail im Prozess so abgelaufen ist, wie die Bubacks – mit verteilten Rollen – aus dem Verfahren berichten, kann nicht nachgeprüft werden. Es gibt keine Niederschrift und kein veröffentlichtes Protokoll. Obwohl jede Menge Zeugen eine Frau auf dem Beifahrersitz des Motorrads in Karlsruhe erkannt haben wollen, eine Haarprobe belegt, dass sie den entsprechenden Helm getragen hat, die Tatwaffe bei ihr gefunden wurde, bleibt es bei der Beihilfe. Michael Buback muss sich ausgerechnet vom Vertreter der Anklage beschimpfen lassen. Einsilbig werden Behördenvertreter immer dann, wenn es um die Privilegien der Becker geht, die sie dank der Verbindungen zum Verfassungsschutz genossen hat und offensichtlich noch im Prozess genießt.

Warum die RAF-Terroristen den „General weghaben“ wollten, versucht Buback im ersten Teil des Buchs zu erklären. Der Jurist war an zahlreichen Prozessen gegen die RAF als Vertreter der Anklage beteiligt. Der Staatsanwalt schreckte vor brisanten Verfahren nicht zurück. Er hielt sich an Recht und Gesetz, wenn es politisch wurde, zum Beispiel in der Spiegel-Affäre, nach der Rudolf Augstein ihm persönlich faires Verhalten bescheinigte, und im Guillaume-Verfahren, als Buback Willy Brandt vernahm.

34 Morde haben Angehörige der Rote Armee Fraktion auf dem Gewissen. In einem einzigen Fall, Bankmanager Jürgen Ponto, steht der Mörder fest. Kein Täter hat bis heute gestanden. Das Ehepaar Buback belegt mit seinem Buch eindrucksvoll, dass die Frage nach den wahren Tätern offenbar nicht mehr interessiert – zulasten der Opfer und ihrer Angehörigen.

Von Stefan Schröder